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30.01.2007

19:18 Uhr

Wandelanleihen

Attraktive Tauschoption

VonAndrea Cünnen

Die Unsicherheit über die Entwicklung der Aktienmärkte rückt Wandelanleihen in den Fokus der Investoren. Der Grund: Mit den Zwitterpapieren zwischen Aktien und Anleihen können Anleger von Kurssteigerungen bei Aktien profitieren, sind gegen deutliche Verluste aber abgesichert.

Ein Mechanikder des Diesel-Motorenherstellers MTU arbeitet in Friedrichshafen an einem Motor. Der Konzern hat Wandelanleihen ausgegeben, um das weitere Unternehmenswachstum zu finanzieren.

Ein Mechanikder des Diesel-Motorenherstellers MTU arbeitet in Friedrichshafen an einem Motor. Der Konzern hat Wandelanleihen ausgegeben, um das weitere Unternehmenswachstum zu finanzieren.

FRANKFURT.Wandelanleihen sind wie herkömmliche Bonds verzinste Wertpapiere, die am Ende der Laufzeit zum Nennwert von 100 Prozent zurückgezahlt werden. Zwischenzeitlich können sie aber gegen Aktien getauscht werden. Das Umtauschverhältnis wird bei der Emission festgelegt. Wegen der Kaufoption haben die Wandelanleihen geringere Zinsscheine als normale Anleihen. So hat der Triebwerkshersteller MTU vergangene Woche eine fünfjährige Wandelanleihe über 180 Mill. Euro platziert, die mit 2,75 Prozent verzinst wird. Investoren können sie in Aktien von MTU zum Kurs von 49,50 Euro tauschen. Der Tausch lohnt sich, wenn der aktuelle Aktienkurs darüber liegt. Derzeit notiert MTU mit knapp 40 Euro aber noch deutlich darunter. Die Wandlungsprämie beträgt damit knapp 28 Prozent.

Spezielle Fonds für Wandelanleihen sind allerdings nicht in erster Linie darauf ausgerichtet, die jeweiligen Aktien über die Spezialbonds günstiger zu bekommen als an der Börse. Die Fondsmanager setzen vielmehr auf die Kursgewinne der Wandelanleihen. In den vergangenen Jahren sind die Kurse der Papiere, die auch Convertibles genannt werden, kräftig gestiegen – wenn auch nicht so stark wie die der zu Grunde liegenden Aktien. Auf längere Sicht ergibt sich ein anderes Bild. Die Schutzfunktion der Wandelanleihen zahlte sich während des Absturzes der Aktienmärkte nach dem Platzen der Technologieblase aus. Nach Berechnungen der Fondsgesellschaft F&C Asset Management brachten Convertibles in den letzten zehn Jahren weltweit Erträge von durchschnittlich 11,3 Prozent pro Jahr, Aktien brachten es weltweit auf ein Plus von 8,2 Prozent.

Für dieses Jahr rechnet Anja Eijking, Leiterin des Teams für Wandelanleihen bei F&C, für die globalen Aktienmärkte mit Kurssteigerungen von sieben Prozent. Bei Convertibles erwartet sie Erträge um die 6,5 Prozent. Besonders attraktiv findet sie Wandelanleihen von Banken, Versicherern und Pharmakonzernen. Lieven Jacobs, Fondsmanager bei KBC Asset Management, erwartet an den Aktienmärkten sogar ein zweistelliges Wachstum: „Viele Unternehmen erwirtschaften hohe Gewinne und werden diese entweder für hohe Dividenden und Aktienrückkäufe oder Zukäufe nutzen.“ Beides sei gut für die Aktienmärkte. Dennoch versteht Jacobs, dass viele Investoren zögerten, auf den aktuell hohen Niveaus einzusteigen. Für diese Anleger sind Convertibles seiner Meinung nach ein gutes Investment.

Der globale Convertible-Markt hat laut F&C ein Volumen von rund 500 Mrd. US-Dollar – das entspricht nur gut einem Prozent des Wertes der Aktienmärkte. Convertible-Fonds setzen deshalb auf Papiere aus verschiedenen Ländern und Währungen. Die Währungsrisiken werden teils abgesichert. Für Privatanleger ist dies teuer. Auch wegen der oft geringen Liquidität empfehlen Strategen den Kauf von Fonds. Zudem haben viele Papiere – so auch die neue MTU-Wandelanleihe – Mindestanlagesummen von 100 000 Euro.

„Privatanleger halten sich mit dem Direktkauf von Wandelanleihen zurück“, beobachtet Alexander Weiß, Analyst bei der DZ Bank. Er rät Kleinanlegern nur zu Wandlern, deren Kurse nicht deutlich über 100 Prozent liegen und so einen größeren Schutz vor Kursverlusten bieten. Ansonsten sei es besser, direkt die Aktie zu kaufen. Für 1 000 Euro und zu Kursen um die 100 Prozent gibt es Convertibles von Epcos und Südzucker. Die Wandlungsprämien liegen bei 41 und 29 Prozent.

Strategien mit Wandelanleihen

Aktien-Alternative: Wenn die Kurse der Wandelanleihen bei 150 Prozent oder höher liegen, verhält sich die Wandelanleihe fast wie eine Aktie. Das Verlustrisiko ist hoch, denn am Ende der Laufzeit bekommen Anleger lediglich den Nennwert von 100 Prozent ausbezahlt, wenn sie nicht vorher wandeln.

Anleihen-Alternative: Bei Kursen unter 100 Prozent machen Anleger auch dann Gewinn, wenn sie die Anleihe nicht wandeln, sondern nur bis zur Fälligkeit halten. An steigenden Aktiennotierungen partizipieren Convertibles mit diesen Kursniveaus nur zum kleinen Teil.

Mittelweg: Wandelanleihen, die um die 115 Prozent notieren, machen Kursbewegungen der Aktien etwa zu 50 bis 60 Prozent mit. Das Verlustrisiko ist gering.

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