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10.03.2011

14:57 Uhr

Weg mit US-Anleihen

Großinvestor verliert Vertrauen in die USA

Inflation ist nach Meinung von US-Notenbankchef Ben Bernanke ein vorübergehendes Problem. Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds, sieht das anders. Und verkauft daher sämtliche US-Staatsanleihen.

Ben Bernankes Kurs ist stark umstritten. Quelle: Reuters

Ben Bernankes Kurs ist stark umstritten.

New YorkDer weltgrößte Bondinvestor Pimco verabschiedet sich von US-Staatsanleihen.

Der Total Return Fonds von „Bondkönig“ Bill Gross hat seine Bestände an Schuldverschreibungen der US-Regierung auf Null reduziert und gleichzeitig seine Barquote deutlich erhöht. Gross, einer der geachtesten Experten für festverzinsliche Papiere weltweit hatte zuletzt immer wieder vor den negativen Auswirkungen des riesigen US-Haushaltsdefizit und der heraufziehenden Inflationsgefahren gewarnt. Eine steigende Inflation belastet den Wert von Anleihebeständen. Er ist bei Pimco für die Anlage von insgesamt 1,1 Billionen Dollar an Kundenvermögen verantwortlich.

Der Pimco-Rückzug wird von führenden Ökonomen in Deutschland unterschiedlich bewertet. „Es wurde Zeit, das die US-Kapitalmärkte auch die heimischen Staatsschulden in den Blick nehmen“, sagte Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater Handelsblatt Online. Hier zeige sich, dass die USA schlechtere Finanzkennzahlen aufweisen als der Euroraum. „Neben den Problemen in den europäischen Ländern zeigen nun auch die Vorbehalte gegenüber der US-Staatsschuld, dass in den westlichen Ländern eine Zeitenwende in den öffentlichen Haushalten bevorsteht, denn diese müssen über Jahre hinweg konsolidiert werden.“ Für die USA bedeutet dies nach Ansicht Katers, dass auch sie an Einnahmen und Ausgaben herangehen müssten. „Wenn das aufgrund einer politischen Patt-Situation nicht möglich sein sollte nach den nächsten Wahlen, dann ist eine Vertrauenskrise vorstellbar“, warnte er.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, warnte hingegen davor, den Pimco-Rückzug überzubewerten. „Es gibt eine Staatsschuldenkrise im Euroraum, aber nicht in den USA“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Zwar litten auch die USA unter hohen Staatsdefiziten. „Aber im Gegensatz zu den Peripherieländen im Euroraum haben sie eine wettbewerbliche, durch Konkurrenz geprägte Volkswirtschaft“, erläuterte der Ökonom. Der US-Arbeitsmarkt sei flexibel und die Bevölkerung wachse. Außerdem hätten die USA eine eigene Zentralbank, die ihre Politik auf die Bedürfnisse des Landes ausrichten könne. „Dagegen ist die Europäische Zentralbank gezwungen, sich am Durchschnitt des Euroraums zu orientieren.“

Der vollständige Abschied von US-Staatsanleihen rückt mit einem Schlag die Schuldenprobleme der weltgrößten Volkswirtschaft ins Rampenlicht. Denn nicht nur im Süden Europas haben Bürger und Regierungen über ihre Verhältnisse gelebt. „Die Lage bei einigen US-Bundesstaaten ist viel prekärer als in der Euro-Zone“, erklärt Mario Mattera, Analyst bei der Metzler Bank.

Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann sieht vor allem in dem immer wieder eskalierenden Streit zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern die größte Gefahr für die US-Wirtschaft. Im folgenden ein Überblick über die US-Schuldenfront.

In Wisconsin haben die Angestellten im öffentlichen Dienst in der Landeshauptstadt Madison das Kapitol besetzt, um gegen die rigorosen Sparmaßnahmen des Republikanischen Gouverneurs Scott Walker zu demonstrieren. Mit ihrer Flucht ins benachbarte Illinois haben Demokratische Landesparlamentarier bislang eine Verabschiedung des Sparhaushalts verhindert, obwohl auch ihnen der Grund für die Sparpläne klar ist: Der Bundesstaat hat ein Defizit von 3,6 Mrd. Dollar.

Kommentare (6)

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Martin

10.03.2011, 07:34 Uhr

Die verabschieden sich aber spät von dem US Junk
Wer überhaupt Anleihen hält von dem Privatbankenkartell muss verrückt sein....
Und die Bevölkerung schläft weiter....
Sie lassen ihr Land und die ganz Welt ruinieren von einer selbsternannten "Elite". Sie zahlen Zinsen und Steuern und bekommen Geld aus der Luft produziert dafür.
Ohne jeglichen Wert !!!!!
Das wird der Rest der Welt sehr bald sehr schmerzlich erfahren müssen....

honululu

10.03.2011, 12:02 Uhr

Interessant auch, dass so eine Bombe in unseren deutschen weichgespülten Standardmedien (SPON, BILD etc.) keine Beachtung findet. Die meisten Leute haben keine Ahnung, was Staatsanleihen sind, sie wissen nicht, was für eine Bedeutung so ein Signal hat. Ich predige in meinem Bekanntenkreis seit Monaten: Kauft Gold, werde aber immer noch für bekloppt gehalten. Besonders die verwöhnte Generation der Wirtschaftswunderkinder ab Jg. 1940 kapiert überhaupt nicht, was uns noch bevorsteht. Die meinen, unser System würde ewig so schön weiterwachsen wie bisher. Und unsere Politiker werden das Spiel des schönen Scheins so lange weiterspielen, bis das Ganze platzt.

Account gelöscht!

10.03.2011, 12:48 Uhr

Es scheint so, als hätte die Schuldenkrise nun auch die USA erreicht. - Eine probate Kurzfristlösung wäre sicherlich, dass die Notenbanken sich gegenseitig die Bonds abkaufen??

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