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07.04.2006

07:00 Uhr

Zertifikate

Kostspielige Garantie

VonDaniel Zwick

Deutsche Anleger gelten als besonders risikoscheu. Das zeigt ihre geringe Lust zum Aktienkauf genauso wie ihre Vorliebe im Bereich innovativer Anlageformen: auf keinen Fall Geld verlieren. Deswegen sind Garantiezertifikate der Renner am Bankschalter. Rund 45 Prozent des in Derivate investierten Geldes haben deutsche Anleger in die Produkte mit Garantie gesteckt – meist ohne zu wissen, was ihnen da eigentlich garantiert wird.

DÜSSELDORF. Die Emissionsbank versichert: Die heute eingezahlten 100 Euro erhält der Anleger in fünf Jahren wieder zurück. Dazu kommt die Chance auf eine meist nach oben begrenzte Verzinsung aus einer Wette auf den Aktienmarkt.

Kaum ein Anleger dürfte dabei bedenken, dass 100 Euro in fünf Jahren deutlich weniger wert sein werden als heute. Bei einer Inflation von zwei Prozent pro Jahr hat die Garantiesumme in fünf Jahren nur noch eine Kaufkraft von ungefähr 90 Euro – von wegen nichts verlieren! Zwar bieten manche der Papiere eine kleine Mindestverzinsung. Einen werterhaltenden Zins in Höhe der Inflationsrate garantieren die Produkte aber äußerst selten.

Und es kommt noch dicker: Die Garantiezahlung ist weniger sicher als es scheint. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen und haben rechtlich einen ähnlichen Status wie Anleihen. Die Rückzahlung solcher Titel hängt von der Zahlungsfähigkeit der Bank ab, die sie begibt. Auf kurze Sicht ist die Kreditwürdigkeit der meisten Emittenten zwar in Ordnung. Bei Papieren mit langen Laufzeiten sollte man das Kreditrating des Anbieters aber nicht vernachlässigen – und zwar wegen der Risikoprämien.

Rechnet man die geringere Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung mit ein, dann müsste eine schwächer eingestufte Bank, beispielsweise die HVB, für ein gleichartiges Produkt mehr Zinsen ausschütten als eine hervorragend benotete Bank wie die UBS.

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