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06.05.2015

11:08 Uhr

Windeln.de

Babys boomen nicht an der Börse

VonSusanne Schier

Da konnten auch die rosa hellblauen Luftballons vor der Dax-Tafel nicht helfen: Das Börsendebüt von Windeln.de verlief durchwachsen. Der Onlinehändler für Babyartikel muss die Expansion schaffen – nicht nur mit Windeln.

Die Onlineplattform Windeln.de ist am Mittwoch an die Börse gegangen. Das Debüt verlief durchwachsen. dpa

Windeln.de

Die Onlineplattform Windeln.de ist am Mittwoch an die Börse gegangen. Das Debüt verlief durchwachsen.

FrankfurtEndlich hat Deutschland wieder einen Börsengang: Mit der Internetplattform Windeln.de ist am Mittwoch der dritte Kandidat in diesem Jahr nach dem Kabelnetzbetreiber Tele Columbus und dem finnischen Kleinkreditanbieter Ferratum in den Handel gestartet.

Trotz der schönen bunten Luftballons, die das Unternehmen vor der Frankfurter Dax-Tafel schweben ließ, verlief das Debüt aber eher durchwachsen. Der erste Kurs lag bei 18 Euro – und damit unter dem Ausgabepreis. Diesen hatte der Münchener Spezialist für Baby- und Kleinkindprodukte am Vorabend bei 18,50 Euro festgesetzt. Der Börsengang kommt somit auf ein Emissionsvolumen von 211 Millionen Euro. Insgesamt wird das 2010 gegründete Start-up mit knapp 500 Millionen Euro bewertet. Nach einer Stunde pendelte der Kurs zwischen 16,40 und 16,80 Euro.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Neben einer Kapitalerhöhung geben auch die Altaktionäre Anteile ab, werden aber weiter an Windeln.de beteiligt sein. Der Streubesitz liegt bei etwa 42 Prozent, sofern auch die Mehrzuteilungsoption ausgeübt wird. Dem Unternehmen selbst fließen dann insgesamt 127 Millionen Euro zu. „Der Börsengang wird uns dabei helfen, unseren Wachstumskurs weiter fortzusetzen“, sagte Alexander Brand, Vorstandsmitglied und Mitgründer von Windeln.de. Neben der Expansion in neue Märkte vor allem in Kontinentaleuropa steht auch die Erweiterung der Produktpalette im Fokus. Künftig sollen die Kunden Angebote für Kinder bis zehn Jahre auf der Plattform finden.

Vor dem Börsengang ist Windeln.de kräftig gewachsen. Der Umsatz verdoppelte sich 2014 auf 101 Millionen Euro. Die Hauptmärkte für Windeln.de sind Deutschland und die Schweiz. Starkes Wachstum verzeichnet das Unternehmen zudem in China. Dort ist die heimische Babynahrung nach den Skandalen um lebensgefährliches Milchpulver in Verruf geraten. „Chinesen setzen daher sehr gerne auf Qualität aus dem Ausland“, so Vorstandsmitglied und Mitgründer Konstantin Urban. Kunden aus dem Reich der Mitte sorgen für mehr als 50 Prozent des Umsatzes.

Profitabel ist der Börsenneuling – wie viele junge Wachstumsunternehmen – allerdings noch nicht. Vor Steuern stand im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von 9,6 Millionen Euro. Auch im operativen Geschäft verbrennt das Unternehmen noch Geld: Der betriebliche Cash-Flow betrug minus 6,1 Millionen Euro. Für Anleger ist die Aktie von Windeln.de somit vor allem eine Wette auf die Zukunft.

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