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19.05.2012

16:52 Uhr

Wallstreet-Vorschau

Börse nach Facebook-Desaster im Abwärtstrend

Der Börsengang von Facebook enttäuscht, die Schuldenkrise schwelt weiter, die US-Konjunktur schwächelt: An der Wall Street suchen die Börsianer händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Aber keiner will ein Risiko eingehen.

An der Wall Street warten die Börsianer auf positive Nachrichten. dapd

An der Wall Street warten die Börsianer auf positive Nachrichten.

New YorkNach der schwächsten Handelswoche dieses Jahres und dem enttäuschenden Debüt von Facebook muss die Wall Street sich erst einmal erholen. Die Hoffnung auf eine technische Kurserholung ist unter Börsenexperten relativ schwach. „Der Markt ist extrem überverkauft“, sagt Larry McMillan, Präsident des Options-Analysehauses McMillan Analysis. „Trotzdem stehen alle großen Indizes weiter auf Verkaufen.“ Er geht zwar weiterhin davon aus, dass es auf kurze Sicht zu einer kräftigen Kursrally kommt. Aber diese werde wohl nur kurzlebig sein, der allgemeine Trend weise nach unten.

Haupt-Stimmungstöter ist unverändert die europäische Schuldenkrise. Börsianer fürchten eine Eskalation durch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Außerdem bereitet ihnen der spanische Bankensektor große Sorgen. Mit dem Thema Schuldenkrise beschäftigten sich am Wochenende die Staats- und Regierungschefs der acht etablierten Wirtschaftsmächte auf dem G8-Gipfel. Bundeskanzlerin Angela Merkel sah sich auf dem Treffen mit etlichen Forderungen konfrontiert, ihren Sparkurs durch kräftige Wachstumsimpulse zu ergänzen.

Da sich in den USA die Berichtssaison dem Ende zuneigt, fehlen an der Börse die Impulse, um die Probleme Europas in den Hintergrund zu drängen. Auch jüngste US-Wirtschaftsdaten lieferten eher den Konjunkturpessimisten neue Nahrung. In der neuen Woche stehen am Dienstag und Mittwoch Zahlen zum Immobilienmarkt an. Am Donnerstag folgen die Statistiken zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sowie den langlebigen Gütern, am Freitag eine Erhebung zum Konsumklima.

Obwohl rund um den Globus viele Investoren auf ihrem Geld sitzen und händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchen, trauen sich nur wenige aus der Deckung. „Wir hörten immer wieder den Refrain, dass die Welt mit Geld überflutet ist und die Märkte höher gehen müssen. Dann hieß es plötzlich, dass keiner ein Risiko eingehen will“, sagt Derivatespezialist Peter Cecchini von Cantor Fitzgerald & Co. „Alles in einer Woche.“ Der S&P-500-Index verlor vergangene Woche 4,3 Prozent, der stärkste Rückgang im laufenden Jahr. Im Mai ging es bislang um 7,3 Prozent nach unten.

Das seit langem herbeigefieberte Glanzlicht sollte die Erstemission (IPO) von Facebook werden, eine der größten in den USA aller Zeiten. Doch der Marktstart wurde am Freitag zum Flop. Die Aktien des weltgrößten sozialen Netzwerkes im Internet schlossen nur 23 Cent über dem Ausgabepreis von 38 Dollar. Technikpannen bei den Orders von Kleinanlegern schreckten manche Investoren ab. Doch das muss nicht heißen, dass Facebook auf längere Sicht keine Erfolgsgeschichte am Aktienmarkt wird. Investmentstratege Randy Warren von Warren Financial Service verwies darauf, dass das Unternehmen in der jungen Branche der sozialen Netzwerke bisher beste Karten hat. „Ja, der IPO war enttäuschend, aber Facebook ist hier klar der Gewinner, und andere sind es nicht“, führt Warren aus.

Von

rtr

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

19.05.2012, 18:11 Uhr

Wie kann ein Micky Maus Staat wie Griechenland welches weniger zur Wirtschaft der EU beiträgt wie Hessen die Weltkonjungtur und den Euro beeinflussen?

Thats_life

19.05.2012, 18:23 Uhr

Ganz einfach, indem das Handelsblatt und weitere Medien ein Horrorszenarium veröffentlicht und damit die "Zittrigen" (nach Kostolany) ihre Aktien verkaufen.

Außerdemm leben wir hier in Deutschland.
Einem Land, wo der Pessimismus ausgelebt wird und wo es keine jungen Leute bzw. auch Ältere gibt, die ein Unternehmen gründen und so erfolgreich auf dem Markt bringen wie es uns die Amis vormachen.

Eigentlich schade, dieses Land hätte etwas besseres verdient!

danke_dir

19.05.2012, 18:39 Uhr

Quatsch, bitte mal mit den Fundamentaldaten außeinandersetzen. Die Griechen sind klein, die europäischen Staatsschulden jedoch ausgeweitet. Dazu gesellt sich der Struktur-/Systemfehler der EU, da die Wirtschaften über die Jahre immer mehr auseinanderdivergieren. Der einheitliche Zinssatz sind für viele Staaten dramatisch (z.B. in Spanien die geplatzte Immobilienblase dadurch ausgelöst). Die Lohnstückkosten in den südlichen Ländern sind dramatisch gestiegen. Eine Wettbewerbsfähigkeit ist auch mit weiteren Milliarden nicht erreichbar, da die Lohnstückkosten nicht dadurch sinken werden. Der normale Weg eines Landes ist, wenn die Lohnstückkosten steigen, dass die Währung abgewertet wird. Das ist aber nicht möglich beim Euro. Im Gegenteil, Deutschland schließt diese Lücke durch weitere Exporte und die starken Euro-Staaten zerstören somit aktiv ohne etwas an sich dafür zu können die restliche verbliebene Industrie in den Südstaaten. Der Euro funktioniert einfach nicht, wie jede Währungsunion auf Grundlage der Fiat Money vorher auch schon unter gegangen ist. Und in Griechenland manifestiert sich dieser Strukturfehler nur. Deshalb ist Griechenland auch so wichtig. Wenn die EU es schon nicht bei Griechenland schafft einen vernünftigen Weg aus diesem Dilemma der festen Wechselkurse und Zinsen zu finden, wie soll sie es denn dann erst bei Spanien oder gar Italien?

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