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09.11.2011

15:16 Uhr

Zinskosten explodieren

Anleger bereiten sich in Italien auf das Schlimmste vor

VonAndrea Cünnen, Michael Maisch, Ralf Drescher

Berlusconi geht, die Probleme bleiben. Am Bondmarkt kennt die Rendite italienischer Anleihen kein Halten mehr. Profiteur der Krise ist Deutschland, weil Bundesanleihen in puncto Sicherheit das Maß aller Dinge sind.

Panik bei italienischen Anleihen

Video: Panik bei italienischen Anleihen

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Frankfurt / LondonDie Rücktritssankündigung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Investoren am Anleihemarkt nicht beruhigt. Im Gegenteil: Die Kurse fallen weiter, die Renditen italienischer Staatsanleihen gehen entsprechend in die Höhe. Am Nachmittag warfen zehnjährige Anleihen 7,22 Prozent ab und übersprangen damit erstmals die Marke von sieben Prozent Rendite. Zum Höchststand am Mittag lagen die Anleihen noch bei 7,5 Prozent. Allein im Vergleich zum Vortag betrug der Anstieg 70 Basispunkte bzw. zehn Prozent. Die Rendite zweijähriger Zinspapiere stieg noch stärker an und übertraf die langfristiger Anlagen. Diese Konstellation, die als inverse Zinskurve bezeichnet wird, gilt als Hinweis darauf, dass Investoren einen baldigen Zahlungsausfall fürchten.

Viele Experten halten eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt für Italien auf diesem Niveau für langfristig nicht darstellbar. Dies gilt erst recht, da Italien mit einem ausstehenden Bond-Volumen von 1,6 Billionen Euro ein absolutes Schwergewicht am Anleihemarkt ist. Da regelmäßig Anleihen auslaufen und durch neue abgelöst werden, steigen die Refinanzierungskosten Italiens drastisch an. Angesichts eines chronisch schwachen Wirtschaftswachstums und einer Staatsschuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts droht die Last das Land zu erdrücken.

Verstärkt wurde die Talfahrt italienischer Anleihen am Mittwoch dadurch, dass Investoren nun höhere Sicherheiten bieten müssen, wenn sie die Zinspapiere für Kredite beleihen wollen. Das Londoner Clearinghaus LCH, das solche besicherte Darlehen zwischen den Banken abwickelt, erklärte am Morgen, italienische Bonds ab Donnerstag nur noch mit höheren Preisabschlägen als Sicherheit für Wertpapier-Transaktionen zu akzeptieren. Die Einlagen, die Kunden für Transaktionen italienischer Staatsanleihen vorhalten müssen, sollen um 3,5 bis fünf Prozentpunkte steigen. Auch die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 23.000 auf 543.000 Euro, wie LCH mitteilte.

Sorgen wie die Italiens sind Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fremd. Zumindest mit Blick auf die Refinanzierungskosten Deutschlands am Anleihemarkt gab es in diesen Jahr schon mehrfach Grund zum Jubeln: Deutsche Anleihen gelten in puncto Sicherheit als das Beste, was man im Euro-Raum bekommen kann. "Investoren, die Sicherheit wollen, sind mit Blick auf mögliche Risiken sehr intolerant", meint Richard Woolnough von der Fondsgesellschaft M&G Investment. Deshalb seien Bundesanleihen stärker denn je bei Anlegern gefragt.

Die Investoren begnügen sich mit immer weniger Zinsen, und Deutschland finanziert sich so günstig wie noch nie: In dieser Woche wurden für Sechsmonatspapiere gerade einmal Zinskosten von 0,08 Prozent fällig, im September stockte der Bund eine zehnjährige Anleihe mit einer Mini-Rendite von 1,8 Prozent und eine fünfjährige Anleihe zu 1,2 Prozent auf. Anleger nehmen dabei sogar negative Realrenditen in Kauf, denn schließlich lag die Inflationsrate zuletzt bei 2,5 Prozent.

Sorgenkind Italien

Für alle anderen Länder ist es dagegen teurer geworden, sich über Anleihen zu refinanzieren - in Griechenland, Irland und Portugal ist es schon lange unmöglich. Die Renditeaufschläge im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen reichen von 1,3 Prozentpunkten für Frankreich bis zu 23,5 Prozentpunkten für Griechenland. Die größte Sorge der Investoren ist dabei derzeit, dass auch Italien Kredithilfen beantragen muss. Anleger verlangen für zehnjährige italienische Anleihen inzwischen 5,6 Prozentpunkte mehr Rendite als für die deutschen Bundesanleihen. Angesichts des steilen Anstiegs der Risikoprämien könnten sich einige große Spieler gezwungen sehen, weitere Bestände auf den Markt zu werfen, meint Stuart Frost vom Londoner Vermögensverwalter RWC. Investoren seien dagegen Mangelware.

Kommentare (77)

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Account gelöscht!

09.11.2011, 11:10 Uhr

Das war zu erwarten! Jetzt erfolgt die Goebbelsche Trommelei für die Eurobonds, weil die auch so sparsamen südeuropäischen Nationen nicht mehr so einfach über ihre Verhältnisse leben können. Da ist es doch viel einfacher, wenn Deutschland mitmacht bei der Schuldenorgie: Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Hier allerdings nicht. Der Euro ist das große Problem! Er führt zur größten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Katastrophe in Deutschland und Europa seit 1945. Ein größenwahnsinniges "politisches GROSSProjekt", das Politiker nur ermutigt hat, deutlich mehr Neuschulden zu machen in den Südländern, als jemals zurückgezahlt werden können. So sieht Europa aus: Schnell gut verschulden - die Rechnung soll von allen beglichen werden. Und wenn einer kein Geld mehr hat, dann gibt er den Rechnungsteil an den nächsten weiter. Sehr schön!

Sun_Tsu

09.11.2011, 11:15 Uhr

"Pyrrhussiege" sind nun mal keine Siege: besser den Ball ganz flach halten...

Malocher

09.11.2011, 11:22 Uhr

HB-Propaganda-Zitat: "Italien darbt, Deutschland jubelt"

Was für eine blödsinnnige Schlagzeile!
Ein Land zahlt doch gerade deswegen niedrige Zinsen, weil es spart bzw. DARBT wie Deutschland und gerade dann hohe Zinsen wenn es Geld verJUBELT wie Italien.

Fahren Sie mal nach Norditalien, ich kenne niemanden der dort "darbt". Und dann fahren Sie einmal in unser bevölkerungsreichstes Bundesland in die Vororte, dort ist vielen Menschen nicht zum Jubeln zumute.

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