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26.06.2012

13:55 Uhr

Wer kauft noch Bundesanleihen?

„Flucht aus Angst vor der Auflösung des Euros“

VonJörg Hackhausen

Die Zinsen von Bundesanleihen gleichen nicht mal die Inflation aus. Trotzdem sind die Papiere heißbegehrt. Vermögensverwalter Martin Weinrauter erklärt, warum Anleger so verrückt sind, freiwillig Geld zu verschenken.

Martin Weinrauter, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grohmann & Weinrauter.

Martin Weinrauter, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grohmann & Weinrauter.

Bundesanleihen werfen so gut wie keine Zinsen mehr ab. Warum stürzen sich Anleger trotzdem noch auf die Papiere?

Bundesanleihen werden als sicher angesehen. In Zeiten von hoher Unsicherheit ist dies ein sehr wertvolles Gut. Zudem sind sie äußerst liquide, man kann auch große Beträge jederzeit kaufen und verkaufen, ohne den Markt zu verzerren.

Aber verdienen lässt sich damit nichts mehr.

Niedrige Zinsen sind das Spiegelbild der hohen Preise von Anleihen. Die Preise von Anleihen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Investoren in diesem Marktsegment haben – wie in jedem Markt der steigt – sehr hohe Gewinne damit erzielen können.

Die Rendite gleicht nicht mal die Inflation aus. Wieso verschenken die Anleger freiwillig Geld?

Manchmal ist es zeitweise sinnvoller, etwas Geld durch Inflation zu verlieren als viel Geld in fallenden Risikomärkten.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Warum weichen die Anleger nicht auf Alternativen aus? Warum nicht Aktien, Unternehmensanleihen oder Anleihen aus Schwellenländern?

Sie weichen nicht aus, weil es keine Alternativen gibt. Es ist nicht einmal ansatzweise sinnvoll, Aktien, Unternehmensanleihen oder Anleihen aus Schwellenländern als Substitution für Bundesanleihen auch nur in Erwägung zu ziehen. Sie können sehr wohl ein Investment in Bundesanleihen ergänzen, es aber keinesfalls ersetzen. Denn die Kursentwicklung der Bundesanleihen ist häufig dann besonders stark ist, wenn die von Ihnen genannten Märkte stark unter Druck stehen. Geld, das Risikomärkte verlässt, fließt dann in sichere Häfen.

Deutschland ist der größte Einzahler in die Euro-Rettungspakete. Unsere Staatsverschuldung hat ein ungesundes Maß erreicht. Wie kann man da behaupten, Deutschland sei nach wie vor der sichere Hafen?

Für die Bewertung des Ausmaßes einer Staatsverschuldung gibt es kein absolutes Kriterium. Daher ist auch kein objektiv ungesundes Maß erreicht. Zumal es den Gläubigern im Grunde überhaupt nicht um eine echte Rückzahlung der Schulden geht. Es geht allein darum, ob die Zinsen regelmäßig bedient werden. Für die Investoren wäre es sogar ausgesprochen ungesund, wenn die Staatsverschuldung deutlich zurückgefahren würde. In was sollten zum Beispiel kapitalgedeckte Pensionskassen investieren, wenn es keine Staatsschulden in einem hohen Umfang gäbe?

Kommentare (12)

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whisky

26.06.2012, 14:12 Uhr

Wie war das noch? 800 Billionen frei verfügbares Kapital will irgendwie untergebracht werden? Bei einem jährlichen Welt-BIP von 60 Billionen wirds mit der Verzinsung halt schon mal schwierig. 3% Verzinsung erforden schon 40% des Welt-BIP.
Die Inhaber der großen Vermögen sind auf uns Steuerzahler angewiesen. Und nicht umgekehrt.

oahu

26.06.2012, 14:41 Uhr

Die Leute, die sagen, sie kaufen...kaufen..konsumieren..konsumieren..(GfK heute) haben mathematisch-rational genauso Recht wie jene, die Bundesanleihen kaufen oder Tagesgeld machen. Letztere beide sind das Gleiche - realminus, ersteres je nach Kaufobjekt.
Es ist nur amüsant zu beobachten, wie die deutsche Seele viele Jahre braucht, um dann in einer Inflation des Konsum heiß zu laufen. Und nicht mehr von der Kurbel herunter zu kommen. Oder - werden von GfK immer nur die oberen 10.000 befragt? Also, meinetwegen Ralph Lauren, K-erkel, der bellende Hundt ohne Unterton usw?

Zinssklave

26.06.2012, 16:50 Uhr

"negative Renditen sind für Anleihen mit langen Laufzeiten nicht unmöglich"

Das macht doch keinen Sinn!

Welcher Investor legt sein Geld an ohne Zinsen zu erhalten??

Wo ist der Haken?

Es sind keine Investoren sondern Banken die das System aufrechterhalten wollen!

Staaten verschulden sich zu 97% bei Banken!!!

Wenn die Bankster ( Dealer ) dem Staat kein neues Geld ( Droge ) geben ist der Staat sofort pleite!!!

Da die Zinslast immer größer wird und nicht mehr geschultert werden kann, werden die Zinsen gesengt!

Die Bankster möchten die Kuh die sie melken nicht töten!

Im Grunde sind alle Regierungen nur Zinseintreiber für die privaten Banken!!!

Der zweitgrößte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist Zinszahlungen!!!
( Und der wird jedes Jahr größer wegen dem Zinseszins )

Warum sprechen die Medien von Investoren und nicht privaten Banken?

Von Anleihen und nicht Krediten?

Rendite und nicht Zinsen?

Rettungsschirm und nicht Kreditbürgschaft?

Sind die privaten Medien AGs vielleicht nicht so objektiv wie wir alle glauben? :-)


AUFWACHEN!!!!!!!!!!!!

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke


Weitere Infos finden Sie unter:

www.wissensmanufaktur.net


Gib mir die Welt plus 5 Prozent:

http://www.youtube.com/watch?v=oXeeabwaV-s

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