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03.06.2014

10:00 Uhr

Weltuntergang

Schlechte Zeiten für Schwarzseher

VonJörg Hackhausen

Aktiencrash, Euro-Ende, Hyperinflation – in den vergangenen Jahren gab es einen Boom von Untergangsszenarien. Doch die Erfolgsquote ist bescheiden. Ein echter Crashprophet lässt sich davon aber nicht beirren.

Dem Untergang nah? Die vergangenen Jahre haben einen wahren Boom an Crash-Szenarien hervorgebracht. Getty Images

Dem Untergang nah? Die vergangenen Jahre haben einen wahren Boom an Crash-Szenarien hervorgebracht.

DüsseldorfAls Untergangsprophet lässt es sich prima leben. Man hat immer Recht. Die nächste Krise kommt bestimmt. Irgendwann. Unangenehm wird es nur dann, wenn sich die Vorhersagen allzu weit und für alle offensichtlich von der Realität entfernen. Wenn man etwa den Börsencrash vorhersagt, die Aktienkurse anschließend aber auf Rekordhoch steigen, hat man ein Problem. So wie gerade jetzt.

In den vergangenen Jahre gab es einen wahren Boom von Untergangsszenarien. Von alledem hat sich – bis jetzt – nichts bewahrheitet. Die spektakulärsten Vorhersagen im Einzelnen:

Die Börse bricht ein

An den Aktienmärkten droht ein schwerer Crash – und zwar innerhalb der kommenden zwölf Monate. Das hat Marc Faber in einem Interview im April gesagt. Aber das Datum ist gar nicht so wichtig. Denn genauso könnte man eine Aussage aus dem vergangenen Jahr oder dem vorletzten Jahr oder irgendeinem Jahr zitieren. Faber, auch bekannt als Dr. Doom, ist der ungekrönte König der Untergangspropheten. Seine Fangemeinde liebt die apokalyptischen Prognosen, die Faber über seinen Newsletter (Boom, Gloom & Doom Report) verbreitet. In seiner Laufbahn hat der Investor schon unzählige Krisen vorhergesagt. Böse Zungen behaupten, er habe fünf der letzten drei Börsencrashs prophezeit.

Der letzte große Einbruch, verursacht durch die Lehman-Pleite, war im Jahr 2009. Im Herbst 2011 gab es dann nochmals eine Delle. Aber im Grunde geht es an den Börsen seit Jahren fast nur aufwärts. Der Dax hat sich seit der Finanzkrise beinahe verdreifacht – fast bis auf 10.000 Punkte (allerdings inklusive der Dividenden). Die US-Börsen notieren ebenfalls auf Höchstständen. Für mutige Anleger war also einiges zu holen. Wer den Warnungen von Faber und anderen in den vergangenen Jahren gefolgt ist, dürfte dagegen einiges verpasst haben. Klar: Mit jedem Punkt, den die Börsen weiter zulegen, wird die Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur größer. Inzwischen sind die Aktienmärkte zumindest nicht mehr günstig bewertet. Irgendwann wird Faber dann auch wieder Recht haben.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Der Euro wird auseinanderbrechen

„Europa ist Ground Zero“, erklärte der prominente US-Ökonom Kenneth Rogoff auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Und sein Kollege Nouriel Roubini ergänzte: „Europa ist wie ein Auto, das auf eine Mauer zurast.“ Eine Vielzahl von Skeptikern war sich sicher, dass die Währungsunion auseinanderbrechen würde.

Tatsächlich hätte wohl nicht viel gefehlt. Hochverschuldete Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland bekamen keinen Kredit mehr am Kapitalmarkt. Spanien und Italien drohte dasselbe Schicksal. Früher hätten sich die Länder über eine Abwertung der eigenen Währung sanieren können – mit dem Euro ging das nicht. Der Einzige, der das Gebilde zusammenhielt, war Mario Draghi. Der Chef der EZB überzeugte die Finanzmärkte, dass die Zentralbank im Notfall mit unendlich viel Geld aushelfen würde. Als Draghi im Sommer 2012 erklärte, er werde alles tun, um den Euro zu erhalten, glaubten ihm die Investoren – und kehrten zurück nach Europa. Das war sogar so erfolgreich, dass der Euro in der Folge immer stärker zulegen konnte. Inzwischen ist das Problem eher, dass der Euro im Vergleich zum Dollar zu stark geworden ist.

Rogoff, der an der Harvard-Universität in Cambridge lehrt, ist zwischendurch selbst in Erklärungsnot geraten. Seine Studien hatten der Rechtfertigung einer rigorosen Sparpolitik in Europa gedient. Nur leider kam heraus: Rogoff hatte sich beim den Zusammenhang von Wachstum und Schulden verrechnet. Ein Student deckte den Fehler auf.

Kommentare (44)

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03.06.2014, 10:23 Uhr

Meine lieben JournalistInnen, ein echter "Crashprophet" läßt sich von dümmlichen Artikeln ganz sicher nicht beirren - da habt Ihr sicherlich recht - aber er ignoriert sie auch nicht. Sie sind nämlich ein ganz hervorragender Kontra-Indikator. Anstatt sich beirren zu lassen, nimmt ein "Crashprophet" dies daher zum Anlaß, seinen Vorrat an Konservenbüchsen aufzustocken. :o)

Naja, da es ja auch die Optimisten unter den "Crashpropheten" gibt, kaufen die jetzt eben Gold nach (oder jedenfalls schon bald, sobald es die finale Drückung überstanden hat).

"Die Lüge braucht die Stützung durch die Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht"

Account gelöscht!

03.06.2014, 10:25 Uhr

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben....
Wer nicht total veblödet und gehirngewaschen ist, dem ist vollkommen bewußt was uns bevorsteht....

Account gelöscht!

03.06.2014, 10:31 Uhr

Zinsen auf 300 Jahres-Tief (s. Bank of England - die gibt es seit 1694) ist schon keine Petitesse, liebes Handelsblatt.
Sehe nicht, wie die Zentralbanken aus der Ecke herauskommen. Google "zirp trap".

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