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12.06.2012

12:58 Uhr

Börsenturbulenzen

Die Chance auf den "schnellen Euro"

VonChristian Schnell

Der Dax ist derzeit unberechenbar. Die Politik bestimmt die Aktienkurse mehr als die Unternehmen. Für mutige Anleger kein schlechtes Umfeld, behaupten Anlagestrategen. Viele Aktien seien zu Schnäppchenpreisen zu haben.

Börse Frankfurt: Derzeit sind die Aktienmärkte ein Spielball der Politik. dapd

Börse Frankfurt: Derzeit sind die Aktienmärkte ein Spielball der Politik.

FrankfurtEs ist der übliche Automatismus an den Börsen: Werden die, wie schon so oft in der europäischen Schuldenkrise, von der Politik bestimmt, dann schwanken die Kurse weit mehr als in Marktphasen, in denen Unternehmensnachrichten die Kurse treiben. Das ist auch in diesen Tagen so: Der VDax, der speziell für den Derivatehandel die täglichen Schwankungen an den Börsen misst und damit so etwas wie ein Nervositäts-Barometer darstellt, ist seit Anfang April vom damals noch unbedenklichen Wert um 20 auf bedenkliche Höhen weit jenseits der 30 angestiegen.

Anleger im Krisenmodus

Warum sind die Börsen so nervös?
Warum sinken die Ölpreise?

Die Ölpreise haben seit Anfang Mai um rund 20 Prozent nachgegeben. Eine schwache globale Konjunktur senkt die Nachfrage nach Öl und Ölprodukten.

Würde es helfen, wenn die EZB die Geldschleusen weiter öffnet

In der Vergangenheit stellte die EZB klammen Banken billig Milliarden zur Verfügung, um ein Austrocknen der Geldflusses zu verhindern und die Konjunktur anzukurbeln. Die Institute hatten ihre Kreditvergabe im Schlussquartal 2011 so stark gedrosselt wie seit der Lehman-Pleite nicht mehr. Eine weitere EZB-Geldspritze könnte die Lage kurzfristig entspannen. Beobachter rechnen allerdings damit, dass die EZB ihr Pulver zunächst trocken hält und den Ausgang der Griechenland-Wahl am 17. Juni und den EU-Gipfel Ende des Monats abwartet.

Sollte die EZB die Zinsen weiter senken?

Europäische Ökonomen plädieren angesichts einer drohenden Rezession im Euro-Raum für Zinssenkungen. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation.

Was kann die EZB sonst noch tun?

Denkbar wäre auch, dass die Währungshüter erneut Geld in die Hand nehmen, um Anleihen kriselnder Euroländer aufzukaufen. Das würde den angeschlagenen Staaten helfen, die sich nur noch relativ teuer frisches Geld besorgen können und letztlich auch das dortige Bankensystem stabilisieren. Während Deutschland so günstig wie nie Geld bei Anlegern einsammeln kann, muss etwa Spanien immer höhere Zinsen bieten, um neue Bonds am Markt unterzubringen. Das erschwert den Sparkurs solcher Länder. Letztlich kann die EZB die Krise allein jedoch nicht lösen.

Wie geht es weiter?

In diesen hochnervösen Zeiten sind Prognosen naturgemäß sehr schwierig. Bereits vermeintlich kleinere Nachrichten können die Märkte kräftig durcheinanderwirbeln. Das gilt nicht nur für Unternehmensnachrichten, die angesichts der zu Ende gegangenen Bilanzsaison in den kommenden Woche spärlicher werden dürften. Auch Reaktionen der Märkte auf politische Nachrichten sind weiter an der Tagesordnung. Doch wie in so vielen Fällen gibt es auch hier eine alte Börsenregel: „Politische Börsen haben kurze Beine“.

Die Worte von EZB-Präsident Mario Draghi, bereitzustehen, sollte die Krise sich verschärfen, haben den VDax zuletzt zumindest wieder auf 28 Zähler gebracht. "Das aktuelle Angstniveau zeigt an, dass schon ein hohes Maß an Unsicherheit am Aktienmarkt eingepreist ist", heißt es von der genossenschaftlichen DZ Bank.

Für Anleger heißt das, kaufen und halten ist derzeit wohl die falsche Strategie. Wer im kräftigen Auf und Ab des täglichen Handels mit kurzfristigen Orders seine Chance sucht, der kann mit einem gewissen Risiko durchaus einen schnellen Euro machen. "In den nächsten Wochen könnten sich Gelegenheiten für opportunistische Anleger ergeben", sagt Christian Gattiker, Chefstratege beim Schweizer Bankhaus Julius Bär. Statt "buy and hold" sollte man dann die sogenannten "mean reversion" wählen. Fachleute an den Finanzmärkten verstehen darunter die aktuellen Übertreibungen, die sich aber im Lauf der Zeit immer wieder korrigieren.

Entscheidend wird für Anleger, welche Einflussfaktoren Tag für Tag den Handel bestimmen. Sind es die reinen Konjunkturfaktoren quer über den Erdball, dann zeigen die im Moment zwar alle miteinander deutliche Bremsspuren. Gattiker ist sich jedoch sicher, dass die Talsohle erreicht ist. So wachsen die USA zwar langsamer als vor einem Jahr, dafür nachhaltiger. Und China, der zweite große Einflussfaktor auf die Welt, hat Ende vergangener Woche erstmals seit rund vier Jahren wieder die Leitzinsen gesenkt. "Das ist positiv, weil die Politiker damit demonstrieren, dass sie proaktiv auf das langsamere ökonomische Wachstum reagieren", sagt Gigi Chan, Fondsmanagerin beim globalen Fondshaus Threadneedle. Der Abschwung könnte damit vorüber sein, ehe er so richtig begonnen hat.

Kommentare (2)

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armes_Deutschland

12.06.2012, 13:19 Uhr

Seriöse Geldanlage ist nicht mehr möglich, ein Eldorado für Glücksspieler und natürlich!!! allen voran die Investmentbanken - die wir dann retten dürfen, da sie ja Systemrelevant sind. Deutschland wie tief bist du mit diesen dilettantischen Politikern gesunken???, und das schlimmste - es ist kein Ende in Sicht,noch nicht.....

Account gelöscht!

12.06.2012, 13:31 Uhr

Man kann damit auch als Privatmann/frau mitmachen und Geld verdienen. Das ist kein Millionärsprivilleg.

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