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01.04.2006

10:00 Uhr

Börsengänge

Neue Aktien locken aufs Parkett

VonChristian Schnell

Privatanleger entdecken das Geschäft mit Börsengängen wieder für sich. Das Thema "Aktien-Neuemissionen" fasziniert die Anleger noch immer - trotz der Verluste, die sie teilweise noch aus der Zeit des Neuen Marktes in den Depots vor sich herschieben.

Besucher der Deutschen Börse in Frankfurt/Main (Foto: dpa)

Besucher der Deutschen Börse in Frankfurt/Main (Foto: dpa)

HB FRANKFURT. Im vergangenen Jahr griffen Privatanleger wieder verstärkt bei Börsenneulingen zu. Bei bis zu 25 Prozent lag ihr Anteil am gesamten Emissionsvolumen im vergangenen Jahr, nachdem dieser in den voran gegangenen Jahren regelmäßig im einstelligen Prozentbereich tendierte. Die Folge: Der Großteil der Emission ging damals an institutionelle Großanleger, die wegen ihrer starken Marktposition entsprechenden Druck auf die Preise ausübten.

Das wieder erwachte Interesse der Privatanleger hat auch dazu geführt, dass die Preise, die für Aktien der Börsenneulinge gezahlt werden müssen, angezogen haben. Emissionsberater wie Konrad Bösl von Schlecht & Partner in Münchener sprechen deshalb bereits davon, dass sich der Markt von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt gewandelt hat. Umso mehr kommt es für Anleger darauf an, ob die angebotene Aktie ihren Preis wert ist.

Paradebeispiel dafür ist die erste Emission dieses Jahres im Premiumsegment der Deutschen Börse, dem Prime Standard. Das schwäbische Technologieunternehmen Primion Technology, ein Anbieter von Zugangs- und Zeiterfassungssystemen, überzeugte vor dem Börsengang zwar mit Technik und Strategie. Über den Ausgabepreis von 14,50 Euro je Aktie gab es jedoch heftiges Gemurre unter den Großinvestoren. Zum einen störte der ansonsten übliche Preisabschlag bei der Bewertung, der bei Primion fehlte. Des weiteren rechnete sich das Unternehmen die zukünftigen Gewinnaussichten sehr rosig. Und zu guter Letzt floss auch noch die Hälfte des Emissionserlöses in die Taschen der Altaktionäre.

Die Folge: Die zu 14,50 Euro emittierte Aktie fiel schon an ersten Handelstag Mitte Februar unter den Ausgabepreis und tendiert heute bei knapp 13,90 Euro. Vom Zeichnungsgewinn, der sich bei vielen Gesellschaften im vergangenen Jahr erzielen ließ, keine Spur. Dabei sind Zeichnungsgewinne das Thema, das Privatanleger im Zusammenhang mit Neuemissionen am meisten fasziniert. Viele nutzten zuletzt die Gelegenheit auf einen schnellen Euro. Beispiel Conergy: Das Hamburger Solarunternehmen ging vor rund einem Jahr an die Börse, bei rund 20 Prozent lag der Anteil der Privatanleger.

Kaum ein Vierteljahr später waren es nur noch neun Prozent, berichtet Conergy-Vorstandschef Hans-Martin Rüter. Der Grund: Das zu 54 Euro ausgegebene Papiere schoss am ersten Handelstag auf 71 Euro. Anleger, die damals ausstiegen, dürften sich maßlos ärgern: Zuletzt notierte die Aktie auf einem Allzeithoch bei 146 Euro. Für Privatanleger kommt es also nicht nur auf einen vernünftigen Blick beim Zeichnen neuer Aktien - siehe Primion - an. Auch vor einem Verkauf sollte überlegt werden, wie die langfristig Wachstumsaussichten des Unternehmens und der Branche sind. Gerade bei Solar-Unternehmen waren sie im vergangenen Jahr so gut wie in keiner anderen Branche.

Weitere Kriterien für Privatanleger sollten die Größe des Unternehmens und das Börsensegment sein, in dem das Debüt stattfinden soll. "Prime Standard ja, Entry Standard nein" lautet hier die Devise, der sich selbst die Deutsche Börse anschließt. Die hat den Entry Standard für junge, aufstrebende Unternehmen zwar erst vor einem halben Jahr ins Leben gerufen, dabei aber stets darauf hingewiesen, dass sich das Segment wegen der geringen Transparenzanforderungen nur an informierte Großanleger wendet. Wer sich durch die teils immensen Kursgewinne, die manche Einzelwerte dort zuletzt verzeichneten, dennoch angezogen fühlt, der muss auch damit rechnen, dass das Pendel ebenso schnell zur anderen Seite ausschlägt.

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