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21.04.2015

16:36 Uhr

Börsenpsychologie

Warum die beste Strategie Anleger verzweifeln lässt

VonJessica Schwarzer

Nicht nur in turbulenten Zeiten hinterfragen Investoren ihre Strategie. Selbst die besten Vorsätze werden über Bord gekippt, wenn sie einmal im Jahr ihr Depot an die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklassen anpassen.

Verkaufen oder halten?

Börsenpsychologie

Verkaufen oder halten?

DüsseldorfDie Strategie steht: 70 Prozent der Anlagesumme fließen in Aktien, 30 Prozent in Anleihen. Verteilt wird das Kapital auf unterschiedliche Länder oder Regionen, kombiniert mit Börsenzwergen (sogenannten Small Caps) und riskanteren Hochzinsanleihen für den Renditekick. So weit, so gut.

Doch Aktien- und Anleihekurse verändern sind – und mit ihnen die Anteile der jeweiligen Anlageklasse und Einzelpositionen im Depot. Von der Strategie ist nicht mehr viel übrig. Die Lösung ist eine regelmäßige Anpassung an die ursprünglich gewünschte Gewichtung – Rebalancing im Börsendeutsch.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Doch so einfach, wie es klingt, ist das nicht. Anleger scheitern dabei nämlich regelmäßig an ihrer Psyche. Wer verkauft schon gerne Gewinner und investiert das frei gewordene Kapital dann in die schlechter gelaufene Anlageklasse, in die Verlierer sozusagen?
Wer das aber nicht tut, der schmeißt unweigerlich seine Anlagestrategie über den Haufen. Denn die funktioniert natürlich nur, wenn man sich auch an sie hält. Wer in regelmäßigen Abständen gut gelaufene Investments abbaut und schlecht gelaufene ins Depot holt, der investiert antizyklisch. Und das ist für viele Experten ein Erfolgskonzept.

Billig kaufen, teuer verkaufen eben. „Emotional ist ein solches antizyklisches Investieren für viele Kunden schwierig, da es nicht leicht fällt, einen Gewinner zu reduzieren und gleichzeitig einen Verlierer aufzustocken“, sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA).

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