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01.04.2011

13:31 Uhr

Zugang zu Kapitalmarkt bleibt

Portugal findet Käufer für Anleihe

Dem hochverschuldeten Portugal haben heute Investoren noch einmal über 1,6 Milliarden Euro geliehen. Das Finanzministerium kündigte an, man wolle versuchen, sich weiter über den Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Demonstration in Lissabon: Portugiesen protestieren gegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Quelle: Reuters

Demonstration in Lissabon: Portugiesen protestieren gegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

LissabonPortugal hat es am Freitag trotz seiner finanziell angeschlagenen Lage geschafft, Käufer für Anleihen über 1,645 Milliarden Euro zu finden. Bei der Emission handelte es sich um eine Aufstockung einer bestehenden Anleihe mit einer Laufzeit bis Juni 2012. Allerdings musste das Land erneut tiefer in die Tasche greifen und Investoren eine Rendite von 5,8 Prozent bieten. Bei der vorherigen Auktion im Juli 2010 lag die Rendite lediglich bei 3,159 Prozent, wie die Finanzagentur in Lissabon mitteilte.

Positiv für Portugal war aber, dass die Anleihe 1,4-fach überzeichnet war. Das Land entschloss sich deshalb, mehr Geld statt der ursprünglich geplanten 1,5 Milliarden Euro einzunehmen. Auf das Geld ist die Regierung von Ministerpräsident Jose Socrates dringend angewiesen: Am 15. April muss sie Schulden von 4,5 Milliarden Euro tilgen, im Juni sind weitere 4,9 Milliarden Euro fällig. "Nach dieser erfolgreichen Auktion lässt die Sorge ein wenig nach, dass die Schuldenrückzahlung in den kommenden Monaten ausgesetzt werden muss", sagte Analyst Orlando Green von Credit Agricole.

Geldgeber verlangen Risikoaufschlag

Portugal versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass es wie Griechenland und Irland internationale Hilfe annehmen muss. Die Überzeichnungsquote für die einjährigen Papiere lag jedoch deutlich unter der Quote von 2,3, die bei der Auktion am 14. Juli verzeichnet wurde.

Die Geldgeber verlangten einen Risikoaufschlag, nachdem die Ratingagentur S&P die Bonität des Landes in dieser Woche gesenkt hat und nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau bewertet. Verschärft wird die Schuldenkrise noch durch die innenpolitische Misere: Im Juni kommt es zu Neuwahlen. Denn die von Socrates angeführte Minderheitsregierung ist nur noch geschäftsführend im Amt. Socrates war zurückgetreten, weil er nicht die notwendigen Stimmen aus der Opposition für neue Sparmaßnahmen zusammenbekam. "Das heutige Ergebnis wird sicher das Vertrauen stärken, dass sich der Staat bis zur Vereidigung einer neuen Regierung finanzieren kann", sagte Analyst Richard McGuire von der Rabobank. "Aber das ändert nichts daran, dass das Land praktisch pleite ist." Die Zinskosten seien so hoch, dass sie nur durch neue Schulden gedeckt werden könnten. "Das ist ein Schneeballeffekt." Bislang weigert sich die Regierung beharrlich, die bereitstehenden Milliardenhilfen von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) anzunehmen. Sie müsste im Gegenzug noch härtere Sparmaßnahmen verabschieden. In Griechenland, das als erstes Euro-Land Hilfe von außen angenommen hat, löste das soziale Unruhen aus. Die Neuverschuldung Portugals hatte 2010 gut einen Prozentpunkt über der angestrebten Zielmarke von 7,3 Prozent gelegen.

Das portugiesische Finanzministerium sprach von einem "guten Resultat", da das Land den Investoren für die aufgestockte Anleihe weniger zahlen mussten als die Rendite der Anleihe im Sekundärmarkt (rund 6,4 Prozent). Das Ministerium kündigte an, man werde sich auch in Zukunft bemühen, Staatsanleihen am Kapitalmarkt zu platzieren.

Wie die Behörden mitteilten, fand die Auktion auf "besonderen Wunsch" statt. Medienberichten zufolge hatte Portugal schon vor der Bekanntgabe der Auktion Käufer gefunden, möglicherweise aus Brasilien und China. Diese Länder hatten angedeutet, dass sie Portugal unterstützen wollten. Insgesamt muss Portugal in diesem Jahr 20 Milliarden Euro aufbringen, um die Finanzierung aufrecht zu erhalten. Ein Drittel davon soll schon gesichert sein.

Wegen der außerplanmäßigen Emission geriet die Rendite von zehnjährigen portugiesischen Anleihen unter Druck und zog um sieben Basispunkte auf 8,47 Prozent an - den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Die Rendite für fünfjährige Anleihen lag bei 9,7 Prozent.

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