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15.10.2015

12:13 Uhr

Yellen gegen Draghi

Der Kampf der Notenbanker

VonAndrea Cünnen

Für Fed und EZB geht es um nichts geringeres als ihre Glaubwürdigkeit: Wird die US-Notenbank noch 2015 die Zinsen erhöhen? Wie stark wird die EZB ihr Anleihekaufprogramm ausweiten? Was Experten jetzt erwarten.

Die Notenbanker kämpfen um die Glaubwürdigkeit.

Janet Yellen und Mario Draghi

Die Notenbanker kämpfen um die Glaubwürdigkeit.

FrankfurtDer jüngste Konjunkturbericht der Fed, das sogenannte Beige Book, fiel so pessimistisch gar nicht aus. Die US-Wirtschaft wachse „auf kleiner Flamme“ weiter. Doch Investoren trauen dem Braten nicht. Auch, weil mehrere Notenbanker immer wieder Zweifel streuen, glauben die meisten nicht mehr, dass US-Notenbankchefin Janet Yellen noch in diesem Jahr die Leitzinsen anheben wird.

Dies lässt sich auch am Derivatemarkt und konkret an Terminkontrakten ablesen: Demnach setzen derzeit nur sechs Prozent der Investoren auf eine Zinserhöhung im Oktober und 30 Prozent der Investoren auf einen solchen Schritt im Dezember. Ganz anders die Volkswirte und Anleihe-Strategen öffentlicher deutscher Banken. Sie hoffen weiterhin auf den Dezember-Termin.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Wir werden eine Last-Minute-Zinserhöhung der Fed im Dezember sehen“, so Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) am Mittwoch bei der halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) in Frankfurt. Nach Ansicht von Hendrik Lodde von der DZ Bank bleibt der Yellen gar keine andere Wahl, als die Leitzinsen im Dezember anzuheben. Ansonsten drohe die Fed-Chefin ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, schließlich habe sie die Zinswende schon seit längerem angekündigt und seither immer wieder vor sich hergeschoben.

Nach Ansicht von Christian Lips von der NordLB erscheine der Termin für eine Zinserhöhung im Dezember vor Weihnachten „zwar etwas ungünstig“. Er sollte dennoch bei zu erwartenden robusten Arbeitsmarktberichten Anfang November und Dezember wieder auf die Agenda rücken.

Auch die Dekabank geht von einer Zinsanhebung im Dezember aus. Da diese an den Kapitalmärkten aber nicht mehr mehrheitlich erwartet werde, sieht die Dekabank bei einer Zinsanhebung „Korrekturbedarf an den Rentenmärkten“. Dies gelte umso mehr, weil die Investoren nur bei jeder sechsten der monatlichen Fed-Zinssitzungen weitere Zinserhöhungen erwarteten. Dies sei zu wenig.

Einzig Sintje Boie von der HSH Nordbank hält den Dezember-Termin noch nicht für gesetzt. „Zuletzt haben sich die US-Konjunkturdaten mit dem Arbeitsmarktbericht für September und den nationalen Einkaufsmanagerindizes des ISM-Instituts eingetrübt“, sagt Boje. „Diese Entwicklung sollte die Fed vor einer Zinsanhebung im Dezember abschrecken. Wir rechnen mit einem solchen Schritt nun erst im März 2016, wenn sich der Konjunkturausblick für die USA wieder rosiger darstellt.“

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