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08.06.2011

13:23 Uhr

Wegen Atomausstieg

S&P stuft RWE herunter

Der schnelle Atomausstieg wird sich deutlich in den Gewinnerwartungen der Betreiber von Kernkraftwerken niederschlagen. Die Ratingagentur Standard + Poor's zieht daraus ihre Konsequenzen.

RWE-Logo vor der Konzernzentrale. Quelle: dapd

RWE-Logo vor der Konzernzentrale.

DüsseldorfNach der Atomwende stufen immer mehr Ratingagenturen die Bonitätsnoten für die AKW-Betreiber herunter. Am Mittwoch senkte Standard + Poor's die Beurteilung der langfristigen und kurzfristigen Kreditwürdigkeit des Energiekonzerns RWE auf "A-"beziehungsweise "A-2" herunter. Der Ausblick sei negativ. Die Agentur verwies darauf, dass wegen des Atomausstiegs die Profitabilität des Konzerns zurückgehen werde.

Grund hierfür seien schwächere Gewinne in der Stromerzeugung. RWE muss nach dem Ausstiegsbeschluss zwei seiner fünf Meiler sofort stilllegen, die übrigen bis Ende 2022. Die abgeschriebenen Atomkraftwerke waren bislang die Gewinntreiber der Energiekonzerne.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Moody's angekündigt, das Rating von Eon auf eine Herabstufung hin zu prüfen. Den Ausblick für EnBW senkte sie auf "negativ" von "stabil". Durch schwächere Ratings erhöhen sich für die Konzerne die Zinsen für die Aufnahme von Krediten.

Eon-Chef Johannes Teyssen rechnet für die Branche mit einem Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe. RWE hatte als Faustformel einen Ergebnisverlust von 30 Millionen Euro je Block und Monat genannt. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beziffert den Wertverlust für die vier Versorger auf bis zu 22 Milliarden Euro. Einen Teil könnten sie allerdings womöglich durch den gestiegenen Großhandelspreis für Strom wettmachen.

Der Preis je Megawattstunde Strom zur Lieferung 2012 liegt derzeit bei rund 60 Euro - ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Niveau aus der Zeit vor dem Unglück in Japan Mitte März. Der AKW-Ausstieg könnte also die Gewinnmargen von Kohle- und Gaskraftwerken verbessern, wie sie neben den vier Energieriesen auch zahlreiche Stadtwerke planen. Strom aus Kohle wird jedoch 2013 teurer, wenn die Versorger sämtliche Verschmutzungsrechte zum Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids erwerben müssen.

Die 17 deutschen Atomkraftwerke stellten zuletzt einen Anteil von 23 Prozent der Stromerzeugung. Für die Konzerne ist die Bedeutung teilweise noch größer. Eon erzeugt fast die Hälfte seines Stroms in Deutschland aus Atomkraftwerken. Der größte deutsche Versorger betreibt sechs Meiler und ist an weiteren fünf beteiligt. Die vier Atomkraftwerke des Karlsruher Versorgers EnBW erzeugten für das Unternehmen bislang 51 Prozent seines Stroms. Der auch stark auf Kohlekraftwerke setzende Konkurrent RWE kommt in Deutschland mit seinen fünf Meilern auf einen Anteil von etwa einem Viertel.

Von

rtr

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