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14.02.2012

15:31 Uhr

Börsenstrategie

Haben Kostolanys Weisheiten ausgedient?

VonJessica Schwarzer

Aktien kaufen und dann liegenlassen, das gilt heute fast schon als hochriskant. Der legendäre Börsianer André Kostolany war ein Verfechter dieser Strategie. Aber gilt die alte Strategie „Buy and Hold“ heute noch?

Der in Ungarn geborene Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany dpa

Der in Ungarn geborene Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany

DüsseldorfDie Turbulenzen an den Börsen sind nichts für schwache Nerven. Auf fast schon panikartige Verkäufe folgen hektische Käufe und anders herum. Der Dax rauschte im vergangenen Jahr von knapp 7500 unter 5000 Punkte. Kursschwankungen von fünf und mehr Prozent an einem Börsentag waren keine Seltenheit. Mittlerweile geht es fast genauso schnell wieder aufwärts, seit Jahresbeginn hat der Dax fast 900 Punkte zugelegt – Börse extrem. Was gelten in solchen Zeiten noch die alten Börsenweisheiten?

Die wohl bekannteste Börsenstrategie ist „Buy and Hold“, zu deutsch „Kaufen und liegenlassen“. Als einer ihrer Väter gilt der Börsenaltmeister André Kostolanys. Sein berühmtester Ratschlag war wohl, in die Apotheke zu gehen, Schlaftabletten zu kaufen, einzunehmen, dann einige internationale Standardwerte zu kaufen und ein paar Jahre zu schlafen. Wer diesen Rat des Börsenaltmeisters befolgte, sollte eine angenehme Überraschung erleben – nämliche satte Kursgewinne.

In den Börsenturbulenzen der vergangenen Monate wurde immer wieder Kritik laut an dieser so unkomplizierten Regel. „Die Strategie „Buy & Hold“ hat ausgedient“, sagt beispielsweise Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders, Ende November im Interview mit Handelsblatt Online. „Die Welt dreht sich weiter. Es wandelt sich alles viel zu schnell, um ein Portfolio zusammenzustellen und dann für zehn oder zwanzig Jahre liegen zu lassen.“

Die Favoriten von heute sind nicht zwangsläufig die Favoriten von morgen. Küssner verweist beispielsweise auf den Dax, dessen Zusammensetzung heute völlig anders aussehe als noch in den 80er-Jahren. „Die Favoriten wechseln“, meint er. Das sieht Götz Albert ähnlich. „Eine reine Buy-and-Hold-Strategie ist nicht ratsam“, sagt der Partner bei der Fondsgesellschaft Lupus Alpha und Spezialist für Small & Mid Caps. „Wenn man ein statisches Portfolio zehn Jahre unverändert lässt und nicht behutsam an die sich sehr schnell ändernde Welt anpassen kann, ist Buy and Hold eine gefährliche Strategie.“ Den dann hänge der Erfolg sehr davon ab, wann das Portfolio aufgesetzt worden sei und mit welchen Schwerpunkt. „Hätte man im Oktober 1999 ein Aktienportfolio mit Technologie- und vor allem Internetwerten aufgesetzt, hätte man bis März 2000 eine gute Zeit gehabt; danach dann leider zehn schlechte Jahre.“

Das trifft nicht nur für Einzelwerte zu. Beispiel Dax: Die „verlorene Dekade“ zu Anfang des Jahrtausends, die die deutschen Standardwerte negativ abschlossen, wird gerne gegen Buy and Hold ins Feld geführt. Doch eine solche Betrachtung  ist stichtagbezogen. Denn in den vergangenen zehn Jahren hat der Dax 38 Prozent zugelegt. Wer also zwei Jahre später eingestiegen ist, hat die „besseren Jahre“ erwischt. Auf Sicht von 15 Jahren hat der Dax übrigens 119 Prozent gewonnen. Und in den vergangenen 20 Jahren hat sich der Kurs des Standardwerte-Barometers sogar fast verdreifacht. Ähnlich sieht es bei den amerikanischen Standardwerten aus.

 

Kommentare (20)

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Sapere_aude

14.02.2012, 15:55 Uhr

Wer das Börsengeschäft ohne eigene Überzeugungen, sondern nach der "Lehre" oder gar nach "Lehrbuch" betreibt, der hat nicht verstanden, worum es dabei geht.

Der ganze Artikel ist in dieser Hinsicht ein öffentliches Armutszeugnis der Redaktion und ein weiteres Indiz dafür, dass das Handelsblatt seine besten Zeiten hinter sich hat.

Stoffel

14.02.2012, 16:05 Uhr

"Es muss sich um ein breit diversifiziertes und globales Portfolio aus Qualitätsaktien handeln."

Wer diese Strategie anwendet wird nach einiger Zeit für seine Geduld belohnt werden. Kleiner zusätzlicher Tipp:
Setzen eines Stop-Loss-Limits (z.B. 5%-10% unter dem GD200) um sehr starken Abwärtstrends zu entgehen. Erfordert zwar etwas mehr Anpassungsarbeit, aber es lohnt sich!

Account gelöscht!

14.02.2012, 16:26 Uhr

Was Aktien heutzutage angeht, so kann man keiner echten Strategie mehr tatsächlich folgen. Wer behauptet er könne Entwicklungen ziemlich sicher einschätzen, der mag teilweise Recht haben aber nur teilweise denn Aktien sind absolut keinerlei Sachwerte. Es genügt dass ein Volltrottel ein Gerücht fruchtbar in die Welt setzt und die Aktie stürzt ab obwohl im Unternhmen genau der selbe Zustand herrscht wie gestern. Mit echten Werten handeln oder gar anlegen hat das gar nichts mehr zu tun. Das ist virtuelles Roulette.

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