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03.06.2011

09:20 Uhr

Wasser

Zaubertrank fürs Depot

VonAnke Rezmer, Stefan Schneider

Die stetig wachsende Weltbevölkerung braucht es nicht nur zum Trinken - ohne trocknet auch die Industrie aus: Wasser ist der Rohstoff der Zukunft – und damit auch Stoff für Anleger.

Anleger, die das Thema Wasser für sich entdecken, müssen indirekt investieren. Quelle: CAEPSELE

Anleger, die das Thema Wasser für sich entdecken, müssen indirekt investieren.

FrankfurtSauberes Wasser wird immer knapper. Denn die Vorräte an nutzbarem Süßwasser sind beschränkt, und der Verbrauch nimmt zu. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts hat sich der Wasserverbrauch auf 4500 Kubikkilometer im Jahr etwa verdreifacht, wie Daniel Wild von dem auf nachhaltige Anlagen spezialisierten Schweizer Vermögensverwalter SAM in einer Studie schreibt. Weil die Weltbevölkerung weiter wächst und die Menschen mit steigendem Lebensstandard mehr Wasser verbrauchen, schätzt er, dass der Verbrauch bis zum Jahr 2030 noch einmal um rund die Hälfte zunimmt auf mehr als 6500 Kubikkilometer oder 6500 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Besondere Probleme bereitet die Ungleichverteilung des Wasservorkommens auf der Erde. Während etwa der Durchschnittseuropäer heute täglich 150 bis 400 Liter Wasser verbraucht, fließen in den USA jeden Tag 580 Liter aus dem Hahn, in China bislang 90 Liter. In vielen armen Ländern kommen Menschen an weniger als 50 Liter Wasser am Tag, liegen damit unterhalb der von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO als kritisch angesehenen Grenze. Größte Wasserverbraucher weltweit sind die Bauern mit 70 Prozent, vor der Industrie mit 20 Prozent und Privathaushalten mit zehn Prozent.

Fallstricke bei der Geldanlage Wasser

Unübersichtliche Branche

Zum Sektor Wasser gehören Unternehmen verschiedenster Ausrichtung. So finden sich in Fonds und Zertifikaten Anbieter von Wassertechnologie, Wasserversorger und Abwasseraufbereiter. Anleger sollten also genau schauen, was in den Produkten steckt. Gerade mit Blick auf Anlagerisiken macht es in der Regel einen beträchtlichen Unterschied, ob man ein hochspezialisiertes kleines Nischenunternehmen im Depot hat oder einen großen Versorger, der außer Wasser auch noch andere Energiequellen nutzt und damit in der Regel relativ stabil durch verschiedene Börsenphasen kommt. Insgesamt empfehlen Experten, nur geringe Teile des Vermögens in ein einzelnes Segment zu investieren.

Intransparenz

Bei vielen Zertfikaten ist es schwierig herauszufinden, welche Indizes oder Titel darin abgebildet sind. Experten monieren, dass der genaue Inhalt nicht oder nur so veröffentlicht wird, dass er schwer auffindbar ist. Außerdem geht der Anleger wie bei Anleihen ein Emittentenrisiko ein, sprich: geht der Anbieter pleite, ist das Kapital weg.

Großzügige Auslegung

Zudem interpretieren Produktanbieter das Anlagethema Wasser sehr weit und mischen auch Aktien in das Portfolio, die nur am Rande mit dem Wassergeschäft zu tun haben.

Nachhaltigkeit

Wer in das Thema Wasser unter dem Gesichtspunkt Nachhaltigkeit investieren will, muss genau prüfen, was er ins Depot bekommt. In der Regel werden hier keine ökologischen und ethischen Kriterien berücksichtigt. Es können also auch Unternehmen in Fonds oder Zertifikaten stecken, die Rüstung oder Kernenergie anbieten und damit normalerweise nicht in ökologisch korrekten Anlageprodukten vorkommen.

Geringe Auswahl

Da die Auswahl passender Unternehmen aus den Wassersektoren begrenzt ist, finden sich häufig die gleichen Unternehmen in den verschiedenen Indizes. Von der großenn Palette an Fonds oder Zertifikaten sollte man sich also nicht blenden lassen, sondern schauen, welche Titel man einkauft.

Wasser ist zugleich ein Wirtschaftsfaktor. Wassertechnologie und Dienstleistungen kosten weltweit im Jahr mehr als 480 Milliarden US-Dollar, wie SAM-Experte Wild erklärt. Der größte Teil davon wird für Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung ausgegeben. In den nächsten Jahren dürfte die Bedeutung dieses Wirtschaftssektors zunehmen. Investitionen in die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur werden nötig, vor allem die ärmeren und schnell wachsenden Länder haben Nachholbedarf. Und ein vermutlich steigender Wasserpreis dürfte alle Bereiche des Lebens verteuern.

Anleger, die das Thema Wasser für sich entdecken, müssen indirekt investieren. Denn anders als andere Rohstoffe wird Wasser nicht an der Börse gehandelt. So bleiben Firmen, die mit Wasser Geld verdienen. SAM-Forscher Wild hält folgende Geschäftsmodelle für lukrativ: die Sanierung von Wasserleitungen, den Bau von Kanalisationen oder die Wasseraufbereitung. Zudem hält Wild Firmen für interessant, die Produkte und Dienstleistungen für eine effiziente Wassernutzung anbieten, etwa bei der Bewässerung und der Nahrungsmittelproduktion.

Hervorzuheben ist zudem die Energieversorgung: Wasserkraftwerke stellen eine klimafreundliche Alternative zur aktuell vieldiskutierten Atomkraft dar. In Europa sind immerhin noch zwei Fünftel des wirtschaftlich nutzbaren Wasserkraftpotenzials ungenutzt, wie Josef Auer von der Deutsche Bank Research ermittelte.

Kommentare (3)

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MrBanffshire

03.06.2011, 17:29 Uhr

How can someone bet on water? That's just sick people!!!
Gehören Nestle und CocaCola nicht schon genug Brunnen in den least developed countries, damit wir jeden Tag günstig literweise Cola trinken dürfen?
Lebensmittel und Trinkwasser sollte von den Börsen dieser Welt verbannt werden!!!

Diaspora

03.06.2011, 17:48 Uhr

Gerade Trinkwasser sollte an der Börse gehandelt werden, damit die Menschheit endlich mal merkt was wertvoller ist!! Gold oder Wasser?!

"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."

MrBanffshire

03.06.2011, 21:52 Uhr

Bis wir das in unserer dollargrünen Blase gemerkt haben wird es keinen Menschen mehr in least developed countries geben. Wir werden für wasser länger mehr zahlen können, als die Menschen von denen wir es uns nehmen. Das ist ein Axiom der Geldverteilung unserer Marktmechanismen. Wer sich das nicht eingesteht hat das Kapital der sozialen Marktwirtschaft in den 50er Jahren übersprungen. Die Märkteregulieren sich nicht selbst und den Schwächeren wird auch niemals geholfen, solange keine Sanktionen folgen.

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