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13.11.2012

19:48 Uhr

Zinsen

Französische Anleihen sind wieder gefragt

Die Anleihe-Investoren haben ihre Abneigung gegenüber Frankreich abgelegt. Das Land gilt bei den meisten wieder als sicherer Hafen, wenn auch nicht so sicher wie Deutschland. Einige Experten zweifeln jedoch.

Das Euro-Zeichen leuchtet vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. dpa

Das Euro-Zeichen leuchtet vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

DüsseldorfInvestoren kaufen wieder französische Anleihen. Das war zeitweise vor der Präsidentschaftswahl anders. Zur Zeit seien Frankreich-Anleihen mit Fälligkeiten bis 25.04.2060 erhältlich, heißt es auf Finanzen.net. Die Kupons reichten bis 8,5 Prozent. Insgesamt betrage das ausstehende Volumen mehr als 1.000 Billionen Euro. In den kommenden 5 Jahren würden davon mehr als 400 Milliarden Euro fällig.

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Die Renditen für zehnjährige Papiere Frankreichs pendeln schon länger bei rund 2,1 Prozent. Am Dienstag erreichte die Rendite mit 2,07 Prozent den tiefsten Stand seit Ende August, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Sätze der Franzosen-Anleihen liegen damit jedoch weiter ein gutes Stück über vergleichbaren Sätzen von Bundesanleihen, die derzeit rund 1,3 Prozent rentieren.

Der stark beachtete Renditeabstand der französischen Staatsanleihen zu Bundesanleihen hat sich inzwischen auch wieder verringert und liegt derzeit bei rund 0,8 Prozentpunkten. Ende April lag er bei zehnjährigen Papieren noch bei 1,55 Prozentpunkten.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Auch dies zeigt, dass die Finanzmärkte die Lage in Frankreich wieder gelassener sehen – auch wenn sich die Fundamentaldaten von Frankreich verschlechtern. Doch das ist relativ: Investoren suchen Rendite und Sicherheit. Beides finden sie eher in Staaten, die von der Euro-Schuldenkrise bisher weitgehend verschont wurden. Neben Deutschland zählt dazu auch Frankreich.

Nach der Präsidentenwahl hatten Hedge-Fonds ihre Wetten gegen Frankreich aufgelöst, wie die französische Schuldenagentur berichtete. Gleichzeitig kauften Profi-Anleger aus Asien und Europa. Der Grund: Der französische Anleihemarkt ist groß und liquide und kann sogar als Alternative für Deutschland dienen.

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Die Renditen sind im Keller, aber ohne Bundesanleihen geht es nicht, ist Harald Preißler überzeugt. Wo es etwas mehr zu holen gibt und welche Bonds Anleger meiden sollte, erklärt der Chefvolkswirt von Bantleon.

Wenn also deutsche Staatsanleihen zu teuer werden und die Zinsen zu niedrig, dann weichen Investoren wieder gerne nach Frankreich aus. Schließlich müssen manche Bund-Investoren ihr Geld derzeit zum Nulltarif hergeben. Eine Auktion von Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte am Montag gut 3,5 Milliarden Euro in die Staatskasse, teilte die für das Schuldenmanagement verantwortliche Deutsche Finanzagentur mit.

Die Investoren verzichteten dabei aber erneut auf Rendite, um an die als ausfallsicher geltenden Wertpapiere zu gelangen. Sie lag mit minus 0,0116 Prozent zum neunten Mal in Folge im negativen Bereich. "Dies unterstreicht das nach wie vor sehr volatile Marktumfeld", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Trotzdem war die Nachfrage robust: Sie übertraf das zugeteilte Volumen um das Doppelte.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Deutschland profitiert in der Schuldenkrise am stärksten von seinem Status als sicherer Hafen. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik mit der Bestnote "AAA". Auf der Suche nach einem sicheren Parkplatz für ihr Geld begnügen sich Anleger mit Mini-Zinsen oder zahlen gar eine Prämie, um in den Besitz von Bundeswertpapieren zu kommen.

Nicht alle Profis fliegen jedoch auf Frankreich. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone habe zwar davon profitiert, dass Investoren Mittel aus Nachbarländern wie Spanien und Italien abgezogen hätten, sagt John Gildert, der Chefanlage-Stratege von General Re-New England Asset Management, einem der Rückversicherer, der zum Firmen-Imperium des weltbekannten Investors Warren Buffett gehört.

Euro-Krise: Die Warnung des Warren Buffett

Euro-Krise

Die Warnung des Warren Buffett

Ein Investmentprofi aus dem Hause Buffett warnt vor Frankreich-Anleihen. Nicht besser als die italienischen Bonds seien die, sagt er. Viele Anleger zahlten einen hohen Preis dafür. Buffett hat die Bonds längst verkauft.

Gilbert rät bei Frankreich jedoch zu Vorsicht, da die Unternehmen des Landes im vergangenen Jahrzehnt an Konkurrenzfähigkeit verloren hätten. Zudem seien die Personalkosten in Frankreich höher als in Deutschland.

Buffett, der 81-jährige Chef von Mutter-Konzern Berkshire, hat sein Engagement in spanischen, italienischen und französischen Staatsanleihen bereits vor zwei Jahren reduziert, wie er gegenüber CNBC erklärte. Stattdessen konzentrieren sich etwa 80 Prozent der Staatspapiere von Berkshire außerhalb der USA auf Deutschland, Großbritannien, Kanada, Australien und die Niederlande, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

ilbert ist nicht allein mit seiner Warnung. Immer mehr Investoren gehen davon aus, dass die Zeit des billigen Geldes für die Franzosen bald vorbei sein könnten, wenn die Franzosen ihr Haushaltsdefizit nicht in den Griff bekommen und die Konjunkturaussichten schlecht bleiben.

 

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itt

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.11.2012, 13:30 Uhr

Na ja, französiche Aktien sind wohl auch kaum noch gefragt, nachdem Frankreich schon mal die Finanztransaktionssteuer vorweg eingeführt hat. Zum Glück gibt es noch genug andere Länder, die Aktien ohne diese Zusatzsteuer anbieten.

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