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30.09.2014

14:26 Uhr

Wenig Rendite

Finger weg von Neuemissionen!

VonSteffen Ermisch

Erst Alibaba, jetzt Rocket Internet und Zalando: Börsengänge wecken auch bei Privatanlegern große Hoffnungen. Doch an taufrische Aktien kommen sie kaum – und müssen sogar mit Renditeeinbußen rechnen.

Die Suche nach der vielversprechendsten Neuemission verursacht viel Arbeit. Und sie dürfte dem Börsenstar Google jede Menge zusätzliche Suchanfragen einbringen. Getty Images

Die Suche nach der vielversprechendsten Neuemission verursacht viel Arbeit. Und sie dürfte dem Börsenstar Google jede Menge zusätzliche Suchanfragen einbringen.

KölnHätte man doch nur zugeschlagen, damals im August 2004. Unter großem Medienrummel ging der Suchmaschinenkonzern Google an die Börse. Doch reihenweise warnten Analysten, man solle die Finger von den überteuerten Papieren lassen. Viele Anleger haben sich daran gehalten – und ärgerten sich im Nachhinein: Schon nach wenigen Monaten hätte man ordentliche Gewinne eingefahren. Bis heute hat sich der Kurs sogar mehr als verzehnfacht.

Zehn Jahre nach Googles Börsendebüt scheint es nun wieder beste Chancen zu geben, früh am Erfolg aufstrebender Technologieunternehmen mitzuverdienen: Der chinesische Amazon-Konkurrent Alibaba hat an der Wall Street den bisher weltweit größten Börsengang überhaupt hingelegt. In Deutschland zieht es am Mittwoch den E-Commerce-Star Zalando ebenso aufs Parkett wie die Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet am Donnerstag. Auch die Scout24-Gruppe bereitet ein Initial Public Offering (IPO) für den Oktober vor.

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Lohnt es, die Aktien direkt zum Start zu zeichnen? Für Privatanleger wird sich die Frage gar erst nicht stellen, sagt Moritz Rehmann, Fondsmanager beim Pullacher Vermögensverwalter DJE Kapital. „Bei den großen Börsengängen haben sie kaum eine Chance, an Aktien zu kommen.“ Der Grund: Zuerst werden die Großkunden der ausgebenden Investmentbanken bedient – nur wenn es besonders schlecht läuft, könnte etwas für Otto-Normal-Anleger übrig bleiben.

Das war nicht immer so: So orderten zum ersten Börsengang der Deutschen Telekom im November 1996 fast zwei Millionen Kleinanleger T-Aktien – ein beispielloser Erfolg der Werbekampagne mit dem damaligen Tatort-Star Manfred Krug. Von der so entfachten Euphorie profitierte auch der Neue Markt. Selbst IPOs von zwielichtigen Firmen versprachen traumhafte Gewinne. Bis der Neue Markt zusammenbrach – und auch die „Volksaktie“ in die Tiefe stürzte.

„2001 haben sich viele die Finger verbrannt und zurückgezogen“, sagt Kapitalmarktexperte Christoph Kaserer, Professor an der Technischen Universität München. Besaß zu Hochzeiten jeder fünfte Deutsche über 14 Jahre Aktien oder Fonds, sind es nach Angaben des Deutschen Aktien-Instituts (DAI) nun nur noch 13,8 Prozent. Und die wenigsten von ihnen setzt auf Direkt-Investments. Die Folge für Unternehmen: „Breitflächig Aktien zu bewerben, ergibt keinen Sinn, wenn es kaum Privatanleger im Markt gibt“, sagt Kaserer.

Die Flucht aus dem Aktienmarkt, die auch Großanleger wie Versicherungen erfasst hat, bringt alte Börsenweisheiten durcheinander. So galt es jahrzehntelang als sicher, dass Aktien bewusst unter Wert ausgegeben werden. Dank dieses „Underpricings“ machten Investoren oft schon am ersten Handelstag große Gewinne. Doch seit Juni 2010 gab es laut einer Analyse der Deutschen Börse im Prime Standard solche Zeichnungsgewinne nicht mehr. „Die emittierenden Banken haben kaum mehr Anreize, den Preis künstlich niedrig zu halten“, erklärt Kaserer.

Kommentare (1)

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Herr Tarik Ande

02.10.2014, 13:03 Uhr

Durch eine konsequente Falschberatung meines damaligen Bankberaters habe ich einen beträchtlichen Anteil meines Erbes, sowie das Vertrauen in jeglichen Bankberater verloren. Durch eine ausgesprochen gute Empfehlung bin ich auf die Deutsche Honorarberatung aufmerksam geworden.

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