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19.10.2012

11:08 Uhr

Wegen EZB-Käufen

Ausländische Investoren kommen zurück in Italien-Bonds

Ausländische Investoren greifen bei italienischen Staatsanleihen wieder zu. Die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder zu kaufen, um deren Finanzierungskosten zu drücken, sorgt für mehr Vertrauen.

Es geht aufwärts in Mailands Finanzwelt: Ausländische Investoren interessieren sich wieder für italienische Staatsanleihen. Reuters

Es geht aufwärts in Mailands Finanzwelt: Ausländische Investoren interessieren sich wieder für italienische Staatsanleihen.

RomItaliens Bonds stechen unter den Anleihen der anderen Staaten der Euro-Peripherie heraus und bieten bessere Erträge als die Papiere der Kernländer.

Nach Angaben der italienischen Zentralbank ist der Anteil der Italien-Bonds, die sich in Händen ausländischer Investoren befinden, im Juni - dem jüngsten Monat, für den Zahlen vorliegen - erstmals seit mindestens einem Jahr gestiegen. „Sie kommen in alle Laufzeitenbereiche zurück“, sagte Maria Cannata, die Leiterin der italienischen Schuldenverwaltung, in einem Interview mit Bloomberg News am 9. Oktober.

Italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten am Donnerstag bei 4,76 Prozent - so niedrig war die Rendite seit mehr als einem Jahr nicht mehr. „Einer der Gründe, weshalb die Investoren zurückkommen, ist die EZB. Ein weiterer ist, das alles andere mit null rentiert, sagt Laurent Fransolet, Leiter Zinsstrategie Europa bei Barclays Plc in London.

„Wenn ein Fondsmanager sieht, dass einjährige italienische Geldmarktpapiere eine Rendite von 2,5 Prozent bieten während die Rendite solcher Papiere aus Belgien bei weniger als zehn Basispunkten liegt, dann sagt er sich: 'Nun ja, vielleicht sollte ich es machen'“, fügt er an.

Die EU-Vorschläge für Euro-Bonds

Der langfristige Ansatz

Eurobonds ersetzen nationale Anleihen: Am meisten würden nach Einschätzung der Kommission Eurobonds bringen, die anstelle der bisherigen Staatsanleihen treten würden. Die beteiligten Länder müssten hier über ihren eigenen Anteil hinaus für den Fall, dass einzelne Mitgliedsstaaten ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, auch für deren Anteile garantieren.

Die Ausgabe könnte über eine Europäische Schuldenagentur laufen, die die Einnahmen aus den Eurobonds an die europäischen Länder verteilt und auch die Zinsen dafür von den Mitgliedsländern eintreibt. Problematisch bei dieser Lösung wäre, dass damit der Spardruck auf diejenigen Länder sinkt, die von den Eurobonds durch geringere Zinsen profitieren. Sie bekommen Geld günstiger, ohne dafür im Gegenzug ihre Haushalte in Ordnung bringen zu müssen. Hier wären umfassende Maßnahmen zur Gegensteuerung nötig.

Für die Schuldenaufteilung und schärfere Regeln zur Haushaltskontrolle wären umfassende Vertragsänderungen notwendig.
Die Einführung dieser Art von Eurobonds würde deswegen viel Zeit in Anspruch nehmen.

Die Zwischenlösung

Eurobonds als Zusatzfinanzierung: Bei zweiten Vorschlag zur Einführung von Euro-Bonds könnten die Länder parallel zu den Euro-Bonds weiter eigene Staatsanleihen ausgeben. Euro-Bonds, mit einem einheitlichen Zinssatz für alle Teilnehmer, würden nur in einem beschränkten Maße herausgegeben. Die Menge könnte an die Haushaltsdisziplin der Länder geknüpft werden.

Wie beim ersten Vorschlag müssten die beteiligten Länder auch hier über ihren eigenen Anteil hinaus für den Fall, dass einzelne Mitgliedsstaaten ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, auch für deren Anteile gerade stehen, was ebenfalls eine Vertragsänderung nötig machen würde. Da das System der nationalen Schuldtitel parallel weiter bestehen würde und die disziplinierende Wirkung der Märkte somit nicht wegfiele, könnte die Einführung allerdings etwas weniger langwierig ausfallen als beim ersten Vorschlag.

Die kurzfristige Lösung

Euro-Bonds mit beschränkter Haftung: Auch in diesem Fall würden künftige Euro-Bonds nationale Schuldscheine nicht komplett ersetzen. Zudem würden die Mitgliedsstaaten im Falle eines Zahlungsausfalles eines Mitgliedslandes nicht für deren Verpflichtungen gerade stehen müssen. Da dies Auswirkungen auf die Zinshöhe haben würde, würde sich die Mittelaufnahme für wenig finanzsstarke Mitgliedsländer entsprechend weniger verbilligen.

Die disziplinierende Wirkung der Märkte würde beibehalten. Da jeder Staat nur für die eigenen Verpflichtungen gerade stünde, wäre hier keine Vertragsänderung nötig. Die Umsetzung wäre entsprechend schnell zu realisieren.

Seit es den Bondkauf-Plan der EZB gibt, differenzieren die Investoren bei den Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie. Italien, das eines der niedrigsten Haushaltsdefizite hat, wird belohnt: Die Rendite der zehnjährigen Italien-Bonds ist um 156 Basispunkte gesunken, seit EZB-Präsident Mario Draghi am 2. August Bondkäufe ankündigte.

Die Vermögensverwaltung Pacific Investment Management Co., die den weltgrößten Anleihefonds verwaltet, zählt zu den Investoren, die ihr Engagement in italienischen Staatspapieren in den letzten Wochen erhöht hat. Das geht aus Daten von Bloomberg hervor.

Kommentare (2)

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DeutscherMichel

22.10.2012, 06:08 Uhr

Italien-Bonds -..und?
1. Wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herr Weidmann und Sie bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.
5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten, wir werden nicht unbedingt gebraucht. Zur Zeit des Römischen Reich hat Germanien auch nicht zu Europa gehört!
Und da lief in Europa alles bestens, ohne uns!

Machiavelli

22.10.2012, 06:17 Uhr

@ DeutscherMichel,
mag sein dass Deutschland z.Z. profitiert, langfristig führt aber dies zum Scheitern der EU und Währungsunion:
Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.

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