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13.07.2015

12:26 Uhr

Börsencrash China

Mobius hält China-Aktien noch für zu teuer

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht: Selbst nach der deutlichen Korrektur am chinesischen Aktienmarkt seien die Aktien weiterhin zu teuer: Das prognostizieren Black-Rock, UBS und Emerging-Markets-Experte Mark Mobius.

Mobius gilt als prominentester Börsenexperte für Asien. Reuters

Mark Mobius in Hongkong

Mobius gilt als prominentester Börsenexperte für Asien.

HongkongChinesische Aktien sind stärker als andere Aktien rund um den Globus gefallen. Erstmals seit 2012 sind sie wieder in einen Bärenmarkt abgerutscht und haben in einem Monat mehr Wert vernichtet als das Jahres-Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens. Ist nach all diesen Verlusten nun der Zeitpunkt gekommen, auf Schnäppchenjagd zu gehen?

Noch nicht, so Black-Rock, UBS und Mark Mobius von Templeton Emerging Markets Group. Sie prognostizieren, dass die Festlandsaktien noch weiter fallen müssen, bevor sich Käufe lohnen. Selbst nach dem Ausverkauf liegt der chinesische Shanghai Composite Index 89 Prozent über dem Stand von vor 12 Monaten.

Die Bewertung der Benchmark ist 50 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt, wobei das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis an den chinesischen Börsen das Höchste unter den zehn größten Märkten ist. Da die Kurse von mehr als 1300 Festlandsaktien durch Handelsstops eingefroren sind, dürften die Kurse den Verkaufsdruck vom vergangenen Monat nicht voll widerspiegeln.

„Die Bewertungen sind immer noch doppelt so hoch wie im vergangenen Sommer“, sagte Russ Koesterich, weltweiter Chef-Anlagestratege bei Black-Rock, am 10. Juli in einem Interview mit Bloomberg Television. „Angesichts des Ausmaßes der Rally ist es möglich, dass wir selbst nach einer Korrektur von 30 Prozent noch nicht wieder in die Nähe eines fairen Wertes gekommen sind.“

Die Vita von Mark Mobius

Mark Mobius - Vita

Der Manager Mark Mobius verantwortet als Schwellenländerchef gut 40 Milliarden Dollar Fondsvermögen.

Born in the USA

Der 1936 in Hempstead nahe New York City geborene Sohn einer Puertorikanerin und eines Deutschen sucht von Singapur und Hongkong aus attraktive Aktien in aufstrebenden Ländern.

Fondsmanager

1987 holte Templeton-Gründer John Templeton den promovierten Ökonomen in seine Firma.

Vermögensverwalter

Das US-Unternehmen Franklin Templeton mit Hauptsitz in San Mateo, Kalifornien, gehört mit einem Vermögen von knapp 895 Milliarden US-Dollar von institutionellen und privaten Kunden zu den zwanzig größten Fondshäusern der Welt.

Der Shanghai Composite stieg am Montag um 2,4 Prozent auf 3970,39 Punkte. Die vier folgenden Indizes zeigen, wo sich die chinesischen Bewertungen zu Börsenschluss am Freitag befanden.

Shanghai Composite
Der chinesische Benchmark-Index wird etwa zum 20-Fachen des Gewinns der vergangenen 12 Monate gehandelt. Zwar ist das niedriger als der Wert von 26 zum Höhepunkt der Rally Mitte Juni, liegt aber erheblich über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt von 13,4, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. „Sie sind weiter teuer“, sagt Wenjie Lu, Stratege bei UBS in Shanghai. „Das Abwärtsrisiko für A-Aktien ist weiterhin groß.“

Median-Bewertung
Angesichts der starken Gewichtung niedrig gepreister Bankaktien in den chinesischen Aktienindizes schauen einige Analysten lieber auf das mediane Kurs-Gewinn-Verhältnis. In China lag dieses am Freitag bei 57, verglichen mit 19 für den US-Index Standard & Poor's 500, 16 in Großbritannien und 13 in Hongkong.

Small-Cap Index
Chinas kleinere Aktien, von denen einige die stärksten Gewinne während der Hausse verzeichneten, werden immer noch zu einem KGV gehandelt, das 45 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt. Die Benchmark ChiNext Index ist zum 81-Fachen vom Gewinn bewertet, verglichen mit 50 beim Russell 2000 Index in den USA.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Globaler relativer Wert
Der Shanghai Composite wird mit einem Aufschlag von 12 Prozent gegenüber dem MSCI All-Country World Index gehandelt, verglichen mit einem durchschnittlichen Abschlag von 14 Prozent in den vergangenen fünf Jahren.

„Wir investieren zwar bereits in China. Unsere Strategie besteht aber darin, zu warten, bis die Kurse so attraktiv sind, dass wir wieder nach langfristigen Chancen Ausschau halten können“, schrieb Mobius, der Vorsitzende von Templeton Emerging Markets Group, in einem Bericht. „Wir glauben, dass dieser Punkt bei einigen Aktien bald erreicht ist, aber wir haben den Tiefpunkt noch nicht gesehen.“

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.07.2015, 16:57 Uhr

Eine zu große Menge an Unternehmen an den inländischen Börsen in China ist viel zu hoch bewertet - bis zu 140 fachem Gewinn.
So ist es selbstverständlich, daß der Zusammenbruch erfolgt - fragt sich nur, wann und wie weit es gen Süden geht.

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