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22.01.2008

12:40 Uhr

Was die Aktienmärkte in diesen Tagen treibt

Wenn die Angst umgeht ...

VonUlf Sommer

Zwei Phänomene überraschen beim jüngsten Kurssturz: erstens der fast geradlinige Fall seit Jahresbeginn ganz ohne Zwischenerholungen. Zweitens die gestrige Emanzipation von der Wall Street. Der Dax stürzte in der Spitze am Montag über sieben Prozent ab, obwohl an der Leitbörse in New York am Montag nicht gehandelt wurde. Normalerweise passiert an den europäischen Märkten relativ wenig, wenn keine Impulse von der Wall Street zu erwarten sind. Ein Erklärungsversuch.

Die Dax-Kurve am Montag: Der Leitindex erlebte einen der größten Abstürze seiner Geschichte. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Dax-Kurve am Montag: Der Leitindex erlebte einen der größten Abstürze seiner Geschichte. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Um zu verstehen, was die Aktienmärkte seit den ersten Januar-Tagen treibt, empfiehlt sich ein Stimmungsausflug in die letzten Tage des Boomjahres 2007: Der Dax, unser wichtigstes Börsenbarometer, kratzt an seinem Allzeithoch bei über 8 100 Punkten. Dasselbe gilt für fast alle Börsenindizes in der westlichen Welt - trotz Rezessionsängsten in den USA, riesiger Schieflagen bei vielen Großbanken, verheerender Quartalsberichte sowie einbrechender Immobilienpreise mit allen auch schon damals erschöpfend beschriebenen negativen Folgen für den amerikanischen Konsumenten.

Dennoch treibt in den Weihnachtstagen eine Mischung aus Jahresendeuphorie und nüchterner Kurs-Gewinn-Berechnung die Börse nach oben. Denn Europas Unternehmen verdienen so viel wie noch nie, lassen keine Schwächen erkennen, und ihre Anteilsscheine sind trotz immens gestiegener Kurse immer noch "billig". Sie kosten an der Börse im Schnitt ein Viertel weniger, als es dem historischen Mittel seit dem Zweiten Weltkrieg entspricht. Das lockt immer neue Käufer an.

All das gilt zwar noch immer, aber die Karten sind seit dem ersten Handelstag im neuen Jahr neu gemischt. Anleger waren anfangs durchaus gewillt, das Spiel aus steigenden Kursen trotz täglich neuer Hiobsbotschaften weiterzuspielen. Sie kauften also Aktien trotz dunkler Wolken. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: "Institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen justierten zum Jahresbeginn ihre Stopp-Loss-Marken neu", sagt BHF-Bank-Chefstratege Kai Franke.

Die Anleger setzten nach dem erfolgreichen Börsenjahr 2007 ihre Kursmarken eng an die Jahresanfangsstände, um angesichts eingetrübter Konjunkturhoffnungen nicht negativ überrascht zu werden. Anders ausgedrückt: Sobald nun bestimmte Kursniveaus unterschritten werden, verkaufen sie die Aktien und retten damit einen Großteil der Gewinne. Was technisch-abstrakt klingt, bekommt rasch sehr viel Eigendynamik - mit verheerenden Auswirkungen. "Investoren haben aus dem großen Absturz nach dem Platzen der Technologieblase gelernt", sagt Franke. Zwischen Frühjahr 2000 und März 2003, als der Dax drei Viertel seines Wertes einbüßte, vollzog sich die Talfahrt in Wellen. Verlusttage wechselten sich mit Erholungen ab. Darin spiegelte sich das typische Anlegerverhalten wider, auf vermeintlich günstigerem Kursniveau rasch wieder einzusteigen.

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