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05.06.2014

16:49 Uhr

Wenn Wall-Street-Profis meditieren

„Ich reagiere auf volatile Märkte jetzt viel ruhiger“

Meditation und Börse? Passt das überhaupt zusammen? Ja, es passt. Viele Händler setzen auf die Transzendentale Entspannung, um ihre Gewinne zu steigern. Allerdings bleiben moralische Prinzipien dabei oft auf der Strecke.

Meditieren am Arbeitsplatz? Gönnen Sie sich einmal am Tag eine echte Pause. mauritius images

Meditieren am Arbeitsplatz? Gönnen Sie sich einmal am Tag eine echte Pause.

New YorkAls die Aktien- und Anleihemärkte Ende Januar nachgaben, blieb Hedgefonds-Manager David Ford ganz gelassen. Er beobachtete, wie die Märkte der Schwellenländer an Boden verloren, und las Prognosen zu einem Einbruch der US-Konjunktur. Als die Kurse fielen, widerstand er der Versuchung, mit dem Rest der Marktteilnehmer zu flüchten. Stattdessen kaufte er noch mehr Unternehmensanleihen.

Nach zwei Jahrzehnten als Händler begründet Ford seine Gelassenheit mit Erfahrung – und mit jenen 20 Minuten, die er jeden Morgen im Schlafanzug mit Meditation verbringt. Die Technik wurde ihm vor zwei Jahren von einem Lehrer für Transzendentale Meditation beigebracht.

Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Machen Sie nur eine Sache

Im Arbeitsleben liegen für viele Menschen die größten Herausforderungen des Alltags. Umso wichtiger ist es, dort achtsam zu sein. Konzentrieren Sie sich nur auf eine Sache! Vermeiden Sie Multitasking und entschließen Sie sich, Ihre Aufmerksamkeit voll und ganz der jeweiligen Tätigkeit zu widmen, egal, wie profan sie Ihnen auch erscheinen mag.

(Quelle: Jan Thorsten Eßwein, Achtsamkeitstraining)

Halten Sie Pausen ein

Machen Sie Pausen, in denen Sie wirklich regenerieren? Natürlicherweise pendelt unser Organismus zwischen Phasen von Aktivität und Ruhe. Wenn Sie eine Katze oder einen Hund beobachten, können Sie diese Zyklen deutlich erkennen. Beim Menschen sinken gerade am frühen Nachmittag die für Wachheit zuständigen Hormone ab. Um diese Zeit zu ruhen oder langsamer zu werden ist also eine ganz natürliche Regung. Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Sie Erholungspausen brauchen. Bemerken Sie Ihr Bedürfnis nach Ruhe, und erforschen Sie verschiedene Strategien, um dem gerecht zu werden. Gönnen Sie sich einmal am Tag eine echte Pause.

Gehen Sie mal raus

Verlassen Sie außerdem während der Mittagspause Ihren Arbeitsplatz, um zu essen, bewegen Sie sich an der frischen Luft, nehmen Sie sich eine kurze Zeit, um für sich zu sein. Sie werden sehen, dass Sie nach einer solchen Pause auch wieder leistungsfähiger sind.

Minus-10%-Modus

Einen Gang zur Toilette kann Ihnen niemand verwehren. Nutzen Sie diese alltägliche Gelegenheit für eine kleine Gehmeditation im Minus-10%-Modus. Ihr Zielort ist ein (fast) perfekter Übungsraum: Sie sind dort ganz für sich und keiner wird Sie stören, wenn Sie ein paar Minuten verweilen. Machen Sie eine „Atempause“ oder eine kurze Körperübung im Stehen. Es kann erfrischend sein, sich im Anschluss das Gesicht oder die Unterarme zu waschen.

Tun Sie sich Gutes

Auf Ihre körperlichen Bedürfnisse zu achten ist wichtig, um die Verbindung von Körper und Geist wiederherzustellen. Geben Sie insbesondere Ihren Grundbedürfnissen wie Hunger, Durst oder dem Drang, zur Toilette zu gehen, eine hohe Priorität.

Holen Sie sich Hilfe

Andauernde Spannungen und Konflikte mit dem Chef oder Kollegen können eine starke Belastung für die körperlich-seelische Gesundheit darstellen. Scheuen Sie sich nicht, in einer solchen Situation die professionelle Hilfe eines Coachs oder Mediators in Anspruch zu nehmen.

„Ich reagiere auf volatile Märkte jetzt viel ruhiger“, sagt der 48-Jährige in einem Interview mit Bloomberg News. „Ich habe mehr Geduld.“

Und er hat auch mehr Geld. Sein Anleihefonds Latigo Partners LP konnte im vergangenen Jahr um 24 Prozent zulegen. Beinahe schlug er damit die Rally am Aktienmarkt – und das mit einem Anleihefonds.

Ford ist Teil einer steigenden Anzahl von Händlern an der Wall Street, die versuchen, sich einen Vorteil mit Meditation zu verschaffen. Zu der Gruppe dieser Finanzprofis gehören unter anderem die Hedgefonds-Manager Ray Dalio, Paul Tudor Jones und Michael Novogratz. Milliardär und Investor Daniel Loeb sang erst im Februar ein Loblied auf die Meditation – während er mit dem Dalai Lama in Washington auf der Bühne stand.

„Meditation hatte diesen Ruf, eine Hippie-Sache zu sein – etwas für Leute, die mit besonders sanfter Stimme reden“, sagt Jay Michaelson, Autor des Meditations-Buchs „Evolving Dharma: Meditation, Buddhism, and the Next Generation of Enlightenment“. Das sei ein Missverständnis. „Samurais haben meditiert, um besser töten zu können“, erläutert er. Auch Kamikaze-Piloten praktizierten Meditation. „Es ist wertneutral.“

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