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23.09.2014

06:43 Uhr

Zalando vor dem Börsengang

Mehr Aktien für Privatanleger?

Seinen Börsengang hat der Online-Modehändler Zalando für den 1. Oktober angekündigt. Nun könnten mehr Aktien als bislang geplant an Privatanleger gehen. An der Preisspanne will das Unternehmen dagegen nicht drehen.

Börsengang in den Startlöchern: Zalando geht von einem Emissionsvolumen von bis zu 633 Millionen Euro aus. dpa

Börsengang in den Startlöchern: Zalando geht von einem Emissionsvolumen von bis zu 633 Millionen Euro aus.

BerlinDer Online-Modehändler Zalando stößt vor seinem mit Spannung erwarteten Börsengang nach eigenen Angaben auf überraschend großes Interesse bei Privatanlegern. „Seit Donnerstag erhalten wir viele Anfragen von Privatanlegern zum Börsengang“, sagte Firmensprecher Boris Radke der „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe).

„Über dieses Interesse freuen wir uns, und es überrascht uns positiv.“ Demnach überlegt Zalando nun, darauf zu reagieren und Privatanlegern zulasten von Großinvestoren mehr Aktien zuzuteilen als ursprünglich beabsichtigt. Entschieden werde darüber „nach der Roadshow“, sagte Radke der Zeitung.

Der Börsengang von Zalando ist für den 1. Oktober geplant. Das Unternehmen hat für die Ausgabe der Aktien eine Preisspanne von 18 Euro bis 22,50 Euro festgelegt, allerdings wurden im vorbörslichen Handel am Montag bereits mehr als 28 Euro gezahlt.

Anders als der chinesische Branchenriese Alibaba, der angesichts der hohen Nachfrage im letzten Moment die Preisspanne noch einmal angehoben hatte, will Zalando laut Radke auf einen solchen Schritt verzichten: „Die Preisspanne wird nicht noch einmal angehoben“, sagte er. „Das Zalando Management und das Konsortium haben diese Preis-Range gewissenhaft gewählt.“

Insgesamt will Zalando bis zu 633 Millionen Euro einnehmen. Gelingt dies, wäre der Online-Händler hochgerechnet 5,6 Milliarden Euro wert. Der Börsengang wird als einer der größten in Deutschland seit mehreren Jahren gehandelt. Mit Zalando geht zudem seit langem wieder ein Internetunternehmen an die Börse.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Für das erste Halbjahr 2014 hatte das Unternehmen erstmals einen operativen Gewinn verkündet. Vor Steuern, Zinsen und Ausgaben für Mitarbeiteranteile betrug dieser zwölf Millionen Euro, der Umsatz lag bei einer Milliarde Euro. Den Nettogewinn nannte die Firma nicht. Zalando ist inzwischen in 15 Ländern aktiv und nach eigenen Angaben der größte europäische Online-Händler für Schuhe und Mode.

Von

afp

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