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11.10.2011

14:53 Uhr

Wall Street

US-Aktien sind so billig wie selten

VonUlf Sommer

US-Firmen verdienen blendend, doch in den Aktienkursen spiegelt sich das nicht wider. Amerikanische Aktien sind so günstig wie zuletzt 1989. Eine gute Gelegenheit für Anleger.

Amerikaner legen ihr Geld am liebsten in Amerika an - die Bewertungen sind meist höher als im Rest der Welt. dpa

Amerikaner legen ihr Geld am liebsten in Amerika an - die Bewertungen sind meist höher als im Rest der Welt.

DüsseldorfIn der Vergangenheit galt fast immer das Motto: Amerikas Unternehmen sind überbewertet und teurer als im langjährigen Durchschnitt. Solch einen Aufschlag im Mutterland der Börse gab es vor allem deshalb, weil die vielen amerikanischen und milliardenschweren Investment- und Pensionsfonds sehr viel stärker ihr Geld in Aktien anlegen als in Europa.

Weil obendrein die USA so viele globale und scheinbar auf Dauer erfolgreiche Konzerne wie Coca-Cola, General Electric und Philip Morris beherbergen, störte sich kaum jemand an diesem Aufschlag. Er gehörte an der Wall Street eben dazu.

Diesen „Bonus“ genießen Amerikas Firmen zwar noch immer – zumindest im Vergleich mit Aktien im schuldengeplagten Euro-Land. Aber: Die US-Unternehmen kosten auf Basis ihrer bereits erzielten Nettogewinne aktuell zum ersten Mal seit 1989 weniger, als es dem historischen Durchschnitt entspricht – und dieser reicht immerhin bis 1871 zurück.

Konkret heißt das: Derzeit bezahlen Anleger für die 500 börsennotierten US-Konzerne im Schnitt das Zwölffache des Gewinns, den die Firmen in den abgelaufenen vier Quartalen erzielten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt also zwölf. Das Durchschnitts-KGV seit 1871 liegt bei 14,5. Daran gemessen sind die US-Konzerne derzeit um gut 15 Prozent unterbewertet.

Die wichtigsten Kennzahlen für Anleger

Der Gewinn

Die wohl bekannteste und beliebteste Bewertungskennziffer für Anleger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Verhältnis von Aktienkurs zu Unternehmensgewinnen. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV umso besser. Aber Vorsicht: Es gibt kaum eine Größe, bei der die Unternehmen besser tricksen können als beim Gewinn. Schauen Sie nicht nur auf die Gewinne eines einzigen Jahres. Ein gutes Unternehmen sollte über viele Jahre bewiesen haben, dass es profitabel arbeitet. Ein einziger Ausreißer nach oben ist noch lange kein Qualitätssiegel. Außerdem kommt es darauf an, welcher Gewinn gemeint ist. Im Folgenden stellen wir verschiedene Gewinn-Kennziffern vor.

EBIT

EBIT steht für "Earnings before interest and taxes". In den USA wird die Kennzahl EBIT als Operating Income bezeichnet. Dieses operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird gewöhnlich für die Beurteilung der Ertragssituation des Unternehmens, insbesondere im internationalen Vergleich herangezogen. Jedoch ist das EBIT nicht nur das reine Ergebnis vor Zinsen und Steuern, wie es weitläufig bezeichnet wird, sondern genauer gesagt das operative Ergebnis vor dem Finanz- und damit Beteiligungsergebnis, was je nach Unternehmen großen Einfluss auf den Gewinn vor Steuern haben kann. Das EBIT kann alternativ auch berechnet werden, indem von Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen werden.

EBITDA

Das EBITDA steht für "Earnings before interest, taxes, depreciation und amortization" aus dem Englischen. Dieses Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern hat Cash-Flow-Charakter, da die liquiditätsunwirksamen Abschreibungen ähnlich wie bei der indirekten Cash-Flow-Berechnung zum Jahresüberschuss hinzu addiert werden. Das EBITDA wird häufig für junge, wachstumsstarke Unternehmen oder Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf als Kennzahl verwendet, die gegebenenfalls negative Jahresüberschüsse erwirtschaften. Das EBITDA lässt sich auch berechnen, indem von den Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen und Abschreibungen addiert werden.

Der Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cash-Flow aus dem operativen Geschäft zeigt das Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss an, lässt also Rückschlüsse auf frei verfügbare Mittel eines Unternehmens zu. Im Gegensatz zu den verschiedenen Gewinnkennziffern lässt sich der Cash Flow kaum durch Bilanztricks schön rechnen. Er eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb einer Branche zu vergleichen. Nachteil: Der Cash Flow schwankt stark. Vergleiche über mehrere Jahre sind schwierig. Ein niedriges Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) deutet darauf hin, dass der Kurs im Vergleich zum Cash-Flow günstig ist.

Die Marktkapitalisierung

Für manch konservativen Anleger ist Größe entscheidend. Je höher die Marktkapitalisierung, also der aktuelle Börsenwert eines Unternehmens, umso geringer die Kursschwankungen. Soweit die Theorie. Zwar schwankt der Aktienkurs großer Konzerne im langfristigen Durchschnitt weniger stark als der von kleineren Unternehmen. Eine Garantie gegen Kursverluste ist das aber nicht. Während der Finanzkrise verloren auch so hochkapitalisierte Dax-Aktien wie Eon oder Siemens kräftig an Wert. Aber die Kurschancen nach oben sind wesentlich kleiner als bei den Kleinen.

Der Umsatz

Eine von Anlegern meist vernachlässigte Größe ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens in Beziehung zu den Umsätzen. Dabei liefert das KUV sehr verlässliche Hinweise darauf, ob eine Aktie möglicherweise interessant sein könnte - oder nicht. Denn anders als der Gewinn lassen sich die Umsätze nicht so leicht manipulieren. Wie bei den anderen Verhältnis-Kennziffern gilt auch beim KUV: Je niedriger der Wert desto besser. Besonders wichtig ist diese Zahl bei sehr jungen Unternehmen, die noch keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaften.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Dividende und dem aktuellen Aktienkurs. Gerade in unsicheren Zeiten gibt die Kennziffer aber einen recht guten Hinweis auf die Qualität einer Aktie. Allgemein gilt: Je höher die Dividendenrendite, desto rentabler ist eine Aktie. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Dividendenrendite vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie etwa Anleihen. Bei einigen Aktien liegt die Dividendenrendite sogar höher als die Rendite für Anleihen desselben Unternehmens. Aber: Während der Zins bei Anleihen fest ist, kann die Höhe der Dividenden schwanken.

Der Buchwert

Eine wichtige Größe, um zu erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist oder nicht, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei werden die Vermögenswerte eines Unternehmens in Relation zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KBV spielt für Value-Investoren wie Warren Buffett eine große Rolle. Sie glauben, dass der Buchwert den "wahren" Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Wird ein Unternehmen an der Börse unter seinem Buchwert gehandelt, schließt der Value-Investor darauf, dass der Markt den eigentlichen Wert unterschätzt. Die grobe Regel lautet: Je niedriger das KBV, desto größer das Kurspotenzial - vorausgesetzt, dem Unternehmen drohen in absehbarer Zukunft keine heftigen Abschreibungen oder gar die Pleite.

Das Eigenkapital

Wichtig ist es für Anleger zu wissen, wie rentabel das Eigenkapital eines Unternehmens arbeitet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des Gewinns zum Eigenkapital. Je höher der Wert desto besser. Allerdings gibt es - wie beim KGV - auch hier ein definitorisches Problem. Welcher Gewinn ist gemeint, was wird als Eigenkapital gezählt? Je nach Rechnungslegung kann es so zu großen Unterschieden kommen.

Beta

Das Beta misst die Schwankungsintensität (Volatilität) einer Aktie im Vergleich zu einem Index während eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit. Je höher das Beta eines Unternehmens ist, desto höher ist folglich die Volatilität und damit das Risiko für den Investor. Ziel der Investor Relations ist es unter anderem, dieses Beta durch zeitnahe und ausführliche Kommunikation möglichst gering zu halten. Das Beta wiederum hat wichtige Bedeutung für die Berechnung der Eigenkapitalkosten oder Optionsscheinprämien. Denn je höher die Kapitalkosten eines Unternehmens sind, desto niedriger ist nach dem DCF-Modell der Unternehmenswert.

Eine solche Unterbewertung ist zwar noch keine Garantie dafür, dass die Konzerne in Zukunft ihren Börsenwert und Anleger ihren Depotwert überdurchschnittlich mehren können. Schließlich sind Kurse nur das Resultat auspotwert überdurchschnittlich mehren können. Schließlich sind Kurse nur das Resultat aus Angebot und Nachfrage.

Aber: „Langfristig profitierten Anleger davon, wenn sie dann Aktien kaufen, wenn sie unterdurchschnittlich bewertet sind“, sagt Jeff Hochman von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Statistiken für die Wall Street seit 1871 belegen: Wer in der Vergangenheit bei einem Bewertungsniveau, wie es aktuell existiert, eingestiegen ist, konnte sich zwölf Monate später über einen Realgewinn – also nach Abzug der Inflationsrate – von durchschnittlich 10,6 Prozent freuen. Auf Sicht von fünf Jahren beträgt der jährliche Kursgewinn sieben Prozent und auf Zehnjahressicht 7,4 Prozent.

Wer dagegen eingestiegen ist, als die Märkte mit einem KGV zwischen 17 und 20 bewertet waren, also bei einem Niveau, das in vielen Phasen der letzten zwei Jahrzehnte herrschte, der musste sich mit weit weniger Rendite begnügen: auf Sicht von zehn Jahren mit einem Zuwachs von nur 3,6 Prozent pro Jahr.

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Die Kurse von vielen Großbanken sinken und sinken. Einige legen in den kommenden Tagen Zahlen vor. Anleger haben wohl Hoffnung, denn seit Jahresbeginn gibt es satte Kursgewinne für amerikanische Geldhäuser.

Ein Blick über die Wall Street hinaus zeigt allerdings, dass die US-Konzerne zumindest im Vergleich zu den Europäern gar nicht so billig sind. In Euro-Land bezahlen die Käufer die Unternehmen aktuell nur mit dem 8,5-Fachen des Jahresnettogewinns. Das ist ein Drittel weniger als in Amerika.

Die Gründe: Seit Juli sind die Aktienkurse in Europa um knapp 30 Prozent und damit stärker als an der Wall Street eingebrochen. Zudem hatten sich die Aktien seit dem Aufschwung ab 2009 nur schwach erholt. Die Schuldenkrise lastet auf ihnen. Weil die meisten Firmen aber hervorragend verdienen und ebenso wie US-Konzerne vor einem Rekordgewinnjahr 2011 stehen, sind Europas Aktienmärkte noch preiswerter als die Wall Street.


Kommentare (2)

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lowabras

11.10.2011, 15:38 Uhr

Nein, 1930 waren sie noch billiger und das steht wieder bevor.

Jedem, der fehlerfrei auf Drei zählen kann, was offensichtlich vielen Politikern abgeht, dem ist längst klar, dass es anders nicht geht. Nein, den Politmarionetten ging es bisher darum Zeit zu gewinnen, damit die privaten Banken ihre Schrottpapiere, mit denen sie viel Geld verdient haben noch gewinnbringend an die Zentralbanken verkaufen konnten (das durfte nur in kleineren Tranchen geschehen um die Kurse zu stützen), natürlich zuletzt auf Kosten der Steuerviehs!
Nun ist es offensichtlich so weit, dass die nun absolut wertlosen Papiere im Safe der Steuerzahler gelandet sind und nun darf so langsam passieren, was niemals zu verhindern ist!
Natürlich ist nun kein Rettungsschirme mehr am kommenden Desaster schuldig, sondern die Schulden (Abschreibungen) sind schon da. Und wieder mal hatten die Politiker recht. Die Rettungsschirme sind und waren nicht das Problem! Nein, nicht, sondern die Politiker sind das Problem und ausführlich beschrieben ist das ganze Szenario bei

www.steuerembargo.co.de

Hier kann man auch erfahren, wie man handeln kann. Sehr, sehr empfehlenswert!

Account gelöscht!

11.10.2011, 17:58 Uhr

chinesische gibt es für ein KGV von 2 bei einem Verhältniss Kurs/Buchwert von 0,3. Amerikanische Aktien glänzen durch Schulden und null organischem Wachstum.

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