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20.09.2013

16:04 Uhr

Warren Buffet

„Die Fed ist der größte Hedgefonds der Geschichte“

Die Fed ist in aller Munde. Auch Warren Buffett beobachtet die Entwicklungen der Geldpolitik mit großem Interesse. In seinen Augen profitiert besonders der amerikanische Staat von den milliardenschweren Anleihekäufen.

Warren Buffett spricht vor Studenten der Georgetown University. Er hält die Geldpolitik der Federal Reserve für ein profitables Geschäft für die USA. Reuters

Warren Buffett spricht vor Studenten der Georgetown University. Er hält die Geldpolitik der Federal Reserve für ein profitables Geschäft für die USA.

Der Milliardär und Investor Warren Buffett hat die US-Notenbank Federal Reserve mit einem Hedgefonds verglichen. Als Grund nannte er die Fähigkeit der Zentralbank, von Bondkäufen zu profitieren, während sie die Bilanzsumme auf mehr als drei Billionen Dollar ausgeweitet hat.

„Die Fed ist der größte Hedgefonds in der Geschichte“, sagte Buffett am Donnerstag vor Studenten der Georgetown University in Washington. Sie erzielt „wahrscheinlich 80 Milliarden Dollar oder 90 Milliarden Dollar im Jahr“ an Erträgen für die US- Regierung, erklärte er. „Und das war vor ein paar Jahren nicht der Fall.“

Die US-Notenbank kauft monatlich für 85 Milliarden Dollar Anleihen auf, um die Erholung der US-Konjunktur vom stärksten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise zu unterstützen. Notenbankchef Ben Bernanke und andere Fed-Entscheider haben in dieser Woche überraschend dafür votiert, das Volumen der Bondkäufe beizubehalten statt diese allmählich zu reduzieren. Zur Begründung hieß es, man wolle mehr Anzeichen für eine dauerhafte Verbesserung der Wirtschaft abwarten, bevor man mit der Drosselung der Stimulierung beginnt.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Die Fed hat im vergangenen Jahr 88,4 Milliarden Dollar an das US- Finanzministerium überwiesen. Die Zahlungen sind angeschwollen, nachdem die Notenbank in den vergangenen fünf Jahren ihre Bilanz ausgeweitet hat.

Die Fed „steht nicht unter dem geringsten Druck, die Verschuldung abzubauen“, sagte Buffett. „Daher kann sie sich den Zeitpunkt aussuchen, und wenn es dort weise Leute gibt – und ich denke, dass Bernanke weise ist und wohl auch sein Nachfolger, davon gehe ich aus – kann das bewältigt werden. Aber es ist etwas, was in diesem Ausmaß noch nie gemacht wurde. Es wird interessant sein, dies zu beobachten.“

Bernanke hat die Fed durch die Krise gesteuert, seine Amtszeit endet im Januar. US-Präsident Barack Obama hat seinen Nachfolger, der die Rücknahme der lockeren Geldpolitik wird angehen müssen, noch nicht benannt.

Fed-Vize-Chefin Janet Yellen ist Obamas führende Kandidatin für die Nachfolge von Bernanke, nachdem Ex-Finanzminister Lawrence Summers sich aus dem Rennen zurückgezogen hat, wie informierte Kreise in dieser Woche berichteten. Obama hat auch gesagt, dass er den früheren Fed-Vize-Vorsitzenden Donald Kohn für den Posten in Betracht ziehe.

Kommentare (12)

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Genau

20.09.2013, 16:30 Uhr

Kommt ein fauler Mensch zum Handwerker und sagt ich möchte dass Du mir ein Haus baust. Handwerker sagt, bau doch selber. Der faule Mensch sagt, ich gebe Dir Geld und Du baust mir dann ein Haus. Der Handwerker sagt, gute Idee, denn die Tausmaterialen die ich sont dafür bekomme kann ich nicht in der Hosentasche mitnehmen. Gewinner war der faule Mensch. Er druckt auf Papier ohne einen Gegenwert zu haben und lässt andere für sich Arbeiten. Eigentlich genial, aber auch die Einteilung von Herrschaft und Knechtschaft.

Account gelöscht!

20.09.2013, 16:37 Uhr

Ja, ja. Und die Anteilseigner der FED verdienen sich ein goldenes Näschen an der ganzen Geschichte...

Cassandra

20.09.2013, 16:50 Uhr

Das Orakel von Omaha hat eine Archillesverse und diese ist sein Partiotismus gegenüber seinem Heimatstaat. Dieser wird verraten und sein Imperium letzendlich in den Untergang führen.

Tragisch wie sich die Geschichte immer von neuem gleich abspielt. Imperien entstehen und zerfallen. Ich denke noch an Sir Henry's Imperium - 25% der gesamten Wirtschaft Nordamerikas kontrolliert, bis ihn die verräterische Enteignungspolitik und der große Bankencrash in die Knie zwang.

Die Schwachstelle im Berkshire Imperium ist bekannt geworden. Der Untergang ist damit vorgezeichnet. Also genießen wir die Pracht der letzen Woodstocks.

Und einsam spielt der gebrochene Mann auf seiner Ukulele - "Die Welt ein Tor zu tausend Wüsent kalt und stumm, wer das verlor was ich verlor macht niergends halt." (Nietzsche)

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