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11.02.2016

12:11 Uhr

Börsen auf Talfahrt

Schwach, schwächer, Dax

Die Kurserholung war nur ein Strohfeuer, der Dax hat seine Talfahrt wieder aufgenommen. Seit Jahresbeginn hat er 16 Prozent verloren, deutlich mehr als andere europäische Indizes. Es könnte noch schlimmer kommen.

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Wird das Börsenjahr 2016 so dramatisch wie 2008?

Handelsblatt in 99 Sekunden: Wird das Börsenjahr 2016 so dramatisch wie 2008?

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DüsseldorfWer am Mittwoch aufgeatmet hat und dachte, das Schlimmste hätten Dax-Anleger hinter sich, wurde bitter enttäuscht. Die eintägige Erholung war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein – und ist verpufft. Am heutigen Donnerstag schmiert der Index ab – schon wieder. Um 280 Punkte oder fast drei Prozent ging es zwischenzeitlich abwärts. Der Dax notiert am Mittag unter der Marke von 8800 Punkten.

Seit Jahresbeginn haben die deutschen Standardwerte damit rund 16 Prozent verloren – ein rabenschwarzer Jahresauftakt. Damit ist der Dax weltweit der Index mit der schlechtesten Entwicklung. Die Kursverluste in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz waren mit bis zu sieben Prozent deutlich geringer. Raus aus deutschen Aktien, scheint die Devise zu lauten. Investoren ziehen so stark Gelder aus börsengehandelten Fonds ab, die deutsche Aktien nachbilden, wie seit August nicht mehr.

Frankfurter Börse: Dax schließt so tief wie im Oktober 2014

Frankfurter Börse

Dax schließt so tief wie im Oktober 2014

An den europäischen Märkten dominieren Verluste den Handelstag. Vor allem Bankenaktien stehen unter Druck. Im Dax heißen die Tagesverlierer Deutsche Bank und Commerzbank. Nur eine Aktie legt zu.

Spekulationen über die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank schickten in dieser Woche nicht nur Bankaktionäre auf eine emotionale Berg-und-Talfahrt. Als ob die Sorgen um die sich abschwächende Weltwirtschaft nicht genug gewesen wären. Und die sind längst nicht verschwunden. Aufgrund der engen Wirtschaftsbeziehungen zu China – immerhin größter Handelspartner außerhalb Europas – hat Deutschland mehr zu verlieren als andere in der Region. Autohersteller wie BMW, Volkswagen und Daimler sind dieses Jahr bereits mehr als 23 Prozent abgerutscht. Grund ist die nachlassende Nachfrage im Reich der Mitte.

„Öl und China sind noch immer ein Brandherd und bieten Grund zur Sorge, doch es gilt jetzt größere Brände zu beobachten und die Deutsche Bank ist nur einer davon“, sagte Alex Neil, Leiter Aktien- und Derivatehandel von EFG Bank in Genf. „Welchen Teil der Weltwirtschaft man in den nächsten paar Monaten auch betrachtet, es gibt immer attraktivere Märkte als Deutschland.“

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Zwar ist nur etwa ein Dutzend der 93 Aktienindizes, die Bloomberg verfolgt, in diesem Jahr gestiegen, Deutschland sticht aber mit dem Ausmaß seiner Verluste hervor. Keines der 30 Dax-Mitglieder kann im bisherigen Jahresverlauf einen Kursgewinn vorweisen, dabei waren deutsche Aktien 2015 noch die Lieblinge der Anleger gewesen. Der Kursrutsch ist extrem, und hat nicht erst zum Jahresbeginn eingesetzt. Der Dax schloss am Mittwoch 27 Prozent unter seinem Hoch vom April.

Kommentare (13)

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Herr Jürgen Dannenberg

11.02.2016, 12:20 Uhr

Schwach, schwächer, Dax!!!
UND?
Halt eine Flurbereinigung. Bei 5000-6000wird die Talfahrt wohl beendet sein. Aber warum die Bankaktien so tief fallen, ist mir ein Rätsel. Ich nehme an das, dass an Index Software liegt. Mitgefangen mit gehangen.

Herr Percy Stuart

11.02.2016, 12:28 Uhr

„Die Industrieproduktion in den USA ist schon im Keller, die Dienstleistungsbranche wird folgen — immerhin entwickelten sich beide Indizes bislang immer parallel. Erwischen wird es auch Länder wie Spanien, deren Wirtschaft gerade (noch) sehr gut läuft. Ungleichgewichte entstanden, da die Notenbanken die Zinsen zu lange niedrige hielten und so eine „Kredit-Blase“ provozierten. Durch den starken Dollar verbilligen sich Importe in die USA. Das drückt die Inflation und könnte sogar eine Deflation auslösen. Das alles nagt an den Profiten von „Corporate America“. US-Firmen haben in den letzten Jahren wenig Augenmerk auf ihre Ausgaben gelegt und mehr investiert oder an Aktionäre ausgeschüttet, als sie einnahmen. Sie borgten sich auch Kapital, um Aktien zurückzukaufen: Damit wird der Preis der Wertpapiere künstlich hoch gehalten. Die Verschuldung der Firmen erreichte deshalb Rekordwerte. Das verleite immer öfter Firmenchefs zu fragwürdigem Verhalten: Viele unterliegen der Verlockung und polieren ihre Bilanz auf. Unternehmen, die ihre Investoren in die Irre führten, werden jedoch laut Edwards bald auffliegen. Unterdessen tragen chinesische Firmen ihre Dollar-Darlehen ab, bevor sie wegen des steigenden Kurses zu teuer werden. Während China nach einer neuen ökonomischen Balance sucht, stürzen die Währungen in den Schwellenländern ab. Anleger, die mit den Schulden der Schwellenländer Spekulationsgeschäfte machten, geraten unter die Räder. Einer dieser Fonds von Morgan Stanley hat die Hälfte an Wert verloren. Die Verluste könnten riesig sein: Nachfolgend sind die ausstehenden Investments von Banken in Schwellenländern beziffert. Die Frage: Stehen die Banken einen Totalverlust überhaupt durch?“ (Quelle / Zitate: Albert Edwards / http://www.businessinsider.de/albert-edwards-prophezeit-den-finanzkollaps-2016-1)

Herr Percy Stuart

11.02.2016, 12:28 Uhr

Liabilties to BIS Reporting Banks (Consolidated) (US$bn):

Argentina: US$ 14bn, Belarus:US$ 4bn, Brazil: US$ 252bn, Bulgaria US$ 17bn, China: US$ 943bn, Chile: US$ 44bn, Columbia: US$ 25bn, Croatia: US$ 39bn, Georgia: US$ 1bn, Hungary: US$ 34bn, India: US$ 216bn, Indonesia: US$ 114bn, Korea: US$ 184bn, Malaysia: US$ 69bn, Mexico: US$ 4139bn, Peru: US$ 44bn, Philippines: US$ 28bn, Poland: US$ 108bn, Russia: US$ 115bn, Thailand: US$ 51bn, Turkey: US$ 163bn, Uruguay: US$ 15bn, Venezuela: US$ 12bn

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