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31.05.2012

09:54 Uhr

Zinssenkung

Brasilien kämpft gegen die Krise

VonAlexander Busch

Das rasante Wachstum ist vorbei. Ausländische Investoren ziehen ihr Kapital ab. Der Aktienmarkt knickt ein. Brasilien kann sich der Krise im Rest der Welt nicht entziehen. Jetzt reagiert die Zentralbank.

Brasilien bleibt trotz aktueller Turbulenzen ein langfristiges Anlageziel. dapd

Brasilien bleibt trotz aktueller Turbulenzen ein langfristiges Anlageziel.

Sao PauloDie brasilianische Notenbank hat zur Stützung der Wirtschaft den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Wie die Notenbank am Mittwoch in Brasilia mitteilte, wird der Zinssatz um 50 Basispunkte auf 8,5 Prozent reduziert und damit zum siebten Mal in Folge.

Einschließlich der jüngsten Zinssenkung senkte die brasilianische Notenbank den Leitzins nun seit August 2011 um 400 Basispunkte. Präsidentin Dilma Rousseff hat niedrigere Zinsen zu einer der Prioritäten ihrer Amtszeit erklärt, um das Wirtschaftswachstum weiter bei Raten von vier Prozent und mehr zu halten. Der Aufschwung hatte die weltweit sechstgrößte Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren zu einem der attraktivsten Schwellenländer für Investoren gemacht. Doch davon war zuletzt nicht mehr viel übrig.

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Der brasilianische Leitindex Bovespa zählt dieses Jahr mit einem Verlust von 13 Prozent in Dollar zu den am schlechtesten abschneidenden Aktienmärkten weltweit nach den Börsen der europäischen Krisenländer. Im Jahresverlauf hat die Börse in Dollar rund ein Drittel an Wert verloren. Der Grund für das schlechte Abschneiden sind die schrumpfenden Wachstumsaussichten des Landes.

„Brasiliens Wachstumsaussichten haben sich in den letzten Wochen parallel zu den Konjunkturaussichten für China und die Weltwirtschaft eingetrübt", sagt Andrew Campbell, Aktienstratege für Lateinamerika bei Credit Suisse. Statt noch vier Prozent wie zum Jahresbeginn rechnen die meisten Brasilien-Analysten der Investmentbanken nur noch mit einem Wachstum von zweieinhalb bis drei Prozent.

Das liegt einerseits an der nun schon seit einem Jahr stagnierenden Industrie Brasiliens, die wegen des starken Reals kaum noch exportiert und zusätzlich unter Druck durch Importe kommt. Auch die Rohstoff-, Öl- und Stahlkonzerne, welche die Börse dominieren, stellen sich auf niedrige Preise auf dem Weltmarkt und vor allem dem Hauptabnehmer China ein.

Letztes Jahr konnten die hohen Preise und Exportmengen an Erz und Agrargütern das schwache Abschneiden der Industrie ausgleichen. Dieses Jahr funktioniert das nicht mehr. „Brasiliens Wachstum hängt zu stark von Rohstoffen ab", kritisiert Ruchir Sharma, Emerging-Markets-Direktor von Morgan Stanley, und empfiehlt Investoren, Brasilien-Aktien im Portfolio zu reduzieren.

Kommentare (3)

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bmueller

31.05.2012, 11:51 Uhr

Ich habe selber eine Firma in Brasilien. Der Autor schildert die Probleme des Landes zwischen den Zeilen, benennt sie aber nicht direkt. Die Bankzinsen in Brasilien sind HORREND !!! Demzufolge natürlich auch die Gewinne der Banken. Bei einem Zinssatz von 8,5% (wohl für Banken) zahlt man für Finanzierungen typischerweise 25%-30% ! D.h. man kann Geschäfte gar nicht finanzieren, die Gewinnspanne dafür gibt es gar nicht. Demzufolge wird auch nicht investiert. Brasilien lebt von seinen Rohstoffen. U.a. auch deshalb, weil die Industrie keine ausgebildeten Mitarbeiter bekommt. Das Bildungssystem ist ein WITZ ! Die Leute die die staatliche Schule verlassen können kaum lesen und schreiben, rechnen schon mal gar nicht. Die Leute die von den höheren Schulen kommen auch nicht mehr. Englisch kann in diesem Land niemand. Ich bezweifle auch dass die Brasilianer nur 20% ihres Verdienstes an Zinsen für Kredite ausgeben. Ich denke es ist weit mehr. Der Großteil der Brasiliander lebt vom Salario minimo, das sind ca. 250€. Eine Wohnung von 60 qm in einem Wohnturm kostet ca. 720€ ! Ein Auto kostet in Brasilien das dreifache was es in Deutschland kosten würde, wegen der "Importsteuer". Die hat glaube ich weniger den Zweck den Markt gegen ausländische Produkte abzuschotten, sondern vielmehr überhaupt Steuern reinzubekommen. Wer wissen will wie Griechenland funktioniert braucht sich nur mal in Brasilien umzusehen. Steuern zahlt hier niemand ! Man gibt bei der Steuer nur an was man will ! Wegen der Importsteuern auf alles was aus dem Ausland kommt (und es kommt fast alles aus dem Ausland, weil aus den geschilderten Gründen im Inland fast nichts hochwertiges produziert werden kann) ist Brasilien von den Lebenskosten eines der teuersten Länder der Erde. Bei gleichzeitigem dem niedrigsten Einkommen der Einwohner und, deswegen, der höchsten Kriminalität, nicht nur der Bevölkerung, sondern auch der Regierung. Brasilien ist das Land der Zukunft, und wird es immer sein! (Weil sie nie kommt)

KPE

31.05.2012, 11:55 Uhr

AB war mal ein kenntnisreicherer, kritischerer Brasilienkomentator. Der bras. Binnenmarkt expandiert nach wie vor, trotz des höchsten Real(Markt-)zinses auf diesem Planeten. Daran ändert die Herabsetzung des Selic nichts. Die Banken verdienen unverhältnismäßig viel und der Staat erhebt unverhältnismäßig hohe Steuern! Dies ist die Krux Brasiliens. Ausser, daß die Korruptionsspirale in Staat, Land und Gemeinden ungebrochen ist. Der Real, allerdings, ist viel zu hoch bewertet, was den industriellen Export lahmt. Das klassische Problem der Commodity Exporteure. Dies klagt die Präsidentin Dilma zu Recht an und dies kommt, auch, von der Geldmarktschwemme und Spekulation des Westens! Das Wachstum 2010 wurde manipuliert, da Wahljahr! Dies wurde mit höherer Inflation bezahlt in 2011/2012, was jetzt durch eine restriktive Ausgabenpolitik korrigiert wurde, damit fällt natürlich das nominale Wachstum in den Keller. Brasilien und das ist viel besorgniserregender, fehlt unter den 20 "effektivsten" Ländern des IMD Ranking.
Da braucht es noch lange hin, obwohl von der Größe Nummer sechs, auf der Welt. Die Inefizienz des Staates und der Rechtstruktur, die fehlende Infrastuktur und Ausbildung ist der Graben, den sich Brasilien selber gräbt! Trotzdem ist Brasilien der Zukunftswirtschaftsraum, als Land und "Kontinent", insbesondere unter dem Aspekt der Dekadenz der anglosächischen Dominanz.

KPE

31.05.2012, 12:15 Uhr

Das Familieneinkommen liegt, heute, bei EUR 750/1000,-, bei der Mittelschicht entsprechend höher. Die wirtschaftliche Diskrepanz ist trotzdem richtig eingeschätzt. Die bras. Industrie ist seit langem durch Schutzzölle "geschützt", sodaß in vielen Bereichen die Qualität mangelhaft ist. Aber es gibt auch andere Branchen! Es ist ein "durchwachsenes" Land der Zukunft. Stimmt! Die Agroindustrie,allerdings, brummt und wird das Land nach vorne treiben! Solange, allerdings das Parlament und der Senat mehr einer kriminellen Vereinigung gleicht und der Kolonialismus ungebrochen ist, kann dies alles auch noch wieder nach hinten "rüber" kippen. Trotzdem ist Brasilien eine Alternative (muß) zur Investition, allerdings für große Gruppen, mehr, als für mittelere Investoren, die im Djungel der Rechts- und Planungsunsicherheit leicht die Orientierung/Mut verlieren!

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