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27.03.2006

07:00 Uhr

Zu irrationalen Anlageentscheidungen

Der Montag danach

VonC. SCHNELL

Montag ist ein Misttag, Montag ist kein Tag, Montag ist nur eine helle Nacht“ schallte es Anfang der Achtziger von den Dual-Plattenspielern in der alten Bundesrepublik. Die etwas schräge Lyrik dieser Worte der damals bekannten holländische Band Bots deckt sich mit dem, was viele Anleger auch heute noch zu Wochenbeginn empfinden.

FRANKFURT. Denn dass in den letzten 25 Jahren vor allem am Montag an der Börse Geld verloren worden ist, ist statistisch bewiesen. 0,02 Prozent Minus waren es in den Jahren 1980 bis 2005 im Deutschen Aktienindex (Dax), gar 0,03 Prozent bei den mittelgroßen Werten im MDax, hat der Lehrstuhl Bank- und Finanzmanagement der European Business School (EBS) herausgefunden.

Und das schlimmste daran: Besonders stark bergab ging es am Tag nach der Zeitumstellung, also quasi heute. Hier schaffte der Dax zwar der Dax, wo oft Maschinen, denen das um eine Stunde vorgezogene Aufstehen nichts ausmacht am Werk sind, im Durchschnitt ein Plus von 0,05 Prozent. Im MDax, wo viele Privatanleger unterwegs sind, gingen die Kurse jedoch mit 0,10 Prozent dreimal stärker zurück als an einem normalen Montag. Damit decken sich die Kursverluste mit der Zahl der Autounfälle, die am Montag danach ebenfalls signifikant höher ausfallen.

Ist es nun Müdigkeit, Unkonzentriertheit oder die Tatsache, dass der Investor aus seinem inneren Zeitrhythmus herausgerissen ist, die zu völlig irrationalen Anlageentscheidungen führt? Vor allem Lufttemperatur, Mentalität und Lebensweise sind Schuld, haben die Experten heraus gefunden. So entspricht es einem gängigen Klischee, dass der Südeuropäer gerne mal abends länger weg bleibt, dafür morgens länger schläft und gegen Mittag auch noch mal ein Nickerchen einlegt.

Die Zeitumstellung tangiert ihn so bei seinen Anlageentscheidungen quasi überhaupt nicht. Je weiter es nach Norden geht, umso drastischer fallen hingegen die Konsequenzen der Zeitumstellung auf die Kursentwicklung am Montag danach aus. Besonders heftig wird es deshalb heute wieder an den nordeuropäischen Märkten zugehen, die zusätzlich zu Schnee, Kälte und Dunkelheit dann auch noch mit deutlichen Kursverlusten zu kämpfen haben. Nun hatten wir ja in diesem Jahr auch in Deutschland einen ungewöhnlich kalten, lang anhaltenden Winter. Skandinavien lag uns vier Monate lang in vielerlei Beziehung näher als Sizilien. Die Konsequenz für den heutigen Handel kann also nur lauten, dass Dax-Werte gerade so mit einem blauen Auge davon kommen, während MDax-Aktien einen ganz schweren Stand haben dürften.

Wer also auf der sicheren Seite sein möchte, der wähle heute die sizilianische Variante: Länger weg bleiben, länger schlafen und eine ausgedehnte Mittagspause. Oder er ignoriert die Zeitumstellung einfach. Auf jeden Fall wird es ein reichlich unausgeschlafener Handelstag.

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