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15.01.2013

18:47 Uhr

Warnung von Fitch

Spaniens Rating wackelt bedenklich

Egal ob mit oder ohne Euro-Rettungsschirm: Das BBB-Rating von Spanien stehe auf der Kippe, warnt die Ratingagentur Fitch. Das Damoklesschwert der schwachen Konjunktur schwebe über dem Land.

Die spanische Flagge im Zentrum von Madrid. AFP

Die spanische Flagge im Zentrum von Madrid.

LondonDie Bonität Spaniens steht nach Ansicht der Ratingagentur Fitch auch ohne eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm auf der Kippe. Die mangelnde Fähigkeit zum Abbau des Defizits, die hohen Kosten der Rekapitalisierung der Banken und vor allem die schwache Konjunktur seien als Abwärtsrisiken zu werten, teilte die Agentur am Dienstag mit.

"Es ist die Wirtschaft", betonte Fitch-Experte David Riley. Die Aussicht, dass es konjunkturell weiter bergab gehe und sich die Arbeitslosigkeit auf die 30-Prozent-Marke hin bewege, belege, wie schlecht es um das Land bestellt sei. "Das sind die wahren Triebkräfte, selbst wenn es Spanien gelingen sollte, sich am Markt weiter selbst zu refinanzieren."

Fitch bewertet Spaniens Kreditwürdigkeit mit 'BBB' und somit nur zwei Stufen über Ramschniveau. Zugleich ist die Bonität mit einem negativen Ausblick versehen. Die EZB hat hoch verschuldeten Euro-Staaten Stützungskäufe am Sekundärmarkt für Anleihen angeboten, falls sie unter den Rettungsschirm schlüpfen.

Spanien hat diesen Schritt für die Zukunft nicht ausgeschlossen, sieht derzeit aber keine Notwendigkeit dafür. Ministerpräsident Mariano Rajoy kommt bei seiner abwartenden Haltung zugute, dass sich die Lage am Markt nach den Turbulenzen im vorigen Jahr mittlerweile merklich beruhigt hat.

So konnte das Land bei einer Auktion von Geldmarktpapieren am Dienstag zu deutlich günstigerer Konditionen als zuletzt frisches Geld einsammeln. Insgesamt nahm der spanische Staat bei der Emission von zwölf- und 18-Monatspapieren 5,7 Milliarden Euro ein. Für beide Schuldtitel fielen die Renditen jeweils um mehr als einen Prozentpunkt im Vergleich zu den jüngsten vergleichbaren Versteigerungen. Für die Einjahrespapiere sank der Zins auf einen für Spanien relativ erträglichen Wert von unter 1,5 Prozent.

Auch der Appetit der Anleger auf die Papiere stieg: Mit der Zuteilung lag Spanien über dem angestrebten Volumen von 5,5 Prozent. "Das war eine glänzende Auktion", so Ökonom Jo Tomkins von 4Cast. Damit kann Spanien auch mit Optimismus auf die am Donnerstag anstehende Auktion am Kapitalmarkt blicken. Bei der Ausgabe von Papieren mit Laufzeiten bis 2015, 2018 und 2041 will das klamme Land insgesamt 4,5 Milliarden Euro einsammeln.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Viele von Reuters befragte Experten gehen wegen der Beruhigung an den Kapitalmärkten mittlerweile davon aus, dass Spanien dieses Jahr den Rettungsschirm nicht in Anspruch nehmen muss. In einer Umfrage unter 23 Händlern sahen 13 keine Notwendigkeit, dass Spanien den ESM anzapfen muss.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.01.2013, 19:40 Uhr

lol, ja und?
Bald sind alle auf Ramschnivea und dann gleicht es sich wieder aus. In China ist ein Sack Reis umgefallen und das "Rating" eines Landes wackelt - hat für meine Entscheidungen ungefähr diesselbe Aussagekraft.

Der_Crash_kommt

15.01.2013, 19:59 Uhr

Spanien ist pleite, genauso wie Portugal, Griechenland und Irland. Die Italiener und Franzosen stehen auch schon in der Warteschlange.
Politische Konkursverschleppung und Eurorettung um nahezu jeden Preis - nur wird es trotzdem nichts helfen, wenn man weiter tote Pferde Richtung Untergang reitet.

Arminius

16.01.2013, 08:44 Uhr

Wir wollen jetzt hoffen dass die Zeit wo Deutschland und Frankreich eine für sie günstige Entscheidung im voraus vereinbarten und erst dann den anderen EU-Mitgliedern einfach zum Unterschreiben diktiert haben, endlich und für immer vorbei ist.
Dieses Verhalten ist auch der Hauptgrund für die heutige Krise, weil die getroffenen Entscheidungen die schwächere Wirtschaften der EU ungeschützt waren, was zum Kannibalismus innerhalb der EU geführt hat. Daher Leistungsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite, Jugendarbeitslosigkeit, Auswanderung und leider auch Selbstmorde in den schwächeren EU-Ländern.

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