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23.04.2015

14:03 Uhr

Windeln.de

Wickeln, füttern, Kasse machen

VonSusanne Schier, Miriam Schröder

Von heute an wirbt Windeln.de für seine Aktien. Der Babyausstatter will Mütter „an sich binden“ und deshalb bald mehr verkaufen als nur Windeln. Auf das große Geschäft hofft das Unternehmen indessen fern von Deutschland.

App von Windeln.de: Börsengang als beschleunigte Wachstumsstrategie. dpa

Windeln.de

App von Windeln.de: Börsengang als beschleunigte Wachstumsstrategie.

Frankfurt, BerlinMütter sind ein gesellschaftlich bisweilen schwer unterschätzter, wirtschaftlich aber umso relevanterer Faktor. „Typischerweise kontrolliert die Mutter das Haushaltseinkommen. Und sie ist eine loyale Kundin“, heißt es beim Babyausstatter Windeln.de. Mit diesem Versprechen geht die Internet-Plattform von heute an auf Roadshow bei Investoren.

Mit dem Erlös aus dem geplanten Börsengang will das Unternehmen vor allem weiter wachsen. „Wir wollen unsere Marktposition ausbauen und der E-Commerce-Champion für die junge Familie werden“, erklärten die Vorstandschefs und Gründer des Unternehmens Konstantin Urban und Alexander Brand in einer Telefonkonferenz.

Neben der Expansion in neue Märkte vor allem in Kontinentaleuropa steht bei Windeln.de auch die Erweiterung der Produktpalette auf der Agenda. Künftig sollen die Kunden nicht nur Baby- und Kleinkindprodukte, sondern Kleidung und Spielsachen auch für Kinder bis zehn Jahren auf der Plattform einkaufen können. Denn üblicherweise ist ab dem vierten Lebensjahr Schluss mit Windeln, Schnullern und Breigläschen. „Wir wollen die Lebenszeit der Mutter verlängern“, sagen die Unternehmer.

Die Details zum Börsengang hatte Windeln.de bereits am Mittwochabend bekanntgegeben: Investoren werden die insgesamt gut elf Millionen Aktien bis zum 6. Mai in einer Preisspanne zwischen 16,50 und 20,50 Euro angeboten, wie das Münchener Unternehmen mitteilte. Neben einer Kapitalerhöhung geben auch die Alteigentümer einen Teil ihrer Anteile ab, werden aber weiter am Unternehmen beteiligt sein.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Zum Mittelwert der Preisspanne dürfte das Emissionsvolumen inklusive Mehrzuteilungsoption 211 Millionen Euro betragen. Der Handelsstart im Frankfurter Prime Standard, dem Börsensegment mit den höchsten Transparenzpflichten, ist am 8. Mai geplant. Der Streubesitz würde dann 42 Prozent betragen.

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