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16.04.2015

10:36 Uhr

Zinstief

Deutsche Staatsanleihen werfen fast keine Rendite mehr ab

Deutsche Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit warfen am Donnerstag erstmals weniger als 0,1 Prozent Rendite ab. Damit nähert sich der Zins dieses wichtigen Produkts immer weiter der Null-Marke.

Deutsche Staatsanleihen werfen kaum noch Zinsen ab. dpa

Schmale Rendite

Deutsche Staatsanleihen werfen kaum noch Zinsen ab.

FrankfurtDas Zinstief und die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) lassen die Renditen deutscher Staatsanleihen immer weiter schmelzen. Mit dem Kauf der maßgeblichen Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit erzielten Anleger am Donnerstag erstmals weniger als 0,1 Prozent Rendite. Damit nähert sich der Zins dieses wichtigen Produkts immer weiter der Null-Marke. Würde die Rendite ins Negative fallen, hieße dies, dass Anleger beim Kauf solcher Bundesanleihen unterm Strich bis zur Fälligkeit ein Minusgeschäft machen würden - und der Staat fürs Schuldenmachen Geld bekommen würde.

Die Rendite setzt sich aus dem aktuellen Kurs und dem Zinskupon einer Anleihe zusammen. Da die EZB solche Papiere derzeit massiv aufkauft, steigen die Kurse weiter, womit die Rendite sinkt. Der Staatshaushalt profitiert von dieser Entwicklung immer dann, wenn der Bund neue Papiere herausgibt.

Schon jetzt rentieren deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren im Minus. In der Schweiz, deren Staatsanleihen als besonders sichere Anlage gelten, liegt der zehnjährige Zins schon länger unter Null.

Alle Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Die Geldschwemme beginnt

Im März startete die Europäische Zentralbank (EZB) ihre breits im Januar angekündigte Geldschwemme. Die wichtigsten Details zum Kaufprogramm.

Das kauft die EZB

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

So sollen die Käufe ablaufen

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Kauf fauler Papiere ist möglich

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Die Rolle von EFSM und ESM

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Auch Papiere nationaler Banken werden gekauft

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Reintegration der Schuldtitel in die Märkte

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

16.04.2015, 11:24 Uhr

Es sollte über den Sinn nachgedacht werden, Staatsanlehen bzw. deren Zinsniveau mit dem "normalen" Kapitalmarkt zusammenzufassen.

Vom System her betrachtet wäre es klarer, wenn die Staaten sich bei der EZB verschulden und die EZB die Stasten finanziert. Das würde zumindest die unehrlichen Tricksereien des Herrn Draghi nebst seiner Gehilfen ehrlicher gestalten.

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