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07.08.2012

16:14 Uhr

Wer beherrscht die Börsen?

Mensch gegen Maschine

VonJörg Hackhausen

An der Börse hat der Mensch nicht mehr viel zu melden. Maschinen machen den Markt. Kritiker sehen darin die Ursache für viele Pannen. Dabei kann ein Händler aus Fleisch und Blut etwas, das kein Computer kann. Ein Report.

Michael Thiriot, Leiter Designated Sponsoring Trading der Close Brothers Seydler Bank.

Michael Thiriot, Leiter Designated Sponsoring Trading der Close Brothers Seydler Bank.

FrankfurtUm 12.11 Uhr bricht gute Laune aus. „Draghi sagt, dass sie alles tun, um den Euro zu retten“, ruft Michael Thiriot seinen Kollegen zu. Die Meldung ist gerade über einen seiner Bildschirme geflimmert. „Wie bitte?“, fragt einer von schräg gegenüber, als könne er es nicht ganz glauben. „Draghi will alles tun, um den Euro zu retten“, wiederholt Thiriot.

Bis hierhin war es ein ganz normaler Handelstag. Keiner konnte ahnen, dass dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Was machen wir jetzt“, sagt Thiriot leise zu sich selbst, den Blick auf die bunten Zahlen auf den Monitoren vor ihm gerichtet. Er überlegt nicht lange. „Kaufen wir doch mal bei Gerry Weber nach.“ Er tippt Zahlen in die Tastatur seines Rechners ein. Geldkurs. Briefkurs. Ein Mausklick. Thiriot hat soeben Aktien der Modefirma Gerry Weber gekauft.

Michael Thiriot ist einer der Letzten seiner Art. Er ist Börsenhändler, genauer gesagt ein „Designated Sponsor“. Er macht die Preise für Aktien. Und er handelt selbst mit Aktien. Sein Arbeitgeber ist einer der größten Broker in Deutschland, die Close Brothers Seydler Bank AG.

Die Börsenhändler sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr von Maschinen verdrängt worden. An der Deutschen Börse machen Computer fast die Hälfte des Handelsvolumens - täglich rund fünf Milliarden Euro - unter sich aus, blitzschnell, vollautomatisiert, ohne dass ein Mensch seine Finger im Spiel hat. An den US-Börsen soll der Anteil sogar bei knapp 70 Prozent liegen.

Der Siegeszug der Technik ist nicht ohne Risiko. Die Pannen häufen sich, vor allem in den USA. Im März dieses Jahres endete der Börsengang der US-Börse BATS Global Markets im völligen Chaos, nachdem die Aktie binnen Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent rauschte. Beim Börsengang von Facebook an der Nasdaq im Mai konnte in der ersten halben Stunde kein Kurs ermittelt werden, weil die Technik überfordert war. Am vergangenen Mittwoch kam es erneut zu einer Panne an der New York Stock Exchange (Nyse). Über viele Minuten hinweg gab es extrem hohe Umsätze und heftige Schwankungen bei zahlreichen Aktien. Die Tokioter Börse setzte gestern bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr wegen technischer Probleme den Handel aus. Es scheint, als seien es die Maschinen, die die Börsen beherrschten - und nicht umgekehrt.

Was kann da ein Händler aus Fleisch und Blut noch ausrichten?

Kommentare (13)

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lichtderaufrechten

07.08.2012, 17:43 Uhr

Tja, wir werden in Wirklichkeit von einer künstliche Intelligenz gelenkt, deren Dogma , das Zinsgeld
Menschen versklavt und bei Reset durch Kapitalentzung
und Hortung von Geld die Realwirtschaft zerstört sowie
Kriege auslöst. Zusammen mit der Belohnung durch Boni für besonders verwerflich handelnde ist klar, wir leben in der
real existierenden Hölle und der Teufel ist eine Maschiene.

Andreas

07.08.2012, 17:56 Uhr

Ich finde es toll, daß es diese Marktverwerfungen gibt. Wenn die Maschinen "in Panik" Aktien auf den Markt werfen, gibt es doch für Privataktionäre die Möglichkeit, gute Aktien zum Schnäppchenpreis zu kaufen. Wo ist da das Problem?

StaemmeoderVorzuege

07.08.2012, 18:46 Uhr

Ich war früher selbst auf dem Parkett dabei und habe vor ein paar Jahren als Designated Sponsor gearbeitet - es ist kein Vergleich und ich kann Herrn Müller nur zustimmen! Der Mensch folgt Regeln und kann diese auslegen - ein Maschine folgt nur dem, was jemand ihr eingegeben hat und kennt keine Vernunft! Der arme Privatanleger - es geht ihm dabei wie Charlie Chaplin - er gerät in ein Räderwerk... unbarmherzig und unkontrollierbar!

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