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20.09.2012

12:28 Uhr

Börsen

Wer den Strom teurer macht

VonJulia Rotenberger

Sie gelten als der Platz, an dem der Preis für Strom ausgehandelt wird: Die Strombörsen in Leipzig, Oslo und Paris. Die Energiewende hat das Geschäft beschleunigt. Verbraucher spüren davon wenig, bisher jedenfalls.

Ein Mitarbeiter an der Leipziger Energiebörse. Die EEX zählt zu den wichtigsten Energiehandelsplätzen für den Terminhandel in Europa. Kontrakte für den laufenden sowie den nächsten Tag werden dagegen an der EPEX Spot in Paris geschlossen. dpa

Ein Mitarbeiter an der Leipziger Energiebörse. Die EEX zählt zu den wichtigsten Energiehandelsplätzen für den Terminhandel in Europa. Kontrakte für den laufenden sowie den nächsten Tag werden dagegen an der EPEX Spot in Paris geschlossen.

DüsseldorfLicht ausschalten, die Elektroheizung ausstellen, den Wasserkocher seltener anschmeißen – es gibt viele Wege, seine Stromrechnung zu drücken. Meist führen sie über persönlichen Verzicht oder den Stromanbieter-Wechsel.

Doch wie sehr sich jemand auch bemüht, eines ist nicht zu beeinflussen: Der Preis, zu dem die Anbieter selbst ihren Strom einkaufen. Und der macht immerhin knapp ein Viertel der Stromkosten aus, die Kunden am Ende auf ihrer Stromrechnung finden. Den Rest bilden die EEG-Umlage, Steuern und Kosten für den Netzbetrieb.

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Wer aber bestimmt, ob der Einkaufspreis für Strom nun sinkt oder steigt? Da gibt es zunächst die Börsen: Sie heißen EEX, EPEX, Belpex, Omel oder Nord Pool – europaweit gibt es mehr als zwanzig Energiebörsen, auf denen täglich mit Kohle, Gas, Emissionsrechten und eben auch mit Strom gehandelt wird.

Etwa ein Fünftel des gesamten Stromhandelsvolumens wird über sie abgewickelt. Der Rest läuft wesentlich direkter. Im sogenannten OTC-Handel übernimmt ein Broker die Funktion der Börse und vermittelt Geschäfte zwischen Verkäufern und Abnehmern für Strom.

Höhere Netzentgelte treiben Strompreis nach oben

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Gut ein Drittel machen Energiebeschaffung und Vertrieb aus, heißt es im Monitoringbericht 2011 der Bundesnetzagentur. Die Steuern liegen derzeit bei 25 Prozent, hinzu kommen die Umlage des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und weitere staatliche Abgaben (zusammen 16 Prozent). Das Netto-Netzentgelt macht 21 Prozent aus, plus Kosten für Abrechnung und Messungen (3 Prozent). Im Jahr 2011 kostete eine Kilowattstunde den Haushaltskunden 25,45 Cent, knapp zwei Cent mehr als ein Jahr zuvor. 2006 lag der Preis noch bei 18,93 Cent.

Was genau sind denn Netzentgelte?

Hinter dem Begriff Netzentgelte verbergen sich die Kosten für den Transport und die Verteilung des Stroms. Die für die Genehmigung zuständige Bundesnetzagentur geht in den jetzt bekanntgewordenen Hochrechnungen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Hauptursache ist der teure Ausbau der Netze, um sie besser auf den Transport von Strom aus erneuerbaren Energieb auszurichten. Die Netzentgelte machen zusammengenommen heute bereits rund ein Viertel des Strompreises aus. Sie werden von den Verbrauchern beziehungsweise den Stromlieferanten an die Netzbetreiber gezahlt.

Kann man sich von den Netzentgelten befreien lassen?

Seit August gilt die neue Stromnetzentgeltverordnung. Paragraf 19 befreit Unternehmen mit einem hohen Verbrauch fast komplett von den Netzgebühren - und das rückwirkend für das laufende Jahr. Unternehmen, die mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen und mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, müssen gar keine Netzentgelte mehr zahlen. Ab einem Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr sinken die Netzkosten bereits so deutlich, dass tausende Unternehmen nicht wie die Verbraucher den vollen Preis zahlen müssen. Mehr als 1600 Unternehmen - darunter auch aus dem Lebensmittelhandel, Hotels und Gaststätten - haben laut Bundesnetzagentur bereits einen Antrag auf Ermäßigung gestellt. Die Behörde erwartet, dass die Rabatte zusammengerechnet mehr als 400 Millionen Euro ausmachen werden. Der Betrag wird auf alle übrigen Stromkunden umgelegt.

Warum gibt es diese Rabattangebote?

Dass die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig sein müsse, sei völlig klar, meint Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Dass aber nun auch Hotels und Gaststätten davon profitieren, könne er nicht nachvollziehen. Da sei im vergangenen Jahr etwas „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Kann man sich durch langfristige Verträge schützen?

Das komme auf das Kleingedruckte im Vertrag an, sagt Sieverding. Allgemein rät er, sich zu informieren und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Nicht alle gäben solche Preisentwicklungen sofort an die Kunden weiter.

Der Börsenpreis ist wichtig: Ähnlich wie beim Börsenpreis für das Öl gibt er am Energiemarkt den Ton an. Doch im Unterschied zu Rohstoffen wie Öl, Getreide oder Metalle kann Strom nicht gespeichert werden – er wird dann produziert, wenn er gebraucht wird. Für Stromanbieter übernimmt die Energiebörse neben der Preisfindung deshalb eine weitere Funktion: Risikomanagement.

Kommentare (5)

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HofmannM

20.09.2012, 13:34 Uhr

Die Strombörse ist eine reine Alibibörse der Ökosozialisten. Diese Börse spiegelt nicht die Realität wieder. In der Realität ist der Strom nur dann billig, wenn er über der Nachfrage liegt. So zu sagen, wenn massenhaft (zur Mittagszeit im Sommer bei wolkenlosen Himmel) Strom produziert wird aber es dafür zu diesem Zeitpunkt (Mittags) keine hohe Nachfrage gibt. Dann rauscht der Strompreis in den Keller, weil er eben massenhaft zur Verfügung steht und keine Abnehmer findet. Aber da der Strom kein Speichergut ist (oder nur im geringen Umfang weil zu wenig Speicher und zu unwirtschaftlich wegen hohen Stromverlusten beim Speichern) muss er dann, wenn er keine Abnehmer findet, zu Schleuderpreisen, aus den Netzen von den EE-Produzenten, ins Ausland oder ins Nirvana verschenkt bzw. abgeleitet/vernichtet werden. So schaut die Wahrheit aus!

Account gelöscht!

20.09.2012, 14:59 Uhr

Ja,die Ökosozialisten sind Schuld.
So schließt eure Reihen,ihr Neoliberalen und haltet fest euer Geld,denn jetzt kommen sie euch holen!!!
Buh!

Account gelöscht!

20.09.2012, 15:01 Uhr

@ HofmannM

Da ich EON nicht als Ökoszialist sehe, ist die Strombörse eher eine zusaätzliche Einnahmequelle der Energiekonzerne. Künftig, wenn die Rohstoffkosten bei EE Null sein werden, zahlt der Verbraucher dies als Zusatzgewinne der Konzerne an den Börsen!

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