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10.05.2017

16:37 Uhr

Zinsprognosen

„Draghi muss seinen Kritikern etwas anbieten“

VonAndrea Cünnen

Die Kritik an der Niedrigzinspolitik von EZB-Präsident Draghi wird lauter. Ökonomen sind sich einig: Im kommenden Jahr wird die Notenbank ihre umstrittenen Anleihekäufe zurückfahren. Doch was heißt das für die Märkte?

Die EZB wird sich bewegen - aber höhere Zinsen wird es noch lange nicht geben. Imago

Sanduhr auf Euro-Scheinen

Die EZB wird sich bewegen - aber höhere Zinsen wird es noch lange nicht geben.

Frankfurt Mario Draghi hat es nicht eilig. An seiner ultralockeren Geldpolitik will der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) noch festhalten. Erst am Mittwoch betonte er bei seiner Rede vor dem niederländischen Parlament, dass es nötig sei, den „sehr substanziellen“ Konjunkturimpuls aufrecht zu erhalten. Dennoch: Die Uhr für den langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik läuft – wenn auch sehr langsam.

Das meinen auch die Volkswirte der größten Mitgliedsbanken des Verbands Öffentlicher Banken (VÖB), die sich am Mittwoch zu ihrer halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz in Frankfurt trafen. Dabei sind sich Ökonomen einig, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung im Juni die Prognosen für Wirtschafts- und Inflationsausblick anheben wird. Einen konkreten Fahrplan für das Auslaufen der Anleihekäufe dürfte es dann aber frühestens im September geben. „Draghi hat es nicht eilig, aber er muss seinen Kritikern etwas anbieten“, meint dazu Ulf Krauss, Volkswirt bei der Helaba.

Anleihen – vor allem Staatspapiere der Euro-Länder – kauft die EZB seit gut zwei Jahren. Inzwischen hat sie Bonds im Umfang von mehr als 1,8 Billionen Euro auf ihrer Bilanz. Das gesamte Kaufprogramm, das auch Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und Verbriefungen umfasst, soll noch bis Ende Dezember laufen und dann eine Größenordnung von 2,3 Billionen Euro erreichen. Danach wird es kein abruptes Ende, sondern nur ein langsames Herunterfahren – das sogenannte Tapering – der Käufe geben. Doch was heißt das für die Märkte? Wird es Verwerfungen geben, wenn mit der EZB ein großer Käufer wegfällt?

Geldpolitik

Die Aktienkurse der Notenbanken

Der Traum von der eigenen Gelddruckmaschine. Tatsächlich können Privatpersonen die Aktien von Banken kaufen. Vier Notenbanken der Welt sind an der Börse notiert. So reagieren ihre Aktienkurse auf die Geldpolitik.

Die vom VÖB-eingeladenen Experten meinen: Nein. „Letztlich weiß jeder, dass es mit den Anleihekäufen nicht ewig so weiter geht, und die Käufe im nächsten Jahr zurückgefahren werden“, sagt Jan Holthusen, Leiter des Anleiheresearchs bei der DZ Bank. Dazu kommt laut Cyrus de la Rubia, Volkswirt bei der HSH Nordbank, dass kein nachhaltiger Inflationsdruck zu erwarten ist, es mit den spätestens im kommenden Frühjahr anstehenden Wahlen in Italien noch politische Unsicherheiten gibt und sich in den USA eine gewisse Ernüchterung mit Blick auf die im Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump versprochen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur durch Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben breit macht. Deshalb werden auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nach Meinung der Ökonomen nicht mehr so massiv anziehen.

Entsprechend meinen die Ökonomen, dass die Renditen deutscher Bundesanleihen noch niedrig bleiben werden. Bis zum Herbst prognostizieren DZ Bank, Helaba und HSH Nordbank nur einen kaum merklichen Anstieg der zehnjährigen Bund-Rendite von aktuell 0,4 auf dann 0,45 bis 0,55 Prozent. Mit Sicht auf ein Jahr dürfte es dann auch nur leichte Anstiege auf 0,75 Prozent (DZ Bank und HSH Nordbank) bis ein Prozent (LBBW und NordLB) geben. „Ein durchbrochener Abwärtstrend bei den Renditen ist noch lange kein Aufwärtstrend“, meint Torsten Windels, Volkswirt bei der NordLB.

Zins-Prognosen im Überblick

DZ Bank

Die DZ Bank rechnet bis März 2018 mit einem nur ganz leichten Anstieg der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 0,5 Prozent. Für September 2018 prognostiziert das Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Banken eine Rendite von 0,75 Prozent. In den USA sollte die Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf Sicht von einem halben Jahr be9 2,4 und auf Sicht von einem Jahr bei 2,6 Prozent liegen.

Stand: 13. September 2017

BayernLB

Auch die BayernLB geht davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im März 2017 bei 0,5 Prozent liegt. Im September 2018 sollte sie dann bei 0,8 Prozent liegen. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe wird nach Meinung der BayernLB in sechs Monaten auf 2,5 Prozent und in zwölf Monaten auf 2,8 Prozent steigen.

Stand: 13. September 2017

Helaba

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erwartet, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im März 2018 bei 0,6 Prozent liegen wird. Bis September 2018 sollte sie dann auf 0,8 Prozent anziehen. In den USA rechnet die Helaba mit Renditeanstiegen der zehnjährigen Anleihe 2,5 Prozent in sechs und 2,8 Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 13. September 2017

LBBW

Volkswirt Elmar Völker rechnet damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in einem halben Jahr bei 0,6 Prozent liegen wird. Die Rendite-Marke von einem Prozent dürfte die zehnjährige Bundesanleihe dann im Mai 2017 erreichen. In den USA prognostiziert Völker einen Anstieg der zehnjährigen Treasury-Rendite auf 2,6 in sechs und auf drei Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 10. Mai 2017

Dekabank

Die Dekabank erwartet, dass die zehnjährige Bund-Rendite auf Sicht von sechs Monaten im März 2018 auf 0,65 Prozent anziehen wird. Bis September 2018 erwartet die Dekabank dann einen leichten Anstieg auf 0,85 Prozent. Für die zehnjährige US-Rendite prognostiziert das Haus einen Anstieg auf 2,3 Prozent in sechs und auf 2,45 Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 13. September 2017

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) prognostiziert auf Sicht von sechs Monaten einen Anstieg der zehnjährigen Bund-Rendite auf 0,7 Prozent bis zum März 2018. Die Marke von einem Prozent sollte die zehnjährige Bund-Rendite dann im September 2018 erreichen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wird laut NordLB auf 2,50 Prozent bis März 2018 und auf 2,7 Prozent bis September 2018 steigen.

Stand: 13. September 2018

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank hat die höchsten Prognosen unter den befragten Häusern. Sie geht davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite in einem halben Jahr bei einem Prozent liegen wird. In einem Jahr sollte sie dann auf 1,3 Prozent steigen. Auch für zehnjährige US-Staatsanleihen prognostiziert die HSH Nordbank einen deutlicheren Renditeanstieg, und zwar auf 2,6 Prozent in einem halben und auf 3,1 Prozent in einem Jahr.

Stand: 13. September 2017

Ihr historisches Tief hatte die zehnjährige Bundesanleihe im vergangenen Juni mit minus 0,2 Prozent erreicht. Seither geht es in der Tat aufwärts – aber nur langsam und unter Schwankungen. Im März war die zehnjährige Bund-Rendite auf knapp ein halbes Prozent gestiegen, danach sackte sie angesichts der Unsicherheiten um die französischen Präsidentschaftswahlen bis Mitte April auf bis zu 0,16 Prozent ab. Seit sich nach der der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen im April abzeichnete, dass der inzwischen zum Präsidenten gewählte sozialliberale und europafreundliche Emmanuel Macron das Rennen gegen die rechtsextreme Marine Le Pen mit ihren Euro-Ausstiegsplänen macht, steigen die Renditen wieder.

Kommentare (5)

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Frau Annette Bollmohr

10.05.2017, 16:46 Uhr

„Draghi muss seinen Kritikern etwas anbieten“

'n Sch... muss der. Die müssen sich endlich s e l b s t etwas Besseres einfallen lassen. Und zwar allesamt.

Herr Marc Hofmann

10.05.2017, 17:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Baron v. Fink

10.05.2017, 17:27 Uhr

Signore Draghi ist der Größte, er versorgt uns Investoren mit Geld und dadurch den Plebs mit
Arbeitsplätzen. Zusätzlich kauft er noch unsere Schuldscheine, eine Leistung die unvergessen
bleibt. Als zusätzliches Zuckerl bekommt der Investor von manch einem Herz-Jesu-Sparer noch
seine Zinsen vergönnt, damit Gutes auf dieser Welt geschehe. Wie wahr, Gutes tut der Fink
und gönnt sich sonst auch nichts, edel wie eben sein Gönner der Sparer. Immer wenn ich
solche Texte lese, kommen mir die Tränen, so gut , edel und warmherzig bin ich. Ha Ha Ha

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