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31.10.2014

11:39 Uhr

Wirtschaftsirrtümer

Und Geld macht doch glücklich!

VonJessica Schwarzer

Nur Immobilien und Gold sind noch sichere Anlagen. Reichtum nützt nur den Reichen. Durch die Krise sind die Reichen und die Armen ärmer geworden. Falsch, sagt Henrik Müller und räumt auf mit 50 Wirtschaftsirrtümern.

Comic-Figur Dagobert Duck ist unermesslich reich. So viel Geld braucht es nicht, um glücklich zu sein. dpa

Comic-Figur Dagobert Duck ist unermesslich reich. So viel Geld braucht es nicht, um glücklich zu sein.

DüsseldorfMillionen Deutsche halten Immobilien für eine sichere Geldanlage. Millionen Deutsche können doch nicht irren, oder doch? Niedrige Löhne sind gut für die Wirtschaft, auch davon sind viele überzeugt. Und natürlich müssen die Notenbanken weltweit Deflation um jeden Preis verhindern. Das sind nur drei von 50 Irrglauben, mit denen Henrik Müller in seinem Buch „Wirtschaftsirrtümer – 50 Denkfehler, die uns Kopf und Kragen kosten“ aufräumt. Der Professor für Wirtschaftsjournalismus an der TU Dortmund nimmt sich Un- und Halbwahrheiten, Vor- und Schnellurteile vor und korrigiert sie.

„Die jüngste Wirtschaftsgeschichte ist voll von gravierenden Irrtümern“, schreibt er in seiner Einleitung. Deshalbhätten sich einige westliche Nationen binnen weniger Jahre ruiniert. Ein paar Beispiele: Millionen Bürger in Westeuropa und den USA bauten Häuser, die sie nicht brauchten und die ihre finanziellen Möglichkeiten weit überstiegen. Banken blähten sich zu riesigen Zockermaschinen auf, völlig losgelöst von der realen Wirtschaft und den Wertvorstellungen normaler Menschen. Aufsichtsbehörden glaubten blindlings an freie Märkte und wurden eines Schlechteren belehrt. Notenbanken pumpten gigantische Summen Geld in die Wirtschaft und erklärten sich für die Blasen, die sie aufblähten, für nicht zuständig.

So löschen Sie hinderliche Glaubenssätze

Sei perfekt!

Dahinter steckt die Angst, Fehler zu machen, der ständige Zweifel an der Qualität der eigenen Leistung. Gut ist nicht gut genug. Man kann sich über das, was man erreicht hat, nie freuen. Der Anti-Satz (den sie sich jeden Morgen vor dem Spiegel sagen können): „Auch ich darf Fehler machen. Fehler sind Stufen auf der Leiter zum Erfolgt.“

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mach schnell!

Wer von diesem Glaubenssatz angetrieben wird, setzt sich selbst unter Zeitdruck. Hetzt von Termin zu Termin, von Aufgabe zu Aufgabe. Meint, nichts schnell genug lösen zu können.

Der Anti-Satz: „Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche, sie steht nicht nur anderen, sondern auch mir zu.“

Streng dich an!

Dieser Glaubenssatz treibt dazu an, immer genauer und immer länger zu arbeiten, als die anderen. Diese Menschen kennen keine Pausen, arbeiten bis zur Erschöpfung, werden aber doch nie fertig.

Der Anti-Satz: „Nur wer loslässt, hat zwei Hände frei.“

Mach es allen recht!

Dieser Glaubenssatz quält Menschen, die nicht Nein sagen können. Sie meinen, nur geliebt zu werden, wenn sie es allen recht machen, nur nicht sich selbst.

Der Anti-Satz: „Wenn ich Nein sage, sage ich Ja zu meinen Zielen.“

Sei stark!

Wer diesem Glaubenssatz folgt, zeigt nach außen nicht, wie es in seiner Seele aussieht. Keine Schwäche dringt aus der harten Schale. Einen anderen um Hilfe zu bitten kommt gar nicht erst in Frage. Delegieren fällt schwer.

Der Anti-Satz: „Gefühle zeigen macht sympathisch, um Hilfe bitten auch.“

„Der Weg in die große Krise des Kapitalismus ist gesäumt von Irrtümern“, fasst Müller zusammen. „Wären sie früher erkannt worden, die Welt wäre heute ein besserer Ort. Denn die Krise hat das Vertrauen und den Wohlstand erschüttert, sie kostet viel Geld und verursacht menschliches Leid, nicht zuletzt bei Millionen Arbeitslosen.“

Viele der Irrtümer, die Müller auflistet, lassen den Leser kurz innehalten. Was so oft in Medien, von Politikern, Wissenschaftlern, Wirtschaftsbossen oder Journalisten verkündet und wiederholt wurde, soll plötzlich falsch sein? Ja. An mancher Aussage, etwa dass Immobilien eine sichere Anlage seien, hat man in den vergangenen Jahren sicher schon einmal gezweifelt. Schließlich platzte die Blase in den USA und in Südeuropa, bevor sich – dank des billigen Geldes der Notenbanken – hierzulande die nächste aufblähte. Die Preise mögen zwar noch eine Zeit lang weiter anziehen, aber vielerorts sind Immobilien schon heute vor allem eines: überteuert. Und wenn die Preise irgendwann wieder sinken, war das viel zu teuer gekaufte Haus vor allem eines – eine schlechte und damit unsichere Anlage.

Kommentare (2)

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G. Nampf

31.10.2014, 12:26 Uhr

"Und Geld macht doch glücklich!"

Ja, natürlich. Aber nur, wenn wir nicht von unserer Politmafia enteignet werden.

Herr Peter Krauss

31.10.2014, 12:46 Uhr

Warum schimpfen alle immer auf Immobilien ?

Eine preiswerte Immobilie, die dem Einkommen entspricht "verzinst" sich durch die eingesparte Miete viel eher, als viele andere Anlagen im derzeitigen Zinsumfeld.

Ich weiss jedenfalls, das ich mir meinen derzeitigen Lebensstandard nicht leisten könnte, wenn mein Haus nicht mir gehörte.

Und wenn man aus versehen arbeitslos wird, dann kann man eine angemessene eigengenutzte Immobilie auch dann noch vor dem Staat schützen, wenn man seine Aktien und Wertpapiere längst zum eigenen Unterhalt verkaufen müsste.

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