Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2012

12:54 Uhr

Wegen Anleihe-Käufen

Griechische Bankaktien stürzen ab

Nachdem der griechische Staat den Ankauf von Anleihen griechischer Banken angekündigt hat, sind die Werte griechischer Banken weiter auf Talfahrt. Anleger und Institute fürchten Schlimmes.

Die Banken fürchten, dass für sie der Rückkauf der Anleihen in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird. dpa

Die Banken fürchten, dass für sie der Rückkauf der Anleihen in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird.

Frankfurt Die griechischen Bankenwerte haben am Mittwoch ihre Talfahrt im Sog der Ankündigung eines Anleiherückkaufs durch den griechischen Staat fortgesetzt. Die Titel brachen um 5,2 Prozent ein. Der Athener Leitindex notierte 1,1 Prozent niedriger. Die Banken fürchten, dass für sie der Rückkauf der Anleihen in jedem Fall Verluste mit sich bringen wird.

Neben den einheimischen Banken halten vor allem Hedgefonds noch Hellas-Staatsanleihen. Für sie könnte sich der Rückkauf auch lohnen - je nachdem, wann sie die Anleihen zu welchem Preis gekauft haben. Entscheidend für den Erfolg der Aktion sei letztlich, wie viele private Anleger das Angebot der Griechen annehmen werden, erklärten Analysten in Frankfurt und London. Und genau das sei fraglich. Einige Hedgefonds könnten darauf setzen, dass die Kurse der Anleihen steigen werden, je unwahrscheinlicher ein Staatsbankrott Griechenlands werde, erklärte Gabriel Sterne, Ökonom bei Exotix.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland hat Kreisen zufolge die Deutsche Bank und Morgan Stanley mit der Organisation des Rückkaufs von Staatsanleihen beauftragt. Das sagte ein ranghoher Mitarbeiter des griechischen Finanzministeriums am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Derzeit planen wir, dass der Rückkauf auf freiwilliger Basis erfolgt", sagte er. "Wir hoffen, dass Anfang kommender Woche - wenn möglich schon am Montag - die staatliche Finanzagentur PDMA die Ausschreibung für den Rückkauf veröffentlicht."
Griechenland will alte Bonds am Kapitalmarkt zurückzukaufen und damit vom starken Preisverfall der Papiere profitieren. Dadurch sollen die Schulden gedrückt werden. Private Investoren halten noch Anleihen im Wert von rund 60 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt auf griechische Banken und Pensionsfonds, der Rest auf Hedge-Fonds, die auf einen solchen Rückkauf spekuliert haben dürften.

Der Preis, den die Griechen den privaten Anlegern anbieten wollen, soll nicht höher als die Schlusskurse der Papiere vom 23. November liegen. In Brüsseler Verhandlungskreisen wurde schon am Montagabend kolportiert, dass ein Angebot von 35 Cent für jeden Euro, den Griechenland in Form von Anleihen schuldet, erwogen wird. Frankfurter Analysten nannten eine Spanne von 30 bis 35 Cent je nach Laufzeiten.

Zehnjährige griechische Anleihen notieren derzeit bei 34,87 Punkten und rentieren 16,29 Prozent. Zum Vergleich: Die entsprechende Bundesanleihe notiert bei 100,93 Punkten und rentiert bei 1,40 Prozent.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Von

rtr

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sarina

28.11.2012, 12:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

28.11.2012, 12:48 Uhr

Island hat gezeigt wie es geht: Korrupte Regierung austauschen, Banken verstaatlichen, Schuldenschnitt, kriminelle Banker inhaftieren - fertig.

so_what

28.11.2012, 12:53 Uhr

Griechische Banken haben im Oktober griechische Staatsanleihen in Höhe von netto €0,1 Mrd erworben.
11:01 - Echtzeitnachricht

Wenn sie die Anleihen am Markt zu den damaligen Kursen gekauft haben, dann haben sie 100% Gewinn gemacht, obwohl die Summe nicht weltbewegend ist.

Aber alle anderen Spekulanten, die das auch so gemacht haben, sitzen nun auf dicken Gewinnen.

Der Fehler war - so dumm wie die pol. Akteure eben sind - daß dieser Rückkauf zuvor breitgetreten wurde letzte Woche, so muß Griechenland nun 100% mehr für die Rückkäufe ausgeben.
Dumm gelaufen....

"In der vergangenen Nacht haben sich die Euro-Finanzminister und der IWF nun auf einen neuen Schulden-Kompromiss verständigt. Konkret wollen sie die Finanzlücke der Griechen durch den Rückkauf von Anleihen, durch niedrigere Zinsen und durch einen Rückgriff auf Gewinne der EZB finanzieren.

So soll Griechenland rund die Hälfte der 40 Mrd Euro durch einen Anleiherückkauf aufbringen. Dahinter steht folgende Logik: Zurzeit halten private Gläubiger griechische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von etwa 67 Mrd Euro. An den Finanzmärkten notieren diese Papiere aber nur noch bei etwa 30 % dieses Wertes. Kauft Griechenland für 10 Mrd Euro eigene Staatsanleihen zurück, könnte es so den Schuldenstand um netto 23 Mrd Euro drücken.

Hört sich genial an, hat allerdings ein paar Haken. Zum einen ist nicht klar, ob genug Gläubiger mitmachen. Für Kleinanleger könnten die Kosten eines Umtauschs zum Beispiel zu hoch sein. Zum anderen halten griechische Banken etwa ein Drittel der Schulden. Wenn sie sich beteiligen, müssten sie Abschreibungen treffen und bräuchten eventuell neues Kapital.

Die Griechen sollen den privaten Investoren bis zum 13. Dezember ein Angebot über den Rückkauf von Anleihen machen, damit die Euro-Finanzminister am selben Tag die Auszahlung der Hilfsgelder von 43,7 Mrd Euro beschließen können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×