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31.10.2016

18:58 Uhr

Zinsentscheide mehrerer Notenbanken

Die Angst vor dem Ende des billigen Geldes

Gleich drei international bedeutende Notenbanken entscheiden in dieser Woche über ihre Geldpolitik. Am japanischen Markt sorgten die Geldwächter bereits für dramatische Veränderungen.

Die Währungshüter in Tokio haben ihre expansiven Instrumente bereits stark ausgereizt. Imago

Die Bank of Japan

Die Währungshüter in Tokio haben ihre expansiven Instrumente bereits stark ausgereizt.

Tokio, Washington und London: In diesen drei Städten tagen in dieser Woche die jeweiligen Notenbanken. Der Beschluss dürfte in allen Städten der gleiche sein: Die Höhe des Zinses wird nicht angetastet, er bleibt so niedrig wie jetzt.

„Wenige Tage vor der US-Wahl wird die Fed nicht mit einer unerwarteten Zinsanhebung für Volatilität sorgen wollen“, sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Im Dezember dürfte es nach Meinung der Experten dann aber so weit sein. Denn die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt läuft gut, vor allem der Arbeitsmarkt brummt. „Nur sehr negative Daten können einen Zinsschritt im Dezember noch verhindern“, ist sich Balz sicher.

Auch die Notenbank in Japan wird nach Ansicht von Experten erst einmal die Füße still halten. Die Bank of Japan (Dienstag) hat ihrer ultra-lockeren Geldpolitik erst bei der vergangenen Sitzung im September eine neue Stoßrichtung gegeben. Und damit den Anleihenmarkt komplett verändert.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Denn das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von Staatsanleihen hat sich beinahe halbiert, nachdem die Bank of Japan Renditekurvenstrategie bekannt gab, berichtet das „Wall Street Journal“. Der Handel mit den Staatsanleihen im zweitgrößten Anleihemarkt der Welt fiel im Oktober gegenüber dem Vormonat um fast 50 Prozent, so der Datenanbieter Quick Corp.

Der Rückgang zeigt, wie Händler und Anleger auf die jüngsten geldpolitischen Manöver der Bank of Japan reagieren: Indem sie an der Seitenlinie sitzen. „Für jemanden wie mich, der gerne Handel treibt, sind wir nun in einer ‚calm period‘“, sagte Tadashi Matsukawa, Leiter Festverzinsliche bei Pine Bridge Investments in Tokio. „Jetzt müssen wir als langfristiger Investor agieren anstatt wie früher, als wir aktiver Tageshändler waren“.

Die BoJ hatte am 21. September angekündigt, die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf dem Niveau von null Prozent zu halten – eine überraschende Ankündigung für eine Notenbank. Zu diesem Zeitpunkt war die Rendite für diese Anleihen negativ. Ihre Politik, bekannt als „Rendite-Kurve-Kontrolle“, wurde entwickelt, um die langfristigen Zinssätze in Japan zu erhöhen. Das soll Banken und Versicherer helfen, profitabler zu wirtschaften.

Dieser unkonventionelle Schritt offenbart auch die Probleme, vor denen die globalen Zentralbanken wie beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) gegenübersehen. Denn auch die EZB hat ein Anleihenkaufprogramm in Höhe von 80 Milliarden Euro aufgelegt und kauft ebenfalls staatliche Bonds.

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