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02.05.2012

17:43 Uhr

Börsenpsychologie

„Anleger, entspannt Euch!“

VonJessica Schwarzer

Gefühle haben an der Börse nichts zu suchen, weiß Andreas Fritsch. Trotzdem bestimmen Gier, Angst und Panik das Marktgeschehen. Der Experte für Anlegerverhalten erklärt, wie Investoren ihre Emotionen kontrollieren.

Der Mentaltrainer und Autor Andreas Fritsch: „Gier ist an der Börse kein guter Ratgeber“

Der Mentaltrainer und Autor Andreas Fritsch: „Gier ist an der Börse kein guter Ratgeber“

Herr Fritsch, der Börsenhai Gordon Gekko sagt im Filmklassiker „Wall Street“: „Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert“. Sollten Anleger gieriger sein?

Bloß nicht. Gier ist an der Börse kein guter Ratgeber. Wer gierig ist, der handelt nicht mehr rational. Und das ist nie gut.

Sind nur rationale Anleger erfolgreich?

Auf jeden Fall sind sie erfolgreicher, denn sie schalten ihre Emotionen aus und handeln überlegter. Gier, Euphorie, Angst und Panik haben an der Börse nichts zu suchen. Doch das ist nur die Theorie. In der Praxis besteht die Börse zu 80 Prozent aus Emotionen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Aber viele Anleger analysieren doch die Unternehmen, in die sie investieren sehr genau …

… und verkaufen dann panikartig ihre Aktien, sobald es auch nur eine schlechte Nachricht gibt. Jede negative Meldung löst unglaublichen Stress aus, der schnell in Panik umschlagen kann. Dann wird nur noch emotional gehandelt.  

Der österreichische Kabarettist Karl Farkas hat einmal gesagt: „Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen.“

Das stimmt. Vor allem Privatanleger, aber auch Profis handeln oft hochemotional und treffen dann übereilte und oft auch falsche Entscheidungen. Langfristige Strategien zählen dann nicht mehr. Die Gründe, warum beispielsweise eine Aktie ursprünglich gekauft wurde, sind vergessen.

Börsenpsychologie: Wenn Gier das Hirn von Börsianern frisst

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Wenn Gier das Hirn von Börsianern frisst

Die Psyche bestimmt die Börse weit mehr als wir denken. Denn beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen. Warum sich Anleger meist von Emotionen leiten lassen, und was Börsianer mit Reptilien gemeinsam haben.

Können Anleger lernen, diese Emotionen auszublenden?

Natürlich, und das ist auch gar nicht so schwierig. Wichtig ist vor allem, nach einem genauen Plan zu handeln. Anleger sollten sich in stressfreien Zeiten intensiv über ihre Strategie Gedanken machen und ihre Ziele klar definieren. Dazu gehört auch, für verschiedene Anlagehorizonte die entsprechenden Instrumente, also beispielsweise Aktien, Anleihen, Fonds oder Zertifikate, festzulegen.

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