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23.02.2015

16:39 Uhr

Zamek

Gläubiger gehen wohl leer aus

Der insolvente Suppenhersteller Zamek kann offenbar kaum Geld an seine Gläubiger auszahlen. Damit dürften auch die Anleger leer ausgehen, die dem Unternehmen Anleihen im Wert von 45 Millionen Euro abgekauft hatten.

Vor der Zamek-Zentrale in Düsseldorf. dpa

Vor der Zamek-Zentrale in Düsseldorf.

DüsseldorfNeuigkeiten beim insolventen Düsseldorfer Suppenhersteller Zamek: Wie der Express am Wochenende berichtete, sollen Gläubiger quasi leer ausgehen. Die Zamek-Holding soll Schulden in Höhe von 76,1 Millionen Euro haben und die Gläubiger nur noch ein Prozent ihrer Forderungen erhalten, so der Express. Unter den Gläubigern befinden sich neben Dienstleistern und Lieferanten auch Anleger, die Zamek in den Jahren 2012 und 2013 Unternehmensanleihen im Wert von 45 Millionen Euro abgenommen hatten.

Das Lokalblatt beruft sich bei den zitierten Informationen auf ein geheimes Dokument, aus dem hervorgehe, dass der Insolvenzverwalter dem Gericht den Schuldenstand mitgeteilt habe. Im Dezember wurden die Zamek-Tochtergesellschaften in Düsseldorf und Dresden an den Investor Dricon verkauft. Dort war bis zum Nachmittag für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.

Der Markt für Mittelstandsanleihen

Wie viele Mittelstandsanleihen gibt es?

Seit 2010 wurden insgesamt 122 Mittelstandsanleihen an den Börsen Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und München emittiert. Zurzeit sind noch 56 Mittelstandsanleihen in Frankfurt gelistet, 18 in Stuttgart, 14 in Düsseldorf, 3 in München und 2 in Hamburg/Hannover (insgesamt 93).

Welche Mittelstandsanleihen wurden 2014 begeben?

Im Jahr 2014 wurden 13 Mittelstandsanleihen emittiert:

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

GEWA 5 to 1 GmbH & Co. KG

Adler Real Estate AG

HanseYachts AG

Penell GmbH

VEDES AG

Beate Uhse AG

UBM Realitätenentwicklung AG

DIC Asset AG

EYEMAXX Real Estate AG

KSW Immobilien

KTG Agrar (14/19)

German Pellets

Die größten Emissionen im Jahr 2014

Die größten Emissionsvolumen:

UBM Realitätenentwicklung AG: 150 Millionen Euro

DIC Asset AG: 125 Millionen Euro

German Pellets: 100 Millionen Euro

Adler Real Estate AG: 100 Millionen

Die Mittelstandspleiten 2014

Diese acht Emittenten haben 2014 ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt (Börsenplatz in Klammern): Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft (Düsseldorf), Rena GmbH (Frankfurt), Schneekoppe (Düsseldorf), Mox Telecom AG (Stuttgart), MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (Frankfurt), MS „Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH (Frankfurt), MT-Energie GmbH (Düsseldorf), Golden Gate (Frankfurt). Zwei weitere, im Freiverkehr notierte Anleihen, sind ebenfalls ausgefallen: das Modelabel Strenesse und WGF Westfälische Grundbesitz.

Insgesamt fielen in den Mittelstandssegmenten der deutschen Börsen seit Gründung 2010 schon 24 Anleihen aus – oder die Emittenten befinden sich aktuell noch im Insolvenzverfahren. Acht Anleihen entfallen davon auf Stuttgart, neun auf Frankfurt, fünf auf Düsseldorf und jeweils eine auf Hamburg/Hannover und München.

Wie viele Anleihen gibt es im Entry Standard?

Im Frankfurter Entry Standard für Unternehmensanleihen sind 56 Anleihen gelistet. Davon sind drei Emittenten insolvent (MIFA, MS Deutschland, Golden Gate) und eine Anleihe ist im Transfermodus (Sanochemia). Seit September 2011 gab es an der Frankfurter Börse neun Anleihepleiten, die laufenden Insolvenzfälle mit eingerechnet.

Wie viele Pleiten gab es an der Stuttgarter Börse?

Insgesamt emittierten an der Stuttgarter Börse 32 Unternehmen. Acht davon gingen pleite, einige mehr wurden vorzeitig oder regulär zurückgezahlt. 18 Anleihen sind derzeit noch gelistet.

Dass Gläubiger von Zamek kaum mehr Geld erwarten dürfen, passt allerdings zu Recherchen, die das Handelsblatt bereits vergangenen Sommer angestrengt hatte. Demnach haben Anleger ihr Geld offiziell der Konzernmutter – der verwaltenden Holding – und nicht den operativ arbeitenden Tochtergesellschaften geliehen. Die Holding selbst hat allerdings außer einem Grundstück keine Sicherheiten, die jetzt zu Geld gemacht werden könnten. Die Millionen selbst reichte Zamek offenbar teils an Banken weiter, um Schulden abzulösen, teils an andere Investoren. Der Rest versickerte wohl in den defizitären Tochtergesellschaften.

Bereits im vergangenen Sommer bestätigte die Staatsanwaltschaft, den Anfangsverdacht der Insolvenzverschleppung zu prüfen. Die damalige Geschäftsführerin Petra Zamek hatte das Unternehmen bereits knapp drei Wochen verlassen, bevor das Unternehmen den Insolvenzantrag beim Düsseldorfer Amtsgericht eingereicht hatte. Unter Berufung auf die Gläubigerversammlung sollen neben der Insolvenzverschleppung laut Express nun auch weitere Unregelmäßigkeiten geprüft werden. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte indessen, Straftaten zu prüfen.

Einen Hoffnungsschimmer haben Gläubiger aber doch noch. So versucht der Insolvenzverwalter, Christoph Niering, aktuell, von der ehemaligen Geschäftsführung im Rahmen der Geschäftsführerhaftung knapp 40 Millionen Euro zu erhalten.

Von

saz

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