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12.02.2014

10:13 Uhr

„Warren Buffett von Saudi Arabien“

Der Prinz hat das Orakel im Visier

Prinz al-Walid ist einer der schillerndsten Figuren der arabischen Finanzbranche. Sein Vorbild ist Warren Buffett. Mit geschickten Beteiligungen konnte der Prinz gegenüber dem Orakel von Omaha ordentlich Boden gutmachen.

Prinz al-Walid ist einer der bekanntesten Akteure der arabischen Finanzbranche – und einer der reichsten. dpa - picture-alliance

Prinz al-Walid ist einer der bekanntesten Akteure der arabischen Finanzbranche – und einer der reichsten.

Die fünfmonatige Kursrally von Kingdom Holding bessert die Investmentbilanz von Prinz al-Walid bin Talal Al Saud auf, Nummer 18 unter den reichsten Menschen des Planeten und selbsternannter „Warren Buffett von Saudi-Arabien“. Al-Walids jüngste Wetten auf das Kurznachrichten-Unternehmen Twitter und den Online- Einzelhändler JD.com aus Peking sowie mögliche Börsengänge der Hotelketten Four Seasons Hotels und Fairmont Hotels & Resorts haben dazu beigetragen, dass der Kurs seiner börsennotierten Firma wieder steigt, nachdem er nach der weltweiten Finanzkrise auf Talfahrt war.

„Wir haben verborgene Schätze, viele wertvolle Beteiligungen, die nicht börsennotiert sind“, sagte der 58- jährige Prinz in einem Telefoninterview aus dem schweizerischen Crans-Montana, wo er mit seiner Familie Urlaub machte. „Ihr Wert übersteigt elf bis zwölf Milliarden Dollar, und der Markt könnte sie mit mehr als dem Doppelten bewerten.“

Die Kingdom Holding, die zu 95 Prozent von al-Walid kontrolliert wird, hat seit ihrem 52-Wochen-Tief am 5. September 52 Prozent zugelegt, während der Standard & Poor's 500 Index nur sieben Prozent stieg. Der Kursgewinn erhöhte al-Walids Nettovermögen laut Bloomberg Milliardärs-Index um 26 Prozent beziehungsweise 6,6 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), während das Vermögen von Buffett und der Kurs seiner Berkshire Hathaway weitgehend unverändert blieben. Buffett ist mit einem Vermögen von 57,8 Milliarden Dollar der viertreichste Mensch der Welt. Sein Vorsprung gegenüber al-Walid im Bloomberg-Ranking sei sicher, erklärt dieser – er erwarte nicht, dass er in nächster Zeit sein „Vorbild“ überholen werde. „Letztes Jahr, 2013, war Buffett einer der größten Gewinner an der Börse, viel stärker als ich“, sagte er. „Man kann nicht bloß auf vier, fünf Monate schauen. Ich würde sagen, dass Buffett mir immer noch weit voraus ist.“

Al-Walids Aufstieg folgte auf frühere Investment-Fehlgriffe, darunter sein Verkauf von Apple-Aktien 2005, das Festhalten an Citigroup während der Finanzkrise und der Verlust von 200 Millionen Dollar nach dem Einstieg in WorldCom im Jahr 2000.

Nach einem anfänglichen Anstieg ging es mit Kingdom an der Börse abwärts. Bis November 2008 war der Aktienkurs unter neun Rial gefallen und überstieg den Einführungspreis in den folgenden drei Jahren nur zwei Mal kurzzeitig. In der zweiten Jahreshälfte 2012 begann der Kurs wieder zu steigen, nachdem Kingdom bessere Zahlen aus seinen Immobilien- und Aktieninvestments meldete.

„Nach eigener Aussage trifft der Prinz gute und schlechte Wahlen“, sagt Riz Khan, Autor der 2005 erschienen Biografie „Alwaleed – Prinz, Geschäftsmann, Milliardär“. „Aber seine ursprüngliche Entscheidungsfindung beruht auf ziemlich guter Information und langfristiger Analyse.“

2005 verkaufte al-Walid den größten Teil seiner Apple-Beteiligung, die er 1997 erworben hatte. Damals sagte er in einem Interview mit Bloomberg News, dass das Aufwärtspotenzial beim iPod und die Bemühungen von Steve Jobs „bereits im Kurs enthalten sind“.

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