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06.01.2005

06:20 Uhr

Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen und Immobilienboom ziehen Ausländer an

Index der Börse Johannesburg markiert neues Allzeit-Hoch

VonWolfgang Drechsler

Die Johannesburger Börse (JSE) hat nach einer kurzen Atempause im Dezember wieder an Schwung gewonnen und mit 12 784 Punkten gleich zu Jahresbeginn ein neues Allzeit-Hoch erreicht.

HB JOHANNESBURG. Damit hat der JSE-Gesamtindex in den vergangenen zwölf Monaten fast 20 Prozent an Wert gewonnen. Ein besonders starkes Plus mit 65 Prozent verzeichneten dabei die Anteile von Einzelhändlern. Aber auch die Titel im Finanz- und Industriesektor verbesserten sich um rund 50 Prozent. Die Branchen profitieren in besonderem Maße von den für Südafrika vergleichsweise niedrigen Zinsen. Negativ entwickelte sich indes der Bergbauindex: Während die Aktien aus dem Platinbereich in Folge des starken Rands in den vergangenen 12 Monaten rund 20 Prozent verloren hat, waren es bei den Goldtitel sogar mehr als 30 Prozent.

Die jüngsten Zugewinne sind umso bemerkenswerter, als dass sich der Rand weiter stabilisieren konnte und mit 5,61 Rand je Dollar auf ein neues Sechsjahres-Hoch zum Greenback kletterte. Demgegenüber erlitt der Goldpreis, der noch Anfang Dezember bei 456 Dollar pro Unze notierte, zum Jahresauftakt einen herben Rückschlag und fiel zeitweise bis auf 428 Dollar zurück – seinen tiefsten Stand in den vergangenen zwei Monaten. Dies hatte zur Folge, dass sämtliche Konzerne im JSE-Gold-Branchenindex weiter an Boden verloren.

Ein weiterer Grund für das schwache Abschneiden des Goldsektors findet sich in der fortgesetzten Pattsituation von Gold Fields und Harmony. Beide Goldkonzerne sind seit zehn Wochen in einen erbitterten Übernahmekampf verwickelt, der beide Unternehmen zusammen bereits mehr als 15 Mrd. Rand ihres Aktienkapitals gekostet hat.

An den Verhandlungen im Zuge des Bieterwettstreits beteiligt ist auch das Management von Mvela Resources, das einen Anteil von 15 Prozent an Gold Fields hält. Der Aktienpreis des mehrheitlich von Schwarzen geführten Bergbaukonzerns musste im abgelaufenen Jahr deutlich Federn lassen Für die vergangenen zwölf Monate belaufen sich die Verluste von Mvela Resources auf 44 Prozent – zum einen unter dem jüngsten Kurseinbruch bei Minenaktien, zum anderen durch die Vorkommnisse bei Gold Fields.

Aquarius sorgt für Aufmerksamkeit

Beobachter wie Mpho Mojalefa von BJM Private Client Services beurteilen die weitere Entwicklung der JSE indes vor allem angesichts der günstigen Wirtschaftsdaten optimistisch. Die meisten rechnen nach dem Verzicht der südafrikanischen Notenbank auf eine weitere Zinssenkung zunächst jedoch mit Gewinnmitnahmen.

Die allgemein große Zuversicht fußt auf dem Aufschwung der südafrikanischen Wirtschaft. Sie wuchs im dritten Quartal mit 5,6 Prozent so schnell wie seit acht Jahren nicht mehr. Zudem verharrt die Inflation, die im November von 4,2 auf 4,6 Prozent kletterte, in dem von der Notenbank angestrebten Korridor zwischen 3 und 6 Prozent.

Der Erfolg der südafrikanischen Fiskalpolitik scheint auch immer mehr ausländische Anleger dazu zu veranlassen, ihre Bestände an südafrikanischen Aktien aufzustocken. Allerdings kommt dieser Zufluss diesmal nicht wie zuvor vor allem den Bergbauaktien, sondern zunehmend den Papieren von Banken, Einzelhändlern und Industrietiteln zugute, die von der hohen Binnennachfrage besonders profitieren. Positiv ins Gewicht fällt zudem die Ausrichtung der Fußball-WM 2010 sowie die von der Regierung angekündigten Investitionen von 120 Mrd. Rand in die lange Zeit vernachlässigte Infrastruktur des Landes.

Für Aufmerksamkeit sorgte am Kap der Börsengang des weltweit viertgrößten Platinproduzenten Aquarius Platinum aus Australien. Es ist das erste ausländische Unternehmen, das an die JSE kommt. Damit ist Aquarius zumindest theoretisch in der Lage, in Südafrika Kapital aufzunehmen. Für Südafrikaner ist ein Engagement in Aquarius indes wenig interessant, weil eine solche Investition wegen der noch bestehenden Kapitalexportkontrollen als Anlage in einer ausländische Firma gilt. Zudem sind mit Angloplat, Implats und Lonmin bereits drei namhafte Platinförderer an der JSE notiert.

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