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24.08.2015

21:19 Uhr

Wall Street

Zweikampf zwischen Bulle und Bär

VonFrank Wiebe

Nach einem Einbruch erholte sich die Wall Street bis zum Mittag. Danach erfolgte ein erneuter Absturz, der abgefedert werden konnte. Ein turbulenter Tag, der auch auf die Politik der US-Notenbank Einfluss haben könnte.

Das Straßenschild der Wall Street, in der sich die Börse in New York befindet. Im Laufe des Handelstages ging es in beide Richtungen: abwärts und aufwärts um wiederum nachmittags noch einmal abwärts zu stürzen und wieder aufwärts Verluste einzugrenzen. Reuters

A 'Wall St' sign is seen above two 'One Way' signs in New York

Das Straßenschild der Wall Street, in der sich die Börse in New York befindet. Im Laufe des Handelstages ging es in beide Richtungen: abwärts und aufwärts um wiederum nachmittags noch einmal abwärts zu stürzen und wieder aufwärts Verluste einzugrenzen.

New YorkEs war ein klassischer Zweikampf zwischen Bulle und Bär - und am Ende hat der Bär nach Punkten gesiegt. Beim Blick auf den Dow Jones waren es 589 Punkte oder 3,6 Prozent, die der US-Aktienmarkt am Montag verloren hat - nachdem er an den zwei Handelstagen zuvor auch schon auf Talfahrt gegangen war. Der Dow schloss mit 15.871 Punkten. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 sank sogar um knapp vier Prozent auf 1893 Punkte.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Nach dem Einbruch im chinesischen Aktienmarkt um mehr als acht Prozent eröffnete der Dow am Montag mit einem Einbruch von fast 1100 Punkten. Im Laufe des Vormittags erholte er sich wieder deutlich. Dabei waren aber offenbar Käufer am Markt, die nur auf kurzfristigen Gewinn aus waren und zum Teil ihre Papiere zur Mittagszeit schon wieder abstießen. Die Folge war ein erneuter Absturz, der gegen Ende des Handels zum Teil erneut aufgefangen wurde. Dabei kauften aber nach Agenturberichten vor allem Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten und sich nun zu günstigen Preisen mit Aktien eindecken konnten, um ihre Kontrakte glatt zu stellen. Diese Phase dauerte nicht lang, und ganz zum Schluss gaben die Kurse noch einmal deutlich nach.

Wall Street kann China-Sog nicht entkommen

Video: Wall Street kann China-Sog nicht entkommen

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Das Fazit des Tages also: Die Käufer haben überwiegend nicht aus Überzeugung, sondern aus taktischen Gründen zugekauft. Die Bullen waren keine wirklichen Bullen, aber die Bären waren wirkliche Bären. Damit dürfte die Talfahrt in den nächsten Tagen weitergehen.
Eine besonders Schwindel erregende Achterbahnfahrt legte die Apple-Aktie hin. Sie lag zeitweise um rund 13 Prozent im Minus. Grund dafür waren Sorgen der Investoren, die Schwäche in China könne die bisher traumhaften Apple-Gewinne zu stark beeinträchtigen. Konzernchef Tim Cook sah sich genötigt, den Aktionäre öffentlich zu versichern, das Geschäft in China laufe gut. Damit konnte er die Verluste auf 2,5 Prozent im Tagesverlauf begrenzen. Finanzaktien waren schwer gebeutelt. JP Morgan verlor über fünf Prozent, Goldman Sachs mehr als vier Prozent.

+++  Live-Ticker zum Börsensturz  +++: Wie am Montag die Börsenwelt Kopf stand

+++ Live-Ticker zum Börsensturz +++

Wie am Montag die Börsenwelt Kopf stand

Ein turbulenter Börsentag geht zu Ende. Der Dax schließt so tief wie seit mehr als sieben Monaten nicht mehr. Zwischenzeitlich rutschte der Index auf unter 9400 Punkte. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Die New York Stock Exchange hat eine seit 2007 existierende Regel genutzt, um der sich abzeichnenden Panik entgegenzusteuern. Danach können bei extremen Stresssituationen Regularien bei Handelsbeginn wegfallen um so einen schnelleren Einstieg zu ermöglichen. Damit wollte die Börse Druck aus dem Markt nehmen, der sich im Vorfeld schon auf dem Terminmarkt abgezeichnet hatte. Die Futures auf die US-Indizes waren bereits um mehr als fünf Prozent gefallen. Damit der Handel gestoppt wird, müsste der S&P gleich um sieben Prozent einbrechen.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Die Schwäche der Märkte hat möglicherweise auch Rückwirkungen auf die US-Notenbankpolitik. Dennis Lockhart, Chef der Notenbank Atlanta, sagte am Montag, er erwarte nach wie vor eine Anhebung der Zinsen im Laufe des Jahres. Anders als noch Anfang August wiederholte er aber nicht, seiner Ansicht sollte der Schritte schon im September erfolgen. Lockhart gilt als Falke, als Befürworter eine harten Notenbankpolitik. Wenn er schon nicht mehr ausdrücklich am September-Termin festhält, ist das ein Zeichen, dass die Notenbank bei der Straffung der Geldpolitik extrem vorsichtig vorgehen wird.

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