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19.05.2016

15:59 Uhr

Windparkbetreiber

Prokon-Anleihe für lau

Der 2014 pleite gegangene und danach in eine Genossenschaft umgewandelte Windparkbetreiber startet die Ausgabe einer Unternehmensanleihe. Gläubiger zahlen nichts, müssen dafür aber auf ihre Forderungen verzichten.  

Mit der Anleihe sollen Verluste der früheren Genussrechteinhaber kompensiert werden. Erwerbsberechtigt sind laut Prokon 63.000 Gläubiger. dpa

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Mit der Anleihe sollen Verluste der früheren Genussrechteinhaber kompensiert werden. Erwerbsberechtigt sind laut Prokon 63.000 Gläubiger.

ItzehoeDer nach einer Unternehmensinsolvenz neu aufgestellte Windparkbetreiber Prokon hat mit dem Verfahren für die Ausgabe einer 15-jährigen Unternehmensanleihe an seine ehemaligen Genussrechteinhaber begonnen. Die Erwerbsfrist laufe noch bis 21. Juni, teilte das Unternehmen am Donnerstag im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit.

Die mit 3,5 Prozent pro Jahr verzinste Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro dient dazu, Verluste der früheren Genussrechteinhaber zu kompensieren. Erwerbsberechtigt sind laut Prokon 63.000 Gläubiger.

Die Betroffenen können innerhalb der Frist entscheiden, ob sie die in Bruchstücke mit jeweils zehn Euro Nennwert gestückelte Anleihe als Gegenleistung für ihre Forderungen erhalten wollen. Bezahlen müssen sie nichts. Als Sicherheit dienen große Teile der Prokon-Windparks. Die Teile der Anleihe, die nicht von ehemaligen Genussrechteinhabern übernommen werden, will Prokon über Börsen etwa an institutionelle Anleger verkaufen.

Statistiken zu Genossenschaften in Deutschland

Geringe Insolvenzgefahr

Die Mitglieder von Genossenschaften schließen sich zusammen, um sich gegenseitig wirtschaftlich oder sozial zu unterstützen. 2015 gab es in Deutschland rund 7 600 Genossenschaften mit rund 20 Millionen Mitgliedern, hauptsächlich bei Banken und Immobilien, aber auch zunehmend im Energiebereich. Laut Creditreform gehen weniger als ein Prozent der Genossenschaften pleite. Eine Insolvenz kommt also so gut wie nie vor.

Keine feste Rendite

Genossen binden sich lange. Bei Prokon beträgt die Kündigungsfrist für Anteile drei Jahre. Wer sie vorher loswerden will, muss sich einen Käufer suchen. Ob und wann es Dividende gibt, ist ungewiss. Verluste tragen die Genossen mit. Eine Nachschusspflicht ist oft beschränkt, bei Prokon ist sie ausgeschlossen.

Prokon war Anfang 2014 in die Insolvenz gerutscht. Weil das Unternehmen sich durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro auf dem grauen Kapitalmarkt finanziert hatte, gerieten rund 75.000 private Anleger in den Strudel der Pleite. Als Reaktion auf den viel beachteten Fall wurden sogar die Anlegerschutzgesetze verschärft.

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Der sanierte Windparkbetreiber Prokon startet mit neuen Vorständen und soliden Zahlen. Viele Altanleger haben sich an der Genossenschaft beteiligt. Und die baut schon wieder neue Windparks. Über ein Comeback.

In seiner neuen Form konzentriert sich Prokon auf den technischen Betriebsführung und die Planung von Windparks. Derzeit hat es 57 kleinere Windpark in Deutschland und Polen im Eigenbestand. Außerdem liefert das Unternehmen Strom. Es versorgt aktuell 34.000 Endkunden. Für das Kalenderjahr 2015 meldete Prokon im Geschäftsbereich Windenergie einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von rund 66 Millionen Euro.

Von

afp

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