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21.01.2017

15:53 Uhr

Zehn Jahre nach der Finanzkrise

„Wir haben unseren Ruf zerstört“

Die Welt wandelt sich. Das verunsichert nicht nur Bürger, sondern auch die einst so selbstsicheren Banker. Digitalisierung, politische Umbrüche und niedrige Zinsen. Doch mancher sieht noch ganz grundsätzliche Probleme.

Die US-Banken fahren wieder Rekordgewinne ein. In Europa liegt man noch lange nicht oben auf. dpa

Am Boden

Die US-Banken fahren wieder Rekordgewinne ein. In Europa liegt man noch lange nicht oben auf.

DavosEs sind harte Worte, die Paul Smith für seine eigene Zunft findet, die Finanzindustrie. „Das größte Problem ist, dass niemand uns vertraut – erst Recht nicht unsere Kunden“, sagt der Präsident des CFA Institute, einer Vereinigung, in der sich 130.000 Investmentprofis weltweit zusammengeschlossen haben. „2008 haben wir unseren Ruf zerstört“, sagt Smith mit Blick auf den Höhepunkt der Finanzkrise, als Abermillionen Menschen unter den Fehlern einiger Banker zu leiden hatten. Als Menschen ihre Häuser verloren, weil sie ihre Hypotheken nicht mehr zahlen konnten. Als Menschen ihre Alterssicherung verloren, weil die Finanzmärkte in die Tiefe rauschten. Als Menschen ihre Jobs verloren, weil ihre Firmen keine Aufträge und keine Kredite mehr bekamen.

Smith sitzt auf einer Bank im feinen Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos, als er über die Fehler der Finanzbranche spricht. Um ihn herum herrscht rege Betriebsamkeit. Gerade eben eilt der scheidende US-Außenminister John Kerry vorbei, sorgsam abgeschirmt von seinen Bodyguards. Es ist Weltwirtschaftsforum, hier trifft sich einmal im Jahr die Elite aus Wirtschaft und Politik.

Die größten Banken Europas (nach Börsenwert)

Platz 22

Deutsche Bank

Deutschland

23,8 Milliarden Euro

Quelle: Bloomberg / Stand: 13.12.2016

Platz 10

BBVA

Spanien

41,8 Milliarden Euro

Platz 9

Nordea Bank

Dänemark

42,6 Milliarden Euro

Platz 8

Barclays

Großbritannien

46,1 Milliarden Euro

Platz 7

Lloyds Bank

Großbritannien

52,3 Milliarden Euro

Platz 6

ING

Niederlande

52,9 Milliarden Euro

Platz 5

Sberbank

Russland

58,3 Milliarden Euro

Platz 4

UBS

Schweiz

60,2 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

71,3 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

73,8 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

154,7 Milliarden Euro

Die Stimmung war schon besser. Der anstehende Brexit, die Übernahme der US-Präsidentschaft durch Donald Trump, die niedrigen Zinsen, die digitale Revolution und ein zunehmender Protektionismus machen insbesondere den europäischen Banken zu schaffen, während ihre US-Kollegen wie JPMorgan Chase Rekordgewinne einfahren. „Europas Banken sind immer noch mit dem Aufräumen nach der Finanzkrise beschäftigt. Die Amerikaner haben das längst erledigt“, sagt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture. Negativbeispiel sind die staatliche Rettungsaktion für die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, die unter massenhaft faulen Krediten leidet.

Die Baustellen in der Finanzindustrie sind auch Thema am Frühstückstisch. In diesem Fall hat die britische Großbank HSBC zu Kaffee und Teilchen geladen – alle Tische sind besetzt, Spätankömmlinge müssen sich auf Stühle am Rand setzen. HSBC-Verwaltungsratschef Douglas Flint kritisiert die schleppenden Verhandlungen um die neuesten Bankenregeln, das sogenannte Basel IV, mit dem ein abermaliger Kollaps der Finanzmärkte verhindert werden soll. „Es ist fast zehn Jahre nach Beginn der Krise und wir haben das Grundgerüst noch nicht fertig“, schimpft Flint. Dies trage zur herrschenden Unsicherheit bei. Die Banken handelten deshalb extrem vorsichtig. „Das ist eine Belastung für die Wirtschaft.“

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