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11.04.2012

12:22 Uhr

Wetten mit Derivaten

Riesen-Positionen eines Händlers verzerren Indizes

Ein Händler bei der US-Großbank JP Morgan Chase soll derart großvolumige Wetten bei Kreditderivaten aufgebaut haben, dass er den Markt lenken und Indizes verzerren kann. Nun hagelt es Kritik.

Die Zentrale von JP Morgan in New York dapd

Die Zentrale von JP Morgan in New York

FrankfurtDie immensen Kreditderivate-Positionen und die daraus resultierende Marktmacht des Händler hat nicht nur zu Kritik von Konkurrenten geführt, die dadurch Verluste einstecken mussten. Auch Politiker warnen, dass die Transaktionen von Bruno Iksil als Beispiel für die übertriebene Risikoneigung der Banken dienen und unter das anstehende Eigenhandelsverbot fallen könnten.

Der Einfluss Iksils auf den Markt hat dazu geführt, dass einige Konkurrenten ihn "Voldemort" nennen, nach dem Bösewicht in den Harry-Potter-Büchern. Andere bezeichnen ihn aufgrund seiner riesigen Positionen als den "Londoner Wal". Iksil arbeitet im Chief Investment Office der Bank in London, wo er zusammen mit 400 Mitarbeitern insgesamt 350 Mrd. Dollar verwaltet. Laut JP Morgan ist die Sparte hauptsächlich dafür da, um Risiken abzusichern und überschüssiges Kapital zu investieren.

Vier Hedge-Fonds-Manager und Händler erklärten jedoch gegenüber Bloomberg News, dass die Transaktionen Iksils so groß sind, dass sie Indizes bewegen. Sie würden eher nach Eigenhandel aussehen, hieß es, also nach Wetten mit dem eigenen Geld der Bank. Vor dem Hintergrund der anstehenden Einführung der sogenannten Volcker-Regel wächst auch die Kritik von Seiten der Politiker. Die nach dem früheren Federal-Reserve-Chef Paul Volcker benannte Regel verbietet unter anderem den Eigenhandel und setzt der Risikobereitschaft der Banken Grenzen. Die Regel, die im Juli in Kraft treten soll, ist Teil der umfassenden US- Finanzmarktreform, dem "Dodd-Frank Act".

"Es würde mich nicht wundern, wenn die Volcker-Befürworter dies als Testfall nehmen würden", sagt Douglas Landy, ein Partner bei der Anwaltskanzlei Allen & Overy LLP in New York. Clifford Rossi, der an der Robert H. Smith School of Business der University of Maryland lehrt und zuvor Managing Director bei Citigroup Inc. war, bestätigt, dass die großvolumigen Transaktionen Iksils eindeutig nach der Volcker-Regel riefen. Die Behörden benötigten jedoch mehr Informationen von JPMorgan, der größten US-Bank nach Bilanzsumme.

Kommentare (4)

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JayJay

11.04.2012, 13:19 Uhr

JP Morgan, sind mit Goldman Sachs die schlimmsten in der Finanzwirtschaft, und sie sind zu groß bzw. mächtig um sie zu stoppen. Geschweige das einer von der Politikerkaste zu der Hochfinanz Gnaden, überhaupt Intresse daran hätte, die verdienen doch alle praktisch mit.

Account gelöscht!

11.04.2012, 13:35 Uhr

Es sind Nachrichten wie diese, die dann von (im Äußeren oft den Schweinen ähnliche, t'schuldigung liebe Schweine) dümmlich daherquäkenden Politikern zum Anlass genommen werden, dass der Kleinanleger auf seinen Kauf von ein paar Daimler- oder Siemensaktien eine Börsensteuer zahlen muss, selbst wenn er schlussendlich damit vielleicht gar keinen Gewinn macht.

Die Nicht-Differenzierung zwischen Spielern im Milliarden-Bereich und dem Kleinanleger ist es, was mich daran echt ankotzt!

Querbanker

11.04.2012, 13:38 Uhr

Hacker aller Welt vereinigt Euch und torpediert das gesamte Finanzsystem. Schlage vor das ganze Projekt Titanic zu nennen.

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