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31.01.2009

10:00 Uhr

Yen-Aufwertung

Yen: Das Leid der ungeahnten Stärke

VonFinn Mayer-Kuckuk

Als der Yen plötzlich in die Höhe schoss, blieben die Anleger auf hohen Verlusten sitzen. Die durch die Anlagestrategie "Carry-Trade" in Gang gesetzte Abwärtsspirale des Yen fand durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein jähes Ende. Investoren gehen weniger Risiken ein, die japanische Währung strebt einem Langzeithoch entgegen.

Auch schlechte konjunkturelle Nachrichten können den Aufschwung der japanischen Währung nicht stoppen. Foto: dpa Quelle: dpa

Auch schlechte konjunkturelle Nachrichten können den Aufschwung der japanischen Währung nicht stoppen. Foto: dpa

TOKIO. Die US-Finanzbranche liegt in Trümmern, Euro-Land steckt in der Rezession, und in der Londoner City jagt eine schlechte Nachricht die nächste. Investoren weltweit kaufen daher die Währung des Wirtschaftsraums Japan und treiben damit den Kurs des Yens in ungeahnte Höhen. "Die Ursache ist die gestiegene Abneigung gegen Risiken", sagt Koji Fukaya, Chef des Devisenteams des Wertpapierhauses Deutsche Securities in Tokio. Einerseits holen ängstliche japanische Investoren ihre Anlagen aus dem Ausland nach Hause zurück und kaufen dafür Yen. Zugleich spekulieren Hedge-Fonds auf eine weitere Aufwertung der japanischen Währung und greifen ebenfalls zu. Auch Nachrichten von Verlusten bei Toyota und Sony sowie die explodierende japanische Staatsverschuldung stoppen den Trend nicht.

Der dramatische Anstieg des Yens gegenüber dem Euro um 40 Prozent seit Sommer liegt am Zusammenbruch einer Anlagestrategie namens "Carry-Trade". Investoren nehmen bei diesem Geschäft zu niedrigem Zins Geld in Japan auf und legen es in Hochzinsregionen an. Nach Ende der Laufzeit erzielen sie einerseits einen Gewinn durch die Zinsdifferenz. Andererseits bringt es ein zusätzliches Plus, wenn der Yen inzwischen an Wert verloren hat. Denn der Yen-Kreditbetrag ist in diesem Fall gemessen an der Zielwährung - etwa neuseeländische Dollar - in der Zwischenzeit gesunken. Sowohl Profis an den Schaltstellen der Hedge-Fonds in New York als auch japanische Privatinvestoren sind diesem Muster gefolgt. Das Geschäft ist mit dem Verkauf von Yen verbunden und treibt dessen Wert weiter nach unten - ein Prozess, der sich selbst verstärkt.

Im Herbst 2008 fand diese Abwärtsspirale - mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - jedoch ein jähes Ende. Als der Yen plötzlich in die Höhe schoss, blieben die Anleger auf hohen Verlusten sitzen. Denn die Voraussetzungen für den Erfolg mit Carry-Trades sind nicht mehr gegeben: Auch im Rest der Welt sind die Zinsen niedrig. Und der Yen gewinnt tendenziell an Stärke.

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