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04.02.2004

07:51 Uhr

Welteke nimmt starken Euro gelassen

Die Finanzmärkte blicken gespannt auf G7-Gipfel

Die Erwartungen der Experten an das Treffen der Industrienationen fallen gespalten aus.

mak FRANKFURT/M. Die Erwartungen an das Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) am Wochenende in Boca Raton sind gespalten. „Die USA, Japan und Europa werden sich wahrscheinlich nicht darauf verständigen können, den Dollar zu stabilisieren“, sagte gestern Eisuke Sakakibara, der von 1997 bis 1999 im japanischen Finanzministerium für die Wechselkurspolitik zuständig war.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, erwartet dagegen eine deutliche Aussage, dass die Industrieländer an stetigen Entwicklungen der Wechselkurse interessiert sind. Die Amerikaner sollten dabei auch andeuten, dass sie keine bewusste Abwertungspolitik für den Dollar betrieben. „Das ist wichtig, um den Devisenmärkten die Zuversicht zu geben, dass spekulative Kräfte nicht die Oberhand gewinnen“, sagte Ramm.

Der G7-Gipfel wird an den Finanzmärkten mit besonderer Spannung erwartet. Als der Wechselkurs des Euros Anfang Januar von Rekordhoch zu Rekordhoch eilte, hatte der französische Finanzminister Francis Mer erklärt, der Wechselkurs sei nicht Sache der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern der G7. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat bestätigt, dass es in Boca Raton eine Erklärung zu den Wechselkursen geben wird. Die Märkte erwarten eine Orientierung.

Joachim Fels, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley, ist skeptisch: „Es scheint keine große Einigkeit zu geben. Ich erwarte nicht allzu viel von dem Statement.“ Fels rechnet damit, dass der Euro nach dem Treffen weiter steigt und die EZB bei Kursen jenseits von 1,30 Dollar möglicherweise einseitig an den Devisenmärkten interveniert.

Nach Ansicht von Tomoko Fujii, Direktor bei der Nikko Citigroup, wird der G7-Gipfel Japan nicht davon abbringen, seine bisherige Politik zu ändern. Um seine Exportwirtschaft zu schützen, hat Japan allein im Januar für 67,8 Mrd. Dollar Yen verkauft. Das ist fast ein Drittel der Summe, mit der Tokio 2003 interveniert hat, um die Yen-Aufwertung zu begrenzen. „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Japan dieses Mal bei seiner Interventionspolitik irgendwelche Konzessionen machen wird“, sagte Fujii. Welteke demonstrierte dagegen gestern gegenüber dem starken Euro Gelassenheit. „Es ist wichtig, den Effekt der Euro-Aufwertung auf die Konjunktur und auf die Exportnachfrage insgesamt nicht zu überschätzen“, sagte der Bundesbankpräsident. „Eine starke Währung ist ein Aktivum. Deutschland ist mit der starken D-Mark gut gefahren.“

US-Staatssekretär im Außenministerium, John Taylor, kündigte gestern an, welche Zusagen die USA machen wollen, um den Dollar zu stabilisieren. „Die Strategie, das Haushaltsdefizit auf Dauer zu reduzieren, wird zweifellos ein Kernpunkt der Präsentation der US-Fiskalpolitik sein“, sagte Taylor. Er bestritt aber, dass das hohe Leistungsbilanzdefizit ebenfalls eine Gefahr für den Dollar sei. Nach Ansicht von Taylor reflektiert es die Tatsache, dass die USA ein attraktiver Investitionsstandort sind. Das beste Gegenmittel sei mehr Wachstum in den anderen Ländern.

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