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11.01.2012

20:28 Uhr

Börsenstrategien

Die Besonderheiten von 2012

VonChristian Schnell

Börsianer setzen zu Jahresbeginn gern auf die Verlierer des Vorjahres, weil sie glauben, dass diese Aktien Nachhochbedarf haben. Warum diese Strategien diesmal nicht aufgehen könnten.

Ein Wertpapierhändler am Parketthandel der Deutschen Boerse in Frankfurt am Main. dapd

Ein Wertpapierhändler am Parketthandel der Deutschen Boerse in Frankfurt am Main.

FrankfurtManch Börsianer fühlt sich regelmäßig zu Jahresanfang an den bekannten Bibelspruch erinnert, wonach die Letzten die Ersten sein werden und die Ersten die Letzten. Einem Automatismus gleich stürzen sich Anleger stets zu Jahresbeginn auf Aktien, die im Vorjahr am meisten gelitten haben. Umgekehrt werden die abgestoßen, die zuvor gefragt waren. Vom sogenannten Januareffekt - einer der großen Kapitalmarktanomalien - spricht deshalb die Wissenschaft schon seit langem.

Ginge das auch diesmal so, dann wäre die Konsequenz für den Dax ziemlich eindeutig. Weil im Börsenjahr 2011 nur sieben der 30 Titel mit einem Plus abgeschnitten haben, wäre der Nachholbedarf groß. 23 Aktien müssten steigen. Von dieser Eindeutigkeit ist der Markt nach den ersten Handelstagen trotz positivem Jahresstart noch eine ganze Ecke entfernt. Auch wenn der Dax sogleich die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten genommen hat, warnen Analysten wie Jan Gengel von der Berliner Weberbank vor einem trügerischen Schwung ins neue Jahr. Einzig auf die Verlierer des Vorjahres zu setzen, wäre da wohl eine zu simple Strategie. "Wir würden weiter eine defensivere Strategie mit einem gesunden Maß an Liquidität einnehmen.

Darauf zu setzen, dass bis dato besonders angezählte Aktien aus dem Bankensektor oder dem Versorgerbereich einzig wegen des Januareffekts plötzlich wieder gefragt sein werden, scheint eine zu wagemutige Theorie. Wegen der hohen Eigenkapitalanforderungen auf der einen Seite und der Energiewende auf der anderen sind beide Branchen wohl auch in diesem Jahr nicht die, bei denen auf eine baldige Rückkehr geschlossen werden könnte.

Andere Aktien, die mit dem Kurseinbruch seit dem Sommer und den damit aufkeimenden neuerlichen Rezessionsängsten zu stark gelitten haben, wurden von den Anlegern indes schon entdeckt. Die Lufthansa oder Heidelberg Cement sind entsprechende Beispiele. Seit einigen Wochen ist dort bereits eine deutliche Erholung spürbar. Von den rund 60 Prozent, die die Lufthansa im Lauf des Börsenjahres 2011 mal im Minus lag, hat sich in der Abschlussbilanz der Verlust auf 43 Prozent verringert. Als Profiteure des Januareffektes könnten sie trotzdem weiter zulegen, glauben Analysten.

Ebenfalls in diese Richtung gehen Papiere wie die des Düngemittelherstellers K+S oder des Autobauers Daimler. K+S geriet erst kurz vor dem Jahreswechsel noch einmal unter Druck, wäre damit prädestiniert für eine Trendwende. Und Daimler hat von den drei im Dax vertretenen Automobilherstellern im vergangenen Jahr am schlechtesten abgeschnitten. Auch hier stellt sich die Frage, ob an der Börse im Vergleich zu VW und BMW mit zweierlei Maß gemessen wurde.

Der Januareffekt hat noch eine weitere Variante. "So wie der Januar schließt, so schließt das gesamte Jahr", heißt es. Wissenschaftliche Arbeiten gibt es zuhauf, funktioniert hat dieser Leitsatz allerdings nur in 60 Prozent der Fälle. "2006 ging's auf, 2011 dagegen gründlich schief", sagt Christian Gattiker, Chefstratege beim Bankhaus Julius Bär. Wie auch immer: Die Börsenwelt blickt darauf.

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