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12.06.2011

09:16 Uhr

Windkraft-Anlagen

Wie Anleger die Energie-Wende zu Geld machen

VonLaura de la Motte

Die Euphorie auf dem Markt für Ökoaktien ist schon fast verflogen. Hohe Kosten machen Windpark-Produzenten zu schaffen. Doch Anleger können von der Energiewende profitieren, wenn sie einiges beachten.

Windräder des Energieriesens EnBW an der Ostsee. Quelle: dapd

Windräder des Energieriesens EnBW an der Ostsee.

FrankfurtDie Energiewende ist beschlossen. Gestern warb Kanzlerin Angela Merkel im Bundestag für den schrittweisen Atomausstieg Deutschlands bis 2022. Den Löwenanteil des Stroms aus den unliebsamen Kernkraftwerken sollen künftig Windparks in der Nord- und Ostsee ersetzen. Die Milliardeninvestitionen könnten sich dann in Milliardenerlösen auszahlen. Doch bis auch Anleger davon profitieren, brauchen sie dafür noch etwas Geduld.

Bereits am ersten Tag der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima am 11. März waren Ökoaktien weltweit nach oben geschossen. Doch inzwischen ist die Euphorie verflogen. Der deutsche Windturbinenbauer Nordex beispielsweise legte über 50 Prozent auf 9,11 Euro zu, liegt aber mittlerweile nur noch sieben Prozent über seinem Kurs vom Tag vor der Katastrophe. Das gleiche Bild zeigt sich bei dem dänischen Weltmarktführer Vestas und dem spanischen Konkurrenten Gamesa.

Und das, obwohl die Energiewende in der Zwischenzeit offiziell besiegelt wurde, und die Bundesregierung Anfang dieser Woche ankündigte, die Subventionen für Meereswindparks anzuheben. Bisher werden in der Nord- und Ostsee 200 Megawatt (MW) pro Jahr produziert. Bis 2030 sollen auf See Kapazitäten von 25000 MW entstehen, das entspricht der Leistung von rund 25 Atomkraftwerken.

Trotz der aktiven Förderung sind die Anleger derzeit skeptisch. Die Hoch-Zeiten der Windturbinenhersteller sind Jahre her. Im Vergleich zu 2007/2008 hat der Windindex, der die Aktien der zwölf größten Unternehmen der globalen Windenergiebranche abbildet, rund die Hälfte an Wert verloren. Entsprechend wenig Geld war etwa auch mit den Zertifikaten der Deutsche Bank (WKN: DB1WND) und der Royal Bank of Scotland (WKN: AA0WND) auf diesen Index zu verdienen.

Fallstricke - Vorsicht bei Beteiligungen

Genussscheine

Der Anleger erhält bei diesem Investment eine Ausschüttung, wenn der Windparkbetreiber Gewinn macht. Am Ende der Laufzeit erhält er sein eingesetztes Kapital zurück, vorausgesetzt, das Unternehmen geht nicht pleite. Das Geld für Genussscheine wird von den Betreibern oft eingesammelt, um das nötige Eigenkapital für den Bankkredit zu beschaffen.

Im Fall von Zahlungsschwierigkeiten wird zuerst der Bankkredit bedient, denn Genussrechtsscheine sind nachrangig. Ein Totalverlust des Geldes ist möglich.

Windparkfonds

Bei geschlossenen Fonds wird der Anleger zum Unternehmer mit den entsprechenden Chancen und Risiken. Läuft der Windpark schlecht, können die Erträge ausfallen. Und am Ende der Laufzeit wird unter Umständen nicht das gesamte Geld zurückgezahlt – schlimmstenfalls gar keins.

Laufzeit

Bei geschlossenen Fonds ist das Geld oft zehn bis 20 Jahre gebunden, Genussscheine haben meist nur eine Laufzeit von fünf Jahren. Theoretisch kann man sowohl Fondsanteile als auch Genussscheine vorher verkaufen. Weil sie aber nicht an der Börse gehandelt werden, findet sich nur schwer ein Käufer.

Standort

Anleger sollten sich nach Möglichkeit nicht nur an einen Standort binden. Denn der Wind weht nicht immer überall gleich. Der IWET-Windindex dient zur Kalkulation der Winderträge. Der Index hat sich aber nicht immer als zuverlässig erwiesen. Auch kann eine schlechte Netzanbindung dazu führen, dass der produzierte Strom nicht abgenommen werden kann.


Schuld an der schwachen Kursentwicklung ist die gesunkene Profitabilität der Branche. Um das Jahr 2007 erzielten Vestas und Co noch Margen von rund zehn Prozent; 2010 schafften viele nicht einmal mehr die Hälfte. „Der Markt ist heftig umkämpft und leidet unter Überkapazitäten“, sagt Heinz Steffen, Analyst bei Fairesearch.

Angesichts der prekären Haushaltslage in den USA und vielen europäischen Ländern wurden Klimaschutz-Investitionen aufgeschoben. Auch Banken, die Großprojekte finanzieren, fuhren ihr Engagement in der Finanzkrise zurück. Einzig in China boomt die Windenergie. Doch europäische oder amerikanische Konzerne dürfen davon nicht profitieren. Aufträge werden in der Regel an lokale Firmen vergeben.

Kommentare (6)

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commonman

12.06.2011, 11:20 Uhr

mal wieder geballtes halbwissen, gemischt mit lohnschreibe für fondsanbieter und provisionsjäger.

die sinnvollste investition wird im letzten absatz kurz erwähnt; regionale eigentümer-/erzeugergemeinschaften mit wertschöpfung vor ort.

aber da kann ja keiner dran mitverdienen.

die überteuerte offshoreerzeugung wird zugunsten der big 4 massiv gepuscht, obwohl eine erzeugung an land mit der hälfte der kosten möglich ist und teure/sinnlose hochspannungstrassen spart.

Taschenrechner

12.06.2011, 15:11 Uhr

Eine Lüge wird dadurch nicht besser, dass man sie kontinuierlich wiederholt. 25000 MWp Leistung der Windturbinen entsprechen ca. 3 bis 5 Kernkraftwerken, da letztere kontinuierlich durchlaufen, nicht aber 25.

Auch wäre es schön, wenn die Redakteure, die über solche Themen schreiben minimale Kenntnisse in Einheiten hätten. Es gibt keine "200 MW pro Jahr". Gemeint ist vermutlich: "die installierte Leistung beträgt 200 MWpeak". Aber bei Energiethemen darf ja jeder lustig mitreden, auch wenn er Gigabyte und Gigawatt verwechselt (siehe Çem Özdemir).

pitpat62

12.06.2011, 15:38 Uhr

daß denen die genußrechte nicht gefallen liegt wohl eher in fehlenden eigenen gewinnmöglichkeit begründet!? Und abschreckend 20.000eur für ein eigenes windrad sind gegenstandslos, weil die einnahmen dafür nicht ebenso pauschal tituliert sind! Gruß an die 4er-lobby!

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