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09.03.2016

16:39 Uhr

Zinsprognose und die EZB

„Die Luft für Bundesanleihen wird dünn“

VonAndrea Cünnen

Wenn die EZB am Donnerstag ihre Geldpolitik weiter lockert, könnte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ins Minus rutschen. Allerdings nur kurz, meinen Experten. Wie es in der Minus-Welt weitergeht.

Öffentliche Banken erwarten keine Kurssteigerungen bei Bundesanleihen. Imago

Deutschland-Fahne mit Bundesadler

Öffentliche Banken erwarten keine Kurssteigerungen bei Bundesanleihen.

Frankfurt am MainDie Welt der Zinsen steht auf dem Kopf. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz erstmals im vergangenen Juni in den negativen Bereich gesenkt hat, verzinsen sich auch immer mehr Anleihen im Minus. Im Euro-Raum sind es rund 45 Prozent aller Staatspapiere, in Deutschland mittlerweile fast 80 Prozent. Auch viele Pfandbriefe und selbst Unternehmensanleihen von soliden Schuldnern rentieren leicht im Minus. Und in dieser Woche gelang es der Hypothekenbank Berlin Hyp als erster Bank einen Pfandbrief mit negativer Rendite zu platzieren. Für Anleger verschärft sich die Misere. Auch längerfristige Papiere wie achtjährige Bundesanleihen rentieren derzeit im negativen Bereich. Dabei gelten Staatsanleihen eigentlich als sichere Geldanlage. Doch statt ihr Geld nun dank Zinsen zu mehren, zahlen Anleger nun für ihre Investition drauf.

Minuszinsen: Diese Bank verdient Geld mit ihren Schulden

Minuszinsen

Diese Bank verdient Geld mit ihren Schulden

Die Hypothekenbank Berlin Hyp hat als erstes Unternehmen ein Zinspapier mit negativer Rendite begeben. Bislang gelang es nur Staaten, mit ihren Schulden Geld zu verdienen.

Auslöser dessen war die EZB. Dort müssen Banken für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent bezahlen. Und es könnte noch tiefer ins Minus gehen. Investoren rechnen fest damit, dass die EZB den Einlagensatz am morgigen Donnerstag auf minus 0,4 oder sogar minus 0,5 Prozent senken wird. Dazu könnte sie ihr Anleihekaufprogramm ausweiten. Die große Frage, die Experten großer öffentlicher Banken bei der halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) am Tag vor der EZB-Sitzung beschäftigt, ist, ob auch viel beachtete deutsche Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit in den Minus-Bereich drücken wird.

Aktuell rentiert die zehnjährige Bundesanleihe mit 0,23 Prozent, Ende Februar war sie unter 0,1 Prozentpunkt gerutscht und im vergangenen April erreichte sie mit 0,07 Prozent ein historisches Tief – um danach binnen kurzer Zeit wieder auf über ein Prozent zu steigen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Grundsätzlich würde eine negative Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nicht viel ändern, wir haben ja schon sehr viele Negativ-Zinsen“, meint dazu Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Es wäre aber ein „historischer Schritt“, und de la Rubia kann sich vorstellen, dass wir diesen nach der EZB-Sitzung sehen werden. Jens Kramer, Leiter Volkswirtschaft und Strategie bei der NordLB, will den Fall unter null Prozent zumindest nicht ausschließen. Er hält es jedoch genauso möglich, dass die EZB morgen die Märkte nicht in euphorische Stimmung versetzt, eben weil schon so lange weitere Schritte der Notenbank erwartet werden.

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